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Die Führung bleibt männlich

Ratsversammlung Die Führung bleibt männlich

Als die Ratsmitglieder an ihre Tische im Ratssaal kamen, fanden sie gelbe Beutel mit der Aufschrift „Einmischen possible – Frauen in die Kommunalpolitik“. Es war ein deutlicher Wink seitens der städtischen Gleichstellungsbeauftragten Helga Rausch, deren Bericht zur Beratung anstand.

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Ein Bild mit Symbolcharakter, das auch in Verwaltung und Politik der Landeshauptstadt bis heute Gültigkeit hat: Frauen sind in Führungspositionen oder in den oberen Entgeltgruppen nach wie vor unterrepräsentiert.

Quelle: dpa

Kiel. Auf manchen Feldern habe es Fortschritte gegeben, doch nicht bei der Tatsache, dass zu wenige Frauen in den oberen Entgeltgruppen, Führungspositionen und in der Politik vertreten seien.

 „Wir wollen strukturelle Veränderungen“, forderte die Gleichstellungsbeauftragte, die in ihrem Bericht klar machte, dass sie Frauen wie Männern zu mehr Gleichstellung verhelfen will. Dass manche Rollenmodelle anfangen zu bröckeln, macht sie an der steigenden Zahl von Männern in der Beratungsstelle fest: Es kämen immer mehr Mitarbeiter, die Probleme in der Stadtverwaltung und in Unternehmen hätten, wenn sie Elternteilzeit oder Telearbeitsmöglichkeiten wünschten.

 Deutliche Kritik übte die Gleichstellungsbeauftragte an der Stadtverwaltung auch in einem anderen Bereich: der auch dort zu beobachtenden ungleichen Entlohnung von Männern und Frauen. Trotz vorhandener Tarifverträge gebe es diese „Lohnlücke“, besonders in den untersten Lohngruppen.

 Als Beispiel dafür führte Helga Rausch die deutlich zu niedrige Eingruppierung von Küchenhilfen in Kitas an. Gerade dort seien aber Anforderungen zum Beispiel in Bereichen wie Ernährung oder Hygiene gestiegen. Ebenso „unverständlich“ sei auch die tarifliche Eingruppierung von Lehrkräften für Integrationskurse.

 Der kritische Bericht der Gleichstellungsbeauftragten zeigte Wirkung: Einstimmig verabschiedete die Ratsversammlung einen Antrag der Kooperation (SPD, Grüne, SSW) mit dem Ziel, eine mögliche „Entgeltungleichheit“ für untere Lohngruppen zumindest überprüfen zu lassen. Zum Einsatz kommen soll dabei das von der Böckler-Stiftung geförderte System „Entgelt-Gleichheitscheck“.

 Nicht nur der Gleichstellungsbericht wartete mit Statistiken und Zahlen auf, sondern auch der Sozialbericht. Die Stadt Kiel profitiert demnach von der demografischen Entwicklung, wird jünger und wächst landesweit in den nächsten Jahren am stärksten. Die Daten spiegeln jedoch auch wider, wie unterschiedlich sich die 18 Ortsteile entwickeln und wie sehr die Gefahr der sozialen Spaltung wächst. Die Stadt will vor allem beim Wohnungsbau gegensteuern, betonte Sozialdezernent Gerwin Stöcken, der von allen Fraktionen Lob für die Fülle der Fakten erhielt. Sie seien ein gutes Fundament für künftige Entscheidungen in der Sozialpolitik, hieß es von allen Rednern.

 Mehr Einwohner für Kiel bedeuten für die Stadt nicht nur einen steigenden Bedarf an Wohnungen, nötig seien auch mehr Kindergärten, Schulen, Straßen und öffentlicher Personennahverkehr. Bis 2030 prognostiziert das Statistikamt Nord der Landeshauptstadt 10,3 Prozent mehr Bürger – ein Plus von 25000 Einwohnern. Den Zuwachs hat Kiel vor allem der steigenden Geburtenrate, dem Zuzug von Studierenden und Migranten zu verdanken. Schon lange habe es nicht so viele Babys gegeben, freute sich Oberbürgermeister Ulf Kämpfer. Die Zahl der Menschen unter 20 Jahren soll um zwölf Prozent steigen, eine „sensationelle Zahl für unsere Zukunftsfähigkeit. Kiel ist offenbar der attraktivste Ort in Schleswig-Holstein“, so Kämpfer. Eine große Chance für Kiel, aber auch eine Riesenherausforderung, schwor der Verwaltungschef die Ratsversammlung darauf ein, sie gemeinsam anzunehmen.

Von Martina Drexler und Jürgen Küppers

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