23 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
"Freya" feiert Geburtstag

Raddampfer in Kiel "Freya" feiert Geburtstag

„Der 5. Mai ist für uns Niederländer ein besonderer Tag, er ist für uns der Tag des Kriegsendes“, sagt Jeanne Zwaans. Deshalb kam die Niederländerin am Dienstag nach Kiel, zu einer besonderen Geburtstagsfeier. Der Raddampfer „Freya“ stand im Mittelpunkt. Er wurde 110 Jahre alt und ist seit zehn Jahren in Kiel beheimatet. Vor 70 Jahren lag das Schiff in den Niederlanden und war Teil der Widerstandsbewegung, die den Krieg überstand.

Voriger Artikel
Gelehrtenschüler im Wochenfinale
Nächster Artikel
Verhinderter Autodieb muss hinter Gitter

Die "Freya" hat jüdische Flüchtlinge durch den Krieg gerettet. Heute wird sie 110 Jahre alt. Am 5. Mai 1945 wurde sie in den Niederlanden befreit.

Quelle: Frank Behling

Kiel. Als Jeanne Zwaans geboren wurde, war der Zweite Weltkrieg gerade zwei Jahre vorbei. Dennoch waren die Geschichten, die in der Familie über das stolze Schiff erzählt wurden, der Grund für umfassende Recherchen. „Es geht um die Geschichte meiner Familie“, sagt sie. Ihr Vater Jan und dessen Bruder Kees spielten im Krieg eine wichtige Rolle im Widerstand gegen die deutschen Besatzer. Sie nahmen deutsche Flieger gefangen, übermittelten Nachrichten und versteckten bis zum Kriegsende verfolgte jüdische Mitbürger.

 Als 1940 deutsche Truppen in die Niederlande einfallen, trug die „Freya“ den Namen „De Zwaan“ und lag als schwimmende Tankstelle in dem damals neu erbauten Juliana Kanal. Der Großvater von Jeanne, Petrus Josephus Zwaans, hatte das 1905 als Fähre „Westerschelde“ gebaute Schiff zu einem Tank- und Lagerschiff umrüsten lassen. Neben Lagerräumen und Tanks gab es auch Verstecke an Bord.

 „Mein Vater Jan und sein Bruder Kees haben sich für die Menschen eingesetzt, die verfolgt wurden“, sagte Jeanne Zwaans. Die Niederländerin ist die Tochter von Jan Zwaans, der mit seinem Bruder Kees im Krieg auf dem heutigen Raddampfer jüdische Mitbürger versteckte. Auf der „De Zwaan“ gab es im Vorschiff und im Heck versteckte Räume. Besonders erfolgreich war der Einbau eines Verstecks im Vorschiff. „Eine Toilette, die eine Drehtür hatte, war der Zugang zu einer Treppe, die hinunter in einen Raum führte, der als Versteck diente“, sagt sie. Im Frühling 1944 waren zeitweise 33 verfolgte Juden zeitgleich auf dem Schiff versteckt. Als deutsche Soldaten das Schiff durchsuchten, fanden sie zwar ein verlassenes Versteck, nicht jedoch den Tank im Vorschiff. Der von den Flüchtlingen nur „Hölle“ genannt wurde. Die Familie Zwaans war durch Widerstandskämpfer vor Razzien gewarnt worden. „Die ’Freya’ hat ihr Geheimnis nie preis gegeben, bis zum Schluss nicht“, sagt Jeanne Zwaans.

 Der heutige Eigner der „Freya“, der Sylter Reeder Sven Paulsen, hat das Schiff 1999 in Rotterdam nach dem Umbau zum Raddampfer „De Nederlander“ entdeckt und nach Schleswig-Holstein gebracht. Die Vergangenheit hat ihn dabei auch immer interessiert. Regelmäßig fährt die „Freya“ auch am Mittwoch zu Treffen in die Niederlande und lädt Angehörige und Überlebende von damals an Bord ein. „Wir können die Geschichte nicht mehr ändern. Ich kann aber helfen, zur Versöhnung zwischen Deutschland und den Niederlanden beizutragen“, sagte er bei einer Fahrt 2014 in Groningen. Die Geschichte der „Freya“ ließ er jetzt von dem Journalisten Stefan Lipsky aufarbeiten und als Buch drucken. Das Buch wurde am Dienstag erstmals an Bord vorgestellt.

Barbara Post und Stefan Lipsky, „Raddampfer Freya“; 68 Seiten, 14,80 Euro, ISBN 978-3-943582-10-9

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

Events in Kiel

Veranstaltungen in Kiel
Aktuelle Termine, News, Infos.

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Anzeige