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Sushi-Sorgen, weil der Meister fehlt

Restaurant Ann Sushi-Sorgen, weil der Meister fehlt

Spezialiätenkoch ohne Arbeitserlaubnis: Das japanisch-koreanische Restaurant Ann steckt in Schwierigkeiten, weil ein Koch aus Japan abgelehnt wurde.

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Schuichi Umino (rechts) bietet wieder Sushi im Restaurant Ann an. Der zweite Koch Hiroyuki Shimizu (links) gibt sein Bestes, aber nach dem Weggang des Sushi-Spezialisten musste die Speisekarte auf ein Viertel gekürzt werden.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Shuichi Umino fühlt sich „bis ins Innerste seiner Seele getroffen“. Ihn quält die deutsche Bürokratie. Als Inhaber des japanisch-koreanischen Restaurants Ann in der Holtenauer Straße 158 hatte er Anfang des Jahres den Sushi-Meister Tatsumi Hayashi direkt aus Japan nach Kiel geholt. Hier bereitete der Koch von Januar bis November die Spezialitäten aus Reis und rohem Fisch zu, so wie es eben nur ein Meister mit einer mehrjährigen Ausbildung im asiatischen Inselstaat kann. Doch dann kam das überraschende Aus: Anders als drei seiner japanischen Vorgänger und der aktuelle zweite Koch bekam Hayashi Ende Oktober nicht die lang erwartete Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis. Stattdessen wurde der bereits im Januar gestellte Antrag nach zehn Monaten plötzlich abgelehnt.

 Zu allem Unglück brach sich der zweite Koch das Bein, sodass Hayashi trotz des Verbots tagelang einfach weiter arbeitete. Am 4. November stürmten Zollbeamte ins voll besetzte Restaurant und verwiesen den Meister vor den Augen der Gäste des Hauses. In seiner Ehre getroffen, verließ Hayashi das Land und Umino musste das Restaurant notgedrungen schließen. Zum Bedauern der Deutsch-Japanischen Gesellschaft, die sich nun in einem offenen Brief für die japanischen Freunde einsetzt.

 Zwar hat das Ann in der Holtenauer Straße inzwischen wieder geöffnet, „allerdings mit einer auf ein Viertel gekürzten Speisekarte, denn ohne einen Sushi-Meister können wir die japanischen Spezialitäten nicht zubereiten“, erklärt Gastronom Umino. „Alle Freunde der japanischen Küche sind darüber sehr traurig“, schreibt der Ehrenpräsident der Gesellschaft ,Peter Janocha, in seinem offenen Brief. Er bedauere, dass dem Sushi-Meister die Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis verweigert worden ist, und er verstehe überhaupt nicht, warum.

 Dies kann auch die Kieler Ausländerbehörde nicht klären und verweist auf die Bundesagentur für Arbeit, denn diese hätte den Japaner als „Spezialitätenkoch“ zulassen müssen, damit er die Arbeitsgenehmigung und auch die Aufenthaltserlaubnis erhalten könne. Das tat die Arbeitsagentur nach eigenen Angaben nicht, weil es bundesweit ausreichend Köche mit dieser Spezialisierung gebe. Nicht klar ist, warum die Agentur den japanischen Sushi-Meister ablehnte, während sie wenige Tage darauf den zweiten Koch, der ja nun wegen des Beinbruchs ausfällt, als Spezialitätenkoch zuließ. In ihrer Begründung heißt es, dass der zweite Koch einen „Aufenthaltstitel“ gehabt hätte, was intern eine andere Prüfung mit unterschiedlichem Ergebnis zur Folge gehabt hätte. Doch laut Kieler Behörde ist der zweite Koch „am 1. Februar 2016 erstmalig in die Bundesrepublik eingereist, er hatte somit vorher keinen Aufenthaltstitel. Die Vermutung der Bundesagentur für Arbeit ist daher nicht zutreffend.“ Die Pressestellen der Agentur für Arbeit in Kiel und in Nürnberg äußerten sich trotz mehrmaliger KN-Nachfragen nicht zu dem Widerspruch.

 Gastronom Umino ist nun völlig verwirrt: „Sushi-Meister haben eine mehrjährige spezielle Ausbildung und sind in ganz Europa sehr gefragt. Wir haben uns bemüht, finden aber keinen Ersatz.“ Seit 1998 ist der Japaner hauptberuflich an der Kieler Oper, zusammen übrigens mit seinem Geschäftspartner, dem Koreaner Hoil Kim. Die beiden Opernsänger führen seit 2010 gemeinsam ihr japanisch-koreanisches Restaurant. Durchaus mit Erfolg: Sie haben in den sechs Jahren nicht nur zusätzlich drei Bistro-Filialen in Kiel eröffnet, sondern eben auch Köche aus Japan eingestellt, die ihre „Spezialitätenkoch-Zulassung“ erhielten, dann aber durch Restaurants in München abgeworben wurden. Nun sind sie verzweifelt. In den Behörden sei ihnen trotz vieler Nachfragen weder das Problem erklärt noch Lösungswege aufgezeigt worden. Auch habe die Arbeitsagentur nie die 37 arbeitssuchenden japanischen und koreanischen Sushi-Meister vorgeschlagen, so wie die Agentur es gegenüber dieser Zeitung angab.

 Umino fragt sich auch, wie er die Ehre seines Sushi-Meisters wiederherstellen kann. Laut Oberstaatsanwalt Axel Bieler hat die Zolldurchsuchung immerhin für den Koch kein Nachspiel: „Das Ermittlungsverfahren wegen des Verstoßes gegen das Aufenthaltsgesetz wird wohl wegen geringer Schuld eingestellt.“ Allerdings werde weiter gegen Umino ermittelt. Er hatte Hayashi ja trotz fehlender Erlaubnis weiter beschäftigt.

 Fürsprecher Peter Janocha schreibt: „Wir appellieren an die Behörden, dem Restaurant Ann wieder eine Zukunft zu geben.“ Mit diesen Worten setzt er sich für die deutsch-japanischen-Beziehungen ein. So wie er es immer getan hat. Dafür hat ihm 2003 der japanische Kaiser einen Orden verliehen, und 2015 wurde er mit dem Verdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Janocha war daran beteiligt, dass zwischen Schleswig-Holstein und der Präfektur Hyogo eine Partnerschaft besteht. In dem offenen Brief kämpft der Ehrenpräsident nun um das Ann, den „einzigen sichtbaren Beweis für die Anwesenheit Japans in Kiel“.

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