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Verwaltung fährt auf Gegenkurs

Rendsburger Landstraße Verwaltung fährt auf Gegenkurs

Nach einer kurzen, emotionalen Diskussion hat der Bauausschuss der Verwaltung mit deutlicher Mehrheit grünes Licht für ihre Ausbaupläne in der Rendsburger Landstraße gegeben: Demnach soll der Radverkehr auf die Fahrbahn.

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Auf der Fahrbahn: Der Radstreifen im Knooper Weg ist aus Sicht der Verwaltung ein Erfolg. Die Radler seien so besser geschützt. Thomas Eisenkrätzer

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Die Ortsbeiräte Hassee/Vieburg und Russee/Hammer/Demühlen hatten dagegen dem Gesamtpaket einstimmig eine Abfuhr erteilt, obwohl sie die reinen Straßenbau- und Gehwegarbeiten für sinnvoll halten.

Die Beschlüsse der Stadtteilgremien sind für den Bauausschuss zwar nicht bindend, doch ohne Eindruck blieben sie bei der Sondersitzung nicht. CDU-Baupolitiker Wolfgang Homeyer forderte von der Stadt eine Alternativplanung bis November, an der die Bürger und Ortsbeiräte angemessen zu beteiligen seien. „Dazu sind wir nicht in der Lage,“ warnte Tiefbauamtsleiter Peter Bender vor erheblichem Mehraufwand und Kostensteigerungen durch den Zeitverzug.

 Vergeblich hatte Bender zuvor in den Ortsbeiräten für das Projekt geworben. Im anderthalb Kilometer langen Bereich zwischen der Rudolf-Steiner-Schule und der Achterwehrer Straße stehe derzeit ohnehin eine Kanalsanierung an. Es spare Zeit und Geld, dann sogleich die Fahrbahn samt Untergrund zu erneuern und die Radwegeführung anzupassen. Auch Benders Amtskollege, der Fahrradbeauftragte Uwe Redecker, hatte sich vor allem für den angestrebten und heftig umstrittenen Zuschnitt der Radwege ins Zeug gelegt. Er stellte klar, dass kein mit unterbrochener Linie versehener Schutzstreifen geplant ist, der von Autos befahren werden darf, falls es eng wird. Vielmehr sei an einen Radfahrstreifen gedacht, der mit seiner durchgezogenen Abgrenzung zur Fahrbahn für Personen- und Lastwagen absolut tabu sei. Außerdem ist laut Redecker vorgesehen, dass die Gehwege weiter auch von Radlern benutzt werden dürfen.

 Fachlich kann aus Redeckers Sicht über dieses Ansinnen nicht gestritten werden. Alle Untersuchungen und Erfahrungen legen nach seinen Worten den Befund nahe, dass Radfahrstreifen erheblich sicherer sind als separate Radwege, wo immer wieder gefährliche Konflikte mit Fußgängern und Autos aus Nebenstraßen oder Einfahrten drohen. „Schön und gut“, meinte dazu CDU-Ortsbeirat Sven Plaumann. Fakt sei jedoch, dass die Rendsburger Landstraße täglich durch mehr als 10000 Fahrzeuge und erheblichen Lkw-Verkehr belastet sei. Worauf Redecker konterte, dass der Knooper Weg noch stärker befahren sei und es selbst dort keine Probleme mit dem Radfahrstreifen gebe. Das sehen Achim Heinrichs (SPD) und Bürgermeister Peter Todeskino (Grüne) genauso. Als leidenschaftlicher Radler aus Russee mit 1000 Kilometer im Jahr auf der Landstraße bekannte Todeskino, sich auf einem Radfahrstreifen künftig viel sicherer zu fühlen. Den auch aus den eigenen Reihen erneuerten Vorwurf, die Verwaltung habe die Ortsbeiräte nicht ausreichend und rechtzeitig informiert, wies er wie auch Bender mit Hinweis auf diverse Gespräche mit den Stadtteilgremien entschieden zurück. Beide versprachen aber, die Kommunikation zu verbessern.

 Auf Distanz gehen die Ortsbeiräte auch wegen der Kosten und Ausbaubeiträge für Anwohner. Vorsitzender Winfried Jöhnk (SPD, Russee/Hammer/Demühlen) stört sich etwa daran, dass es trotz mehrfacher Nachfrage keine Angaben dazu gebe, was die reine Erneuerung von Fahrbahn mit Unterbau im Vergleich zu dem 3,2 Millionen Euro teuren Gesamtpaket kosten würde. Wozu wiederum Amtsleiter Bender anmerkte, dass wegen der Kanalarbeiten Geh- und Radwege ohnehin angefasst werden müssten und sich die Kosten kaum unterscheiden würden. Ein weiterer Kritikpunkt der Ortsbeiräte ist die Einstufung der Rendsburger Landstraße als Innerortsstraße. Bedenken, die im Bauausschuss zwar auf Verständnis stießen, doch irgendwann müsse die Verwaltung auch entscheiden, argumentierte ein sichtlich nachdenklicher Rüdiger Karschau (SPD). SPD, Grüne, SSW und Linke stimmten am Ende der Sondersitzung für die Vorlage der Verwaltung. Die CDU hielt an ihrer Forderung nach Alternativplanung fest. Christina Musculus-Stahnke (FDP) erneuerte ihren Vorstoß, das Ganze vor einer endgültigen Entscheidung zu erproben. Der ebenfalls zur Beratung anstehende Punkt, eine Bushaltestelle nach der Firma Prey umzubenennen, wurde vertagt.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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