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Krach um die Kiel-Marke

Ratsversammlung Krach um die Kiel-Marke

„Kiel.Sailing.City“ liegt als Dachmarke vorerst auf Eis. Die Beschlussvorlage über ihre Einführung wurde vertagt. Damit endete eine hochemotionale Debatte im Rathaus nach mehr als einer Stunde gegenseitiger Appelle, Angriffe und Vorwürfen mit einem Eklat.

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Oberbürgermeister Ulf Kämpfer spricht vor dem alten Stadtwappen zu den Stadtverordneten.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Zu Beginn hatte Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) für eine Grundsatzentscheidung samt Ergänzung von SPD, Grünen und SSW geworben, sich erst später gemeinsam über die künftige Verwendung des roten Stadtwappens und der blauen Dachmarke festzulegen. Vergeblich.

Kiels neue Dachmarke

Die Proteste zahlreicher Bürger in den vergangenen Tagen gegen das neue Erkennungszeichen, welches das Wappen in den Hintergrund rücken sollte, und seine hohen Kosten (500 000 Euro bis 2020) hatten Politik und Verwaltung aufgeschreckt. Wie stark viele Kieler offenbar an ihrem Wappen hängen, erwischte die meisten kalt. Auch Oberbürgermeister Ulf Kämpfer gestand, überrascht über die Wucht der Protestwelle zu sein, obwohl er selbst angesichts zurückliegender Streitigkeiten wegen des Kieler-Woche-Logos „lebendige Diskussionen“ vorausgesagt hatte. „Das Beste kommt zum Schluss“ , meinte er noch optimistisch, als er zu Beginn der Debatte ans Rednerpult, auf dem das Stadtwappen prangt, ging. Leidenschaftlich warb er für eine Grundsatzentscheidung zum „klaren, frischen“ Design von „Kiel.Sailing.City“ und dafür, über die weitere Nutzung des Wappens, das nie abgeschafft werden sollte, erst später gemeinsam in einem Gesamtkonzept abzustimmen. „Das Stadtwappen bleibt als Hoheitssymbol der Landeshauptstadt erhalten“, hieß es im Antrag von Rot-Grün-Blau, mit dem die Ratsmehrheit einen Kompromiss erreichen wollte, um auch CDU und FDP mit ins Boot zu bekommen, die Korrekturen einforderten. Die FDP schlug eine Kombination beider Erkennungszeichen vor. Für die CDU stand dagegen fest, dass der gesamte städtische Schriftverkehr nur unter dem roten Signet laufen sollte. Bevor der Streit richtig losging, versuchte Kämpfer noch einmal klarzustellen, dass die Diskussion über das neue Logo bereits 2011 begonnen hatte. Er erinnerte daran, dass 2013 alle Fraktionen einmütig beschlossen hatten, an „Kiel.Sailing.City“ festzuhalten, jedoch erweitert und mit neuer Form. Auch in der Endauswahl durch eine Jury waren alle Fraktionen beteiligt. Doch nach dem Trubel, den die öffentliche Präsentation ausgelöst hatte, war die Gemeinsamkeit offenbar dahin.

CDU-Fraktionschef Stefan Kruber, der auch in der Jury saß, hält zwar das neue Logo für gelungen. Aber er sei immer davon ausgegangen, dass „Kiel.Sailing.City“ zusätzlich zum Wappen verwandt werden würde: „Das Wappen ist ein Symbol für die Stadt, steht für Kontinuität und Tradition“, warf er der Ratsmehrheit vor, einen schweren Fehler zu begehen. Kämpfer wie auch SPD-Ratsherr Benjamin Raschke betonten immer wieder, dass das Wappen nicht verschwinden werde. „Im Schriftverkehr finde auch ich es sinnvoll“, so Raschke und appellierte, nicht wie von Kruber initiiert, den Antrag zurückzustellen bzw. zu vertagen: „Unser Antrag lässt doch ganz viel Spielraum.“ Allein Kruber fehlte das Vertrauen. Mit dem Zurückstellungsantrag, der eine Mehrheit in der Ratssitzung gebraucht hätte, scheiterte er. Doch die Vertagung bis März konnte er durchdrücken: Dafür genügten 14 Stimmen von CDU, FDP und Linken, um das nötige Drittel der 42 anwesen Ratsmitglieder zu erreichen.

Bekommt Kiel   ein Festival der Nationen?

Ein symphonisches Festival der Nationen im Wechsel mit Open-Air-Opern auf dem Rathausplatz: Das wünschen sich alle Ratsfraktionen, die ohne Gegenstimme einen entsprechenden interfraktionellen Prüfauftrag an den OB auf den Weg brachten. Hintergrund des Antrags ist der große Erfolg der alle zwei Jahre auf dem Rathausplatz veranstalteten und meist ausverkauften Freiluft-Opernaufführungen. An diesen Erfolg wollen die Fraktionen nun anknüpfen. In den Jahren ohne Open-Air-Opern könnten Orchester aus Deutschland (Kieler Philharmoniker, NDR-Orchester), aus europäischen Partner- oder mit Kiel befreundeten Städten aufspielen. Damit erhalte die Konzertreihe internationalen sowie völkerverbindenden Charakter. Hinsichtlich der Organisation könne an die Erfahrungen mit der Opern-Sommerbespielung der Rathausplatzes zurückgegriffen werden. Auch die Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit dem Schleswig-Holstein Musik-Festival wären zu prüfen. Aus Sicht der Antragssteller wäre ein Festival der Nationen nicht nur eine Bereicherung der Kieler Kultur, sondern zugleich eine Möglichkeit der Intensivierung kultureller Zusammenarbeit mit Partner- oder befreundeten Städten. Angaben zu Kosten oder Finanzierungsmodellen enthielt der Antrag allerdings nicht.  (küp)

Eiderbad bleibt erhalten

Beim Thema Sanierung des Eiderbades Hammer waren sich alle Fraktionen einig. Die Anlage als wichtige soziale Einrichtung und ihr Betrieb durch die Stiftung Drachensee müssten gesichert werden. SPD, Grüne und SSW forderten die Verwaltung daher in einem Dringlichkeitsantrag auf, Sanierungsvarianten zu prüfen, Zeit- und Kostenpläne zu erstellen und einen Vorschlag für ein Konzept zu machen. Die CDU, die bereits für den Haushalt Mittel für die Sanierung eingestellt wissen wollte, schloss sich an. Wie berichtet, ergab ein Gutachten große Schäden an der Folienabdichtung und an der Betonkonstruktion des Bades, das laut Stadt deshalb in diesem Sommer nicht zum Baden einladen kann. Erste Schätzungen gehen von Sanierungskosten zwischen 326000 und 524000 Euro aus. (mad)

Von Martina Drexler und Jürgen Küppers

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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Diskussion um Stadtmarke
Foto: Sie möchten das Kieler Stadtwappen in der jetzigen Form und Verwendung sichern: Die Ortsbeiratsmitglieder Axel Stein (CDU, v. li.), Vorsitzender Timo Dittrich (SPD), Julia Bousboa (Bündnis 90/Die Grünen) und Eberhard Stein (CDU).

Die neue Dachmarke der Stadt sorgte für Diskussionen im Ortsbeirat Schreventeich/Hasseldieksdamm. In einem Antrag wird der Oberbürgermeister gebeten, den Erhalt des Kieler Stadtwappens in der jetzigen Form und Verwendung zu sichern und die Einführung der Stadtmarke nicht weiter zu verfolgen.

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