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„Jetzt starte ich noch mal richtig durch“

Raus aus der Arbeitslosigkeit „Jetzt starte ich noch mal richtig durch“

Immer am Monatsende kommt die aktuelle Arbeitsmarkt-Statistik heraus. Hinter den abstrakten Arbeitslosenzahlen stehen menschliche Einzelschicksale. An dieser Stelle berichten wir deshalb jeden Monat von einem Beispiel, das Mut machen kann. Heute stellen wir Sabrina Förstner (27) vor, die im Ellerbeker Pflegeheim Petrick eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin macht.

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Sabrina Förstner (links) lernt in der Küche des Pflegeheims im Team von Hauswirtschaftsleiterin Monika Kähler, wie Mahlzeiten geplant und zubereitet werden.

Quelle: Karin Jordt

Kiel. Mit großer Begeisterung wirbelt Sabrina Förstner in der Küche des Pflegeheims und strahlt: „Jetzt starte ich noch mal richtig durch.“ 2006 machte die Kielerin ihren Hauptschulabschluss und bemühte sich um einen Ausbildungsplatz. Sie fand zwar eine Stelle, aber nicht die erhoffte Ausbildung. So konzentrierte sie sich auf ihre Aufgaben als Mutter. Heute sind ihre vier Kinder sieben, sechs, drei und eineinhalb Jahre alt. Nachdem die jüngste Tochter im Herbst 2014 einen Kita-Platz erhalten hatte, fragte Förstner bei der Agentur für Arbeit nach einem Bildungsgutschein, um eine Ausbildung zu starten. Ihre Motivation und Entschlossenheit beeindruckten auch Kirsten Witt, Projektleiterin bei der Deutschen Angestellten-Akademie (DAA).

 Sabrina Förstner konnte einen Platz im DAA-Lehrgang für die „betriebliche Einzelumschulung“ ergattern und dann die von drei auf zwei Jahre verkürzte Ausbildung zur Hauswirtschafterin im Pflegeheim Petrick beginnen. „Es passt alles zueinander, die Motivation und das Umfeld“, freut sich Kirsten Witt, die sich sehr dafür eingesetzt hat, dass die 27-Jährige im Pflegeheim anfangen konnte. „Von den vier Kindern stand in den Bewerbungsunterlagen nichts“, erinnert sich Stefan van der Velden, Geschäftsführer der Pflegeheim Petrick GmbH, „da haben wir erstmal geschluckt, aber wir haben einen guten Weg gefunden.“ Das Pflegeheim sei schließlich ein Familienbetrieb, betont der Heimleiter. Sabrina Förstner konnte das Haus bei einem Praktikum kennenlernen und begann am 1. August die Ausbildung, die ihr viel Spaß macht: „Das Team gefällt mir gut“, sagt sie.

 Morgens früh sorgt die junge Mutter zunächst dafür, dass ihre Kinder in die Kita und zur Schule kommen, dann geht es in der Küche des Pflegeheimes rund: Frisches Gemüse wird geputzt und gekocht, Menüs mit Nachtisch zubereitet, auch die Soßen macht das Team selbst. Und nach dem Essen folgt der Abwasch. Alles wird genau geplant, die Abläufe sind geregelt. „Ich lerne immer wieder etwas dazu“, erzählt die Umschülerin begeistert. Abends sitzt sie zu Hause über den Büchern und büffelt für die Zwischenprüfung. „Mein Freund unterstützt mich“, verrät sie.

 Für den Beruf brauche man Teamfähigkeit und Interesse, erläutert Hauswirtschaftsleiterin Monika Kähler. „Wir beköstigen 80 Bewohner“, alles werde täglich frisch zubereitet. Auch auf Schonkost, Unverträglichkeiten und persönliche Wünsche werde im Pflegeheim geachtet. „Aber wir sind kein Fünf-Sterne-Hotel.“ Einen guten Ruf hat das Haus mit der familiären Atmosphäre allemal. Weil die Nachfrage so groß ist, wird beim Gebäude an der Hangstraße 16 zurzeit angebaut: Im kommenden Jahr werde dann von 80 auf 92 Plätze aufgestockt, sagt der Heimleiter. „Da können wir eine Kraft mehr gut gebrauchen.“

 Wer eine „betreute betriebliche Umschulung“ absolvieren möchte, muss nicht unbedingt eine fertige Ausbildung mitbringen, allerdings wird Interesse und Engagement von den 25- bis 45-jährigen Teilnehmern erwartet. Der Vorbereitungslehrgang dauert fünf Monate, anschließend folgt die Umschulung in einem Betrieb als verkürzte Ausbildung im dualen System und dauert je nach Beruf 16 bis 28 Monate.

 Wie die Kosten im Einzelfall übernommen werden, weiß die jeweilige Betreuungsfachkraft. „ Betriebe nehmen gern Umschüler“, hat Kirsten Witt festgestellt, „die haben schon Lebenserfahrung und sind meistens sehr motiviert.“

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