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Weihnachtsmarkt mit Drahtseilakt

Rathausplatz Weihnachtsmarkt mit Drahtseilakt

Der neue Weihnachtsmarkt auf dem Rathausplatz in Kiel soll mehr Touristen anlocken: In knapp einem Monat wird er eröffnet - mit 50 Buden im nordischen Stil und einem Drahtseilakt.

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Fast zu schön, um wahr zu sein: So wie bereits in Hamburg soll der Weihnachtsmann nun auch in Kiel den Besuchern des neuen Winterdorfes bei seinen täglichen Schlittenfahrten zur Rathausturmspitze zuwinken.

Quelle: Jens Ressing/dpa

Kiel. Schöne Bescherung für Kiel: In knapp vier Wochen soll die Stadt um eine Vorweihnachtsattraktion reicher sein. Auf dem Rathausplatz entsteht ab dem 21. November nicht nur erstmals ein Weihnachtsdorf mit mehr als 50 Buden im nordischen Stil, das die drei angestammten Weihnachtsmärkte um einen vierten ergänzt. Die Veranstalter planen am neuen Standort zudem noch eine weitere spektakuläre Premiere: weihnachtliche Drahtseilakte bis hinauf zur Rathausspitze.

 „Wenn alles klappt, wird das ein absolutes Highlight“, verspricht Thomas Schütte, der als Geschäftsführer von Grandezza Entertainment unter anderem auch als Veranstalter des Kieler Weihnachtsdorfes fungiert. Jeweils drei Mal täglich sollen die Besucher des Dorfes das Spektakel verfolgen können, wenn sechs (unechte) Rentiere ein Segelboot mit (echtem) Weihnachtsmann darin bis zur Rathausspitze hinaufziehen. Die dafür nötigen statischen Berechnungen lägen nun ebenso vor wie die Genehmigung der Stadtverwaltung, die sich laut Schütte bei den Vorbereitungen „unerwartet sehr kooperativ“ gezeigt habe.

 So ganz neu ist ein solcher akrobatischer Drahtseillauf mitten in einem Weihnachtsmarktgetümmel freilich nicht. Ein ähnliches Spektakel gibt es bereits auf dem Platz vor dem Hamburger Rathaus mit einem Weihnachtsmarkt, den Grandezza seit etwa 15 Jahren ebenfalls nach selbst entwickeltem Konzept – „romantisch, stilvoll, hochwertig“ – veranstaltet. Offenbar kommt die Mischung aus Artistik und Adventsstimmung gut an in der Hansestadt. So berichtet Kiel-Marketing-Projektleiter Johannes Hesse von immer mehr Busreisen zum Hamburger Weihnachtsmarkt, auch weil Besucher unbedingt diesen Drahtseilakt sehen wollten. „Einen solchen touristischen Anziehungseffekt erhoffen wir uns natürlich künftig auch für Kiel.“

 Dass hierbei noch reichlich Luft nach oben ist, zeigten die Ergebnisse einer vor zwei Jahren von Kiel-Marketing durchgeführten Befragung von Kieler Weihnachtsmarktbesuchern. Danach kamen weniger als zwei Prozent von ihnen aus Orten, die zehn Kilometer oder mehr von Kiel entfernt lagen. Hesse: „Insofern ist unser Weihnachtsmarkt bislang eine reine Kieler Veranstaltung gewesen.“

Weihnachtsmarkt soll Touristen anlocken

 Das soll sich mit dem zusätzlichen Weihnachtsdorf auf dem Rathausplatz nun ändern. So schätzt der Kiel-Marketing-Projektleiter das Potenzial zusätzlicher Weihnachtsmarktbesucher aus dem Umland auf bis zu 400000. Um möglichst viele davon zu erreichen, hat Kiel Marketing nun eine Werbeoffensive mit einem Volumen von 36000 Euro gestartet. „Trotzdem wird es mindestens noch zwei bis drei Jahre dauern, bis sich das neue Konzept richtig durchgesetzt hat“, vermutet der Projektleiter.

 Spätestens ab dann, so hofft Hesse zumindest, werde sich die ängstliche Nervosität vieler Budenbetreiber an den traditionellen Kieler Weihnachtsmarktstandorten angesichts neuer Konkurrenz auf dem Rathausplatz gelegt haben. „Ich kann verstehen, dass Händler sich über möglicherweise sinkende Umsätze Sorgen machen. Aber wenn die Attraktivität der Weihnachtsmärkte insgesamt steigt und damit auch die Besucherzahl, haben schließlich alle etwas davon.“ So sieht das auch Thomas Schütte, der dem Weihnachtsmarktstandort Kiel bescheinigt, „noch weit hinter seinen Möglichkeiten“ zurückgeblieben zu sein: „Jetzt hoffen wir, dass wir dies ändern können.“ Dafür ging Grandezza laut Schütte in finanzielle Vorleistung mit der Investition eines „hohen sechsstelligen Betrages“.

Hütten und Gastronomie

 Der größte Teil des Geldes floss in den Bau der mehr als 50 Hütten, die extra für Kiel angefertigt wurden, darunter zwei große runde „Schankhäuser“ für gastronomische Angebote wie zum Beispiel schwedischer Glögg (Glühwein), Spezialitäten aus Tirol (Otto Schlüters Alpenwelt) oder auch aus Norddeutschland (Gosch, Kieler Fischbar). Die Gestaltung der Hütten orientiere sich mit nordischen Giebelornamenten, den Wichtel-Figuren und den Farben Rot, Ocker, Grün und Blau ganz bewusst an skandinavischen Vorbildern. „Denn wir wollten für Kiel etwas Besonderes schaffen, was zur Stadt und ihrem Flair passt“, erklärt Schütte.

 Auch bei den in den Hütten angebotenen Waren habe man großen Wert auf Qualität gelegt. So gebe es dort unter anderem Weihnachtsdeko der Edelmarke Käthe Wohlfahrt oder aus dem Erzgebirge. Die Stadt honorierte das speziell auf Kiel abgestimmte Konzept und die dafür nötigen Investitionen auf ihre Weise: Sie erließ Grandezza zumindest für die ersten beiden Jahre die Standgebühren.

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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Rentiere in Wartestellung: Ab dem 21. November soll diese Spezialanfertigung der Hingucker im neuen Weihnachtsdorf werden. Drei Mal am Tag wird ein Weihnachtswichtel in seinem (motorisierten) Schiff zum Rathausturm gezogen.

Das rund 90 Meter lange Drahtseil quer über dem Rathausplatz wirkt wie ein Symbol. Wenn darauf im neuen Weihnachtsdorf ab 21. November das Boot mit einem Weihnachtswichtel darin erstmals von vier Rentieren Richtung Rathausturm emporgezogen wird, ist das nicht nur eine artistische Leistung.

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