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Hanni und Fanny im Glück

Rettet das Huhn Hanni und Fanny im Glück

Ihre Massentierhaltung sorgt immer wieder für öffentliche Empörung und Kritik: Der deutschlandweit agierende Verein „Rettet das Huhn“ hat schon 37000 Hühner vor dem Schlachthof bewahrt. Er ist auch in Kiel tätig.

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Yvonne Kruses fünfjähriger Sohn Jakob liebt es, mit den Hühnern auf dem Rasen zu spielen.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel/Bredenbeck. Endlich geliebt und in Freiheit! Wenn man Hanni und Fanny, zwei wunderschöne braune Lohmann-Hybridhennen, so im Garten von Yvonne Kruse in Bredenbek herumstolzieren sieht, muss man irgendwie schmunzeln. Munter scharren sie zwischen Rosen und Hortensien. Picken mal hier einen Wurm, mal dort einen Grashalm. Oder kuscheln sich auf den Boden, breiten die Flügel aus und genießen die Sonne. Eigentlich wären Hanni und Fanny aber schon längst tot. Dank des deutschlandweiten Vereins „Rettet das Huhn“, der auch in Kiel vertreten ist, bekamen sie ein neues Leben geschenkt.

Hanni und Fanny kamen als Legehennen auf die Welt. Für ein Huhn eine denkbar schlechte Ausgangssituation. Denn nach 15 bis 18 Monaten in einem Legebetrieb ist es vorbei mit dem Leben. „Ihre Legeleistung lässt in dem Alter nach“, erzählt Svenja Tremmel (27), die ehrenamtlich für „Rettet das Huhn“ in Kiel arbeitet. „Für den Betrieb sind diese Tiere dann wertlos. Sie werden im Schlachthof getötet und durch neue Junghennen ersetzt.“ Zum Glück gibt es aber Legebetriebe, die mit dem Verein kooperieren. Insgesamt über 37000 Hühner konnten deutschlandweit bereits legal gerettet werden.

Einige machten einen jämmerlichen Eindruck

Auch Yvonne Kruse wurde so zur Lebensretterin. Mit der Hälfte ihrer sechsköpfigen Familie fuhr sie an einem Sonntag in die Kieler Innenstadt. Auf dem Plaza-Parkplatz warteten schon etliche weitere Autos aus ganz Schleswig-Holstein, um sich „ihre“ Hühner abzuholen. „Hanni und Fanny sahen noch ziemlich gut aus“, erinnert sie sich. „Sie hatten immerhin noch Federn. Einige andere machten dagegen einen richtig jämmerlichen Eindruck.“ In einem Transportkorb kutschierte sie ihre gefiederte Fracht vorsichtig nach Bredenbek. „Sie waren ganz still“, erzählt die 44-jährige Sozialpädagogin. „Und rochen ziemlich streng nach Ammoniak.“ Kein Wunder. Schließlich waren sie wenige Stunden zuvor noch mit über 800 Artgenossen in einem Massentierbetrieb in Niedersachen eingepfercht gewesen.

Dass Yvonne Kruse aufs Huhn kam, ist einem Zufall zu verdanken. Irgendwann stand eine ausgebüxte Henne in ihrem Garten in Bredenbek. „Die hatte es sich gleich bei uns im Schuppen in einer alten Salatschüssel gemütlich gemacht“, erzählt sie lachend. „Wir tauften sie Else. Hatten aber tagelang ein schlechtes Gewissen, weil wir schon ahnten, dass sie zu dem Legebetrieb in der Nachbarschaft gehört.“ Als Else dann auf Entdeckungstour ging, fing sie eine Nachbarin ein und brachte sie zu dem Betrieb zurück. Tochter Ada (22) konnte den Bauern aber erweichen, dass sie ihre „Else“ zurückbekam. „Er ließ seine 1000 Hennen alle raus, und ich sah sie gleich“, sagt Yvonne Kruse. „Als ich ihren Namen rief, hob sie den Kopf und kam sofort angerannt.“ Ihr Mann Jens (43) machte dann noch einen finalen Test. Als sie mit Else nach Hause kamen, setzte er die Henne vorne im Garten aus, um zu gucken, ob sie sich hier auskennt. Und tatsächlich. Sie rannte sofort ums Haus zum Schuppen und verschwand in ihrer Salatschüssel. Da war klar: Dieses eine Huhn war tatsächlich Else.

Hühner sind alleine einsam

Da Hühner alleine einsam sind, kamen nach und nach mehr dazu. Inzwischen sind es sieben. Yvonne Kruse ist zur richtigen Expertin geworden. Und dass, obwohl die gebürtige Kielerin vorher nie etwas mit diesen Tieren zu tun hatte. Sie lernte, wie man die Hennen massieren kann, wenn sie unter Legenot leiden – das Ei quer sitzt und nicht heraus will. „Massagen und warme Bäder im Waschbecken helfen da hervorragend“, sagt sie.

Svenja Tremmel vom Verein „Rettet das Huhn“, die an diesem sonnigen Tag zu Besuch ist, nickt. Ja, die Tiere aus der Massentierhaltung seien oft ziemlich kümmerlich. „Aber erstaunlicherweise erholen sie sich ziemlich schnell“, sagt sie. „Nach rund einigen Wochen sind oft schon die Federn wieder nachgewachsen. Trotzdem treten oft Krankheiten und Schäden auf, weil die Hühner vorher so ein unnatürliches Leben hatten.“ Svenja Tremmel ist im „wirklichen“ Leben Erzieherin. Schon als Fünfjährige rettete sie die Regenwürmer von dem Asphalt. Yvonne Kruse muss lachen. „So war es bei mir auch.“ Und schnell stellen beide noch eine Gemeinsamkeit fest: Beide leben vegan. Nur was macht Yvonne Kruse mit den ganzen Eiern, die die Legehennen immer noch legen? „Zuerst habe ich sie Freunden geschenkt“, erzählt sie. „Ich dachte, so kaufen die wenigstens keine Eier aus Legebatterien. Aber irgendwann habe ich intuitiv entschieden, dass man vielleicht auch den Kreislauf schließen könnte.“ Nun holen ihre Kinder Jakob (5) und Frida (20 Monate) mit größtem Vergnügen die Eier aus dem Nest und schmeißen sie auf den Boden. Yvonne Kruse: „Die Hühner picken erst das Eigelb, dann das Eiweiß und schließlich die Schale auf. Seitdem wir das machen, sind die Hennen kaum noch krank.“

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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