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Schweden lassen Ostuferhafen boomen

Richtfest in Kiel Schweden lassen Ostuferhafen boomen

Drei neue Hallen, mehr als 70 neue Arbeitsplätze und bis zu eine Million Tonnen Papier: Das sind die vielen guten Gründe, am Kieler Osteruferhafen zu feiern. Und zwar beim Richtfest am Donnerstag.

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Nicht von, sondern für Pappe: Noch befinden sich diese Hallen im Rohbau, künftig lagern dort hochwertige Papiere und Pappen aus Schweden.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Vor einem Jahr fiel die Entscheidung der schwedischen Papierindustrie, ihren Warenumschlag von Lübeck nach Kiel zu verlegen. Jetzt entstehen für die wettersensiblen Forstprodukte der schwedischen Konzerne SCA und Iggesund Paperboard auf dem ehemaligen Gelände der Firma Ortopedia in Kiel-Dietrichsdorf neue Hallen. Beim Richtfest am Donnerstag bezeichnete Seehafen-Geschäftsführer Dirk Claus die Investitionen als „Meilenstein für die Entwicklung des Hafens“.

 17,5 Millionen Euro investiert das Unternehmen in drei Neubauten. Zwischen 800000 und eine Million Tonnen Papier und Pappe sollen jährlich in Kiel gelöscht und zwischengelagert werden. „Wir schlagen 6,5 Millionen Tonnen im Jahr im Kieler Hafen um und kriegen nun eine Million Tonnen eines so hochwertigen Produktes dazu, das ist für uns ein großer Step“, so Claus.

 Für das Löschen, Verteilen und Lagern der Forstprodukte schafft das Unternehmen über 50 neue Arbeitsplätze, vor allem für Hafenwerker, von denen laut Claus schon ein Teil eingestellt und fortgebildet wurde. Insgesamt werde sich die Mitarbeiterzahl der Seehafen Kiel GmbH auf über 300 erhöhen. Mit dem Papierumschlag zieht auch die Verwaltung der SCA Logistics GmbH mit 20 Mitarbeitern von Lübeck nach Kiel, sodass durch das Papierneugeschäft sogar mehr als 70 zusätzliche Arbeitsplätze am Ostuferhafen entstehen. SCA-Logistics-Geschäftsführer Jörn Grage bezeichnet Kiel neben Rotterdam als wichtigsten Umschlagterminal für sein Unternehmen, von hier aus werde Papier mit Lastern und Zügen nach ganz Europa geliefert.

 „Im Ostuferhafen lagert künftig Papier mit einem Warenwert von einer Milliarde Euro pro Jahr“, kündigte Dirk Claus an. Das teure Gut, das für den Magazindruck und für hochwertige Verpackungen bestimmt ist, wird künftig professionell in den neuen Hallen gelagert, die schon im Rohbau imposant wirken. Mit einer Gesamtfläche von 32000 Quadratmetern erhöhen sie die bisherigen Lagerflächen des Hafens um über zwei Drittel auf rund 80000 Quadratmeter – auf 50000 Quadratmetern soll künftig Papier gelagert werden.

 Die größte der drei neuen Hallen, mit 18000 Quadratmetern wahrscheinlich sogar die größte in ganz Kiel, genannt Schuppen 10, wurde auf der Hafenerweiterungsfläche im nördlichen Anschluss an die bestehenden Papierhallen errichtet. Noch ragen dort Säulen in den Himmel, doch ab 1. Oktober werden hier Papierrollen bis zu zwölf Meter hoch gestapelt. Nicht weit entfernt, und zwar direkt am Liegeplatz der Schiffe, steht der kleinste Neubau namens Schuppen 8. Dort wird das Papier schon ab 1. Juli auf speziellen Transportkassetten direkt nach dem Löschen hineingeschoben und später auf seine endgültigen Lagerflächen verteilt. Der letzte Neubau, Schuppen 6, entsteht mit einer Größe von 7000 Quadratmetern im Anschluss an die bestehende Stückguthalle im Bereich des Fährterminals. Sie dient nicht dem Papierneugeschäft, sondern soll ab 1. Juli mit Schnittholz aus Russland, das übrigens von dem Embargo ausgeschlossen ist, gefüllt werden.

 Bisher wurde Papiergut für den deutschen Markt in Lübeck umgeschlagen. Die Frachter „Obbola“, „Östrand“ und „Ortviken“ der Reederei SCA steuerten die Trave auf ihrer Route zwischen Sundsvall in Schweden, über Tilbury in Großbritannien und Rotterdam in den Niederlanden an. Doch damit ist ab 1. Juli Schluss. Bereits seit Anfang des Jahres machen die drei Frachter abwechselnd einmal wöchentlich auf ihrem Weg durch den Nord-Ostsee-Kanal in Kiel Stopp, um hier ihre Ware zu löschen. Ab Oktober wird der Hafen zweimal wöchentlich angesteuert. „Erst dann befinden wir uns im Vollbetrieb“, kündigt Geschäftsführer Claus an. Auf die Frage, ob der Ostuferhafen anschließend noch wachsen kann, hat er nur eine vage Antwort: Auf den bestehenden Flächen gebe es noch Möglichkeiten für Erweiterungsbauten, allerdings wolle man erst einmal abwarten, wie sich das neue Geschäft entwickelt. Dann deutet Claus auf das benachbarte Gelände, auf dem sich das Kohlekraftwerk der Stadtwerke befindet: „Das sind 14 Hektar, die 2018 frei werden. In jedem Fall ist es eine interessante Fläche für uns.“

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