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Wenn Wirte um die Wette segeln

Regatta für Traditionssegler Wenn Wirte um die Wette segeln

Langsam wird Gerhard Bialek unruhig. Der Skipper wartet darauf, mit seiner „Ethel von Brixham“ endlich in die Segelsaison starten zu können. Anfang April heißt es, runter mit der Persenning und raus aufs Meer. Ein Highlight in dieser Saison: Bialek ist beim zweiten Krögercup am Sonntag, 29. Mai, dabei.

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Möchte den Krögercup gerne mit Wirten aus Kiel und Umgebung zur Tradition machen: Andree Schulz mit dem Wanderpokal.

Quelle: eye: Karina Dreyer

Kiel. Vor 20 Jahren fand der Kieler Gerhard Bialek seine „Ethel von Brixham“ über eine Anzeige in der Zeitung. Seitdem ist der 126 Jahre alte Zweimast-Gaffelschoner „mein Lebensmittelpunkt“, erklärt der 59-Jährige. Von April bis Oktober bietet er mit seiner Frau Sandra Individualtörns auf dem Traditionssegler an. Und der Rest des Jahres bleibt für die Arbeit rund ums Schiff: Dann werden Technik, Motor und Sicherheit gecheckt, Törnpläne ausgearbeitet, Akquise betrieben und die alte Dame für neun Tage in die Werft gebracht.

 „Es wird gekratzt, geschliffen und der eigene Ethel-Rot-Ton erneuert“, beschreibt der freiberufliche Maschinenbauingenieur. Von Oktober bis April ist Bialek fast jeden Tag am Bord seines Schoners, der an der Blücherbrücke liegt. „Dann ist das Schiff von der Persenning verdeckt und alles ist so festgetüddelt, fast schon ein bisschen gruselig“, beschreibt er.

 Vier Jahre lag er im Eckernförder Hafen, hat dort zeitweise auch gewohnt. „Doch man ist da wie eine öffentliche Person, für jeden ansprechbar, da hat man kaum Privatsphäre“, bedauert er. Momentan werkelt er vor allem im Maschinenraum und übt sich in Geduld, gerade an den schönen Tagen möchte er das Schiff am liebsten schon von der Plane befreien. „Der Saisonstart ist der Moment, dem man herbeisehnt“, sagt er.

 Auf ein Highlight freut er sich besonders, denn er startet das erste Mal beim zweiten Krögercup am 29. Mai. Den hat im vergangenen Jahr der Kieler Andree Schulz, Wirt der Spacebar, ins Leben gerufen. „2011 haben mich Freunde mit zur Rumregatta nach Flensburg mitgenommen. Das hat mich so schwer beeindruckt, dass ich selbst Schiffe gechartert habe“, erinnert der 57-Jährige. Und dann hatte er diese „bekloppte“ Vision, bei der alle Eindrücke zusammenflossen: Ein Regatta-Event mit Traditionsseglern, das Interessen der Kieler Gastronomie, Marketing, Medien und Spaß verknüpft. „Das Erlebnis eines Segeltörns auf historischen Schiffen als Freizeitgestaltung, mit dem Ziel die Kieler Förde für die Betreiber kommerziell interessanter zu machen und dadurch das Stadtbild zu bereichern“, beschreibt er.

 Konkret bedeutet das: Bei ihm melden sich „Wirte aus Kiel und dem Umland, die noch selber hinterm Tresen stehen und einen unverwechselbaren Charme haben“, sagt Schulz. Er bringt dann die Wirte, die ihre Gäste selbst einladen und an Bord verkosten, mit den Skippern samt ihren Traditionsseglern zusammen. Es müssen Wirte sein, denn die historische Bezeichnung Kröger bezeichnet Gastwirte, denen früher das Krugrecht erteilt wurde oder die einen Krug betrieben.

 Den ersten Krögercup gewann Schulz mit seiner Space-Bar-Crew auf der „J.R. Tolkien“ selbst. „Das kommt nicht wieder vor“, verspricht der Veranstalter. 2016 waren auch Rötger Feldmann alias Brösel mit seiner Piratenfrau Petra und Holger „Holgi“ Henze mit ein paar Kisten Bölkstoff an Bord der „Loth Lorien“ (Club 68) und gehen dieses Jahr wieder an den Start. Der Wanderpokal wurde übrigens von Brösels Bruder, dem Stahlkünstler Andi Feldmann, aus alten Gebrauchsgegenständen gefertigt. Schulz ist sicher, der Pokal wird noch oft wandern, denn „der Krögercup ist gut für Kiel, er wird sicherlich wachsen und gedeihen“, sagt er und hofft dabei noch auf Unterstützung seitens der Stadt.

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