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Mammutprozess auf der Zielgeraden

Raubüberfälle Mammutprozess auf der Zielgeraden

Nach sechsmonatiger Verhandlung, der Anhörung von 75 Zeugen und Erörterung unzähliger Indizien hofft das Kieler Landgericht im Mammutprozess gegen zwölf mutmaßliche Räuber aus Litauen auf einen baldigen Abschluss der Beweisaufnahme.

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Das Pfandhaus am Exerzierplatz wurde im Oktober 2014 Schauplatz eines brutalen Überfalls. Die Täter machten reiche Beute.

Quelle: Uwe Paesler

Schleswig/Kiel. Für den 35. Sitzungstag am Dienstag hatte die Strafkammer weitere Zeugen zum dritten und letzten Tatkomplex – der Planung eines Raubüberfalls auf einen Juwelier in München – geladen.

 Weitgehend abgehakt ist der Prozessstoff für die beiden vollendeten Raubtaten in Düsseldorf (August 2014) und in Kiel (Oktober 2014). Wie berichtet hatten die 22- bis 41-jährigen Männer laut Anklage in unterschiedlicher Besetzung die Läden überfallen, jeweils einen Mitarbeiter niedergeschlagen sowie Uhren und Goldschmuck im Gesamtwert von rund 400000 Euro erbeutet. In Kiel überfielen die Täter ein Pfandhaus am Exerzierplatz.

 In Düsseldorf gingen die Räuber besonders brutal gegen den Inhaber vor. Das Opfer erlitt mindestens acht wuchtige Fußtritte gegen den Kopf, so der Vorwurf. Ein zur Tatzeit 22-jähriger Mittäter, der kurz zuvor von der Bande angeheuert worden sein will, trat zu Prozessbeginn als Kronzeuge auf. Vilmantas K. legte als Einziger ein umfassendes Geständnis ab und belastete mehrere Mitangeklagte.

 Nach eigener Darstellung glaubte K. damals, es gehe bei den in Düsseldorf erwarteten Armbändern, Ketten und Ringen nur um Einbruch, nicht aber um brutalen Raub. Der junge Mann belastete später den Hauptangeklagten Ramunas P. (34), dem er die Fußtritte gegen den Juwelier vorwarf. Zu seiner Sicherheit steht er unter besonderem Schutz. Nicht einmal die Anwälte des Kronzeugen kennen seinen Aufenthaltsort.

Aufwändigstes Strafverfahren der schleswig-holsteinischen Rechtsgeschichte

 Nach Planung der 7. Großen Strafkammer, die im mit rund 50 Prozessbeteiligten größten und aufwändigsten Strafverfahren der schleswig-holsteinischen Rechtsgeschichte aus Platz- und Sicherheitsgründen in den größten Saal der Verwaltungsgerichte in Schleswig ausweichen musste, soll der letzte Zeuge am 13. Mai vernommen werden.

 Doch zunächst wird am kommenden Dienstag ein litauischer Gefangener per Videokonferenz aus einer Haftanstalt seines Heimatlandes zugeschaltet, so der Fahrplan. Der Zeuge D. könnte nach Überzeugung der Staatsanwälte über die Hintergründe und Strukturen der Bande berichten, die den „Kamuoliniai“ („Ballspieler“) zugerechnet wird. An die berüchtigte Organisation soll D. auch den späteren Kronzeugen vermittelt haben. Doch ob D. darüber reden wird, ist fraglich: Ihm steht ein Aussageverweigerungsrecht zu.

 Wenn am Ende auch die Vorstrafen der einzelnen, stets von mindestens zwei Vollzugsbeamten streng bewachten Angeklagten eingeführt worden sind, steht dem Gericht ein wahrer Marathon an Plädoyers bevor. Neben den beiden Staatsanwälten und zwei Rechtsbeiständen der als Nebenkläger beteiligten Raubopfer werden bis zu 25 Verteidiger ihre Schlussvorträge halten.

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