17 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Maßarbeit für 20 Rollis an Bord

Regattabegleitfahrt Maßarbeit für 20 Rollis an Bord Maßarbeit für 20 Rollis an Bord

Dank maßgefertigter Rampen macht ein soziales Gemeinschaftsprojekt den Weg frei für eine Premiere: Etwa 60 Menschen mit einer Behinderung erleben bei der kommenden Kieler Woche zum ersten Mal eine dreistündige Regattabegleitfahrt.

Voriger Artikel
118 Zimmer ganz nah an der FH
Nächster Artikel
Megajacht bleibt länger im Dock

Ohne Rampen wären die Schwellen an Bord für Rolli-Fahrerin Sabine Dittmann (Mitte) unüberwindbar. Zum Test eines Rampen-Dummies trafen sich auf der „Stadt Kiel“ Tischler Peter Maierhöfer, Initiatorin Andrea Schwörer und Projektleiterin Stefanie Gerhardt (von links).

Quelle: Frank Peter

Kiel. Natürlich kennt Andrea Schwörer die Faszination von Wasser, Wind und Wellen. Schließlich segelt die Pflegefachkraft in Diensten einer Tochtergesellschaft der Werk- und Betreuungsstätte Ottendorf schon seit Jahren selbst. So schmerzte es sie oft, wenn ihre Klienten mit einer Körperbehinderung sie nach ihren Erlebnissen auf dem Wasser fragten. Denn Rollis und Segeln, das waren zwei Welten, die sich wohl nie begegnen würden.

 Doch dann hatte Andrea Schwörer eine Idee: Man müsste es doch zumindest schaffen, ein Regattabegleitschiff mit Rampen so barrierefrei herzurichten, dass Menschen mit Handicap die Faszination des Segelns einmal ganz aus der Nähe erleben können – gerade und vor allem in einer „Sailing City“, die sich zudem die Umsetzung von Inklusion so groß auf die Fahnen schreibe. Und der Plan funktionierte tatsächlich.

 Denn die Stiftung der Gesellschaft für Soziale Hilfen in Norddeutschland (GSHN) griff die Idee auf, will das Projekt mit voraussichtlich 2000 bis 3000 Euro finanzieren. Unterstützung signalisierte auch der Förderverein der 1934 gebauten „Stadt Kiel“, das seit vielen Jahren meist von großen Firmen für Regattabegleitfahrten gechartert wird.

 Damit der historische Dampfer mit insgesamt 20 Rollstuhlfahrern und 40 Menschen mit einer seelischen Behinderung am Vormittag des 19. Juni auch wirklich zu den Regattafeldern aufbrechen kann, musste Peter Maierhöfer am Freitag aber erst einmal Maß nehmen. Insgesamt fünf Rampen muss der gelernte Tischler und Erzieher noch mit handwerklicher Unterstützung von Hartz-IV-Beziehern bauen, um die Türschwellen für Rollis passierbar zu machen.

 Wichtigste Voraussetzung dafür: Die klappbaren Rampen aus Oberspanplatten müssen mit mindestens 200 Kilogramm Tragfähigkeit ordentlich was aushalten. „Da sollen ja auch Elektro-Rollstühle drüberfahren können“, erklärt Maierhöfer: „Deshalb brauchen die Platten eine richtig stabile Unterkonstruktion.“ Damit beim großen Törn auch alles passt, hatte der Tischler zum Maßnehmen schon mal einen Dummy zusammengeschraubt.

 Das war auch gut so. Denn Rollstuhlfahrerin Sabine Dittmann hatte durchaus noch einige Anmerkungen zur Konstruktion: hier noch eine Kante abflachen, dort einen Wendekreis etwas breiter gestalten. Trotz einer möglichst optimalen Anpassung werden die Rampen trotzdem keine komplette Barrierefreiheit und damit keinen Zugang zu allen Räumen des Schiffes schaffen können. „Das macht aber auch nichts“, meint Sabine Dittmann, „es werden ja genug Hände zum Helfen an Bord sein.“

 Der ganze Aufwand wäre natürlich für eine einzige Ausfahrt viel zu hoch. Deshalb hat Projektleiterin Stefanie Gerhardt noch große Pläne für einen regelmäßigen Einsatz der Rampen. „Am allerbesten wäre es, wenn solche Regattabegleitfahrten auf diesem Schiff für Menschen mit Behinderungen ins offizielle Kieler-Woche-Programm aufgenommen würden.“ Das findet auch Sabine Dittmann: „Denn dann könnte die Stadt zeigen, ob ihr das Thema Inklusion wirklich so wichtig ist, wie sie bei vielen Gelegenheiten ja so oft betont.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3