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Eindrücke aus der rauen Arbeitswelt

Rathaus-Empfang Eindrücke aus der rauen Arbeitswelt

Faire und gerecht bezahlte Arbeit, Renten, die das Leben im Alter absichern und mehr Solidarität – diese Forderungen bestimmten im Kieler Rathaus den Empfang der Stadt für Gewerkschaften, Betriebs- und Personalräte.

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Betriebsratsvorsitzender Jochen Tombarge (Mitte) nimmt den Kieler Mitbestimmungspreis 2016 aus den Händen von OB Ulf Kämpfer (links) und Frank Hornschu (DGB) entgegen.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Beim sechsten Treffen dieser Art herrschten ernste Töne vor. Hausherr Ulf Kämpfer (SPD), als Verwaltungschef mitten in einer Tarifauseinandersetzung des öffentlichen Dienstes, treibt vor allem um, dass die Konflikte langwieriger werden, während die Akzeptanz des Wirtschaftssystems und der Demokratie offenbar zusehends schwindet. „Bei allen gesellschaftlichen Fortschritten wird nicht alles besser, sondern sogar manches schlechter“, bedauerte er. Das gesellschaftliche Klima wird rauer, stellte auch Torsten Jäger, stellvertretender Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, fest, indem er auf die Zunahme von Übergriffen auf Beamte und zunehmende Verrohung in sozialen Brennpunkten hinwies. 94000 Menschen im Bezirk des Gewerkschaftsbundes (DGB) in der Kiel-Region lebten von Hartz IV oder als Aufstocker, weil ihr Lohn nicht ausreiche „Gute Arbeit führt zu Gutem“, ist er überzeugt und warnt vor Werkverträgen, Niedriglöhnen oder Auslagerungen. Trotz aller Ermahnungen sieht Jäger den Weg zur guten Arbeit bereitet, unter anderem durch das Bündnis für Industrie. Der Stadt bescheinigte er, mit dem Empfang ein wichtiges Zeichen zu setzen.

Das sieht Dirk Lerche, Gesamtpersonalratsvorsitzender der Stadt, ähnlich, als er „mehr Solidarität“ anmahnte – das Motto des diesjährigen Tages der Arbeit am 1. Mai. Als im vergangenen Jahr die Flüchtlingszahlen wuchsen, hätten viele Kollegen und Kolleginnen in anderen Ämtern ausgeholfen. Verwaltung und Ratsversammlung hätten zudem allein 135 Stellen mehr beschlossen, um die Herausforderung der Flüchtlingsbetreuung zu stemmen.

Wie sehr sich der Einsatz für die Beschäftigten lohnt, machte DGB-Vorsitzender Frank Hornschu in seiner Laudatio für den Betriebsrat von Danfoss Power Solutions (Neumünster, 750 Mitarbeiter) klar. Das Gremium erhielt den diesjährigen Mitbestimmungspreis, weil er sich für ein gerechtes Entgeltsystem, mehr Planungssicherheit und Qualifizierung sowie Arbeits- und Gesundheitsschutz stark gemacht hatte. Es sei ein langer und harter Weg gewesen, erinnerte sich Betriebsratsvorsitzender Jochen Tombarge, der nur gemeinsam habe erreicht werden können. Ein Ende ist für ihn schon mit Blick auf Jugendliche und Geringqualifizierte aber noch nicht in Sicht: „Wir müssen weitermachen.“

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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