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Emma bringt die Musik mit

Roboter-Projekt Emma bringt die Musik mit

Seit dem Frühjahr besucht der Roboter Emma regelmäßig demenzkranke Menschen in einer Alten-WG. Die Besuche sind Teil es Forschungsprojektes an der Fachhochschule Kiel. Die Entwickler wollen untersuchen, in welchen Bereichen Roboter Pflegekräfte entlasten können.

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Emma ruft zur Polonaise: Die Bewohner der Demenz-WG in Gaarden freuen sich inzwischen auf die regelmäßigen Besuche des Roboters.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Die ersten Takte des Liedes erklingen, und schon geht die Polonaise in der Demenz-WG los. "An der Nordseeküste, am plattdeutschen Strand", singen die Bewohner und ziehen schunkelnd durch die große Wohnküche. Mit dabei ist auch Emma. Ein weißer Roboter mit großen Augen, aus dessen Lautsprecher-Ohren die Musik kommt. Emma schwingt ihre Arme im Takt und spielt Luftgitarre, während die Bewohner schunkeln.

Seit Februar kommt Emma gemeinsam mit ihrem Entwickler Hannes Eilers, Laboringenieur für Robotik an der Fachhochschule Kiel, regelmäßig in die Wohngemeinschaft für demenzkranke Menschen der Diakonie Altholstein. Durch die Testphase in der WG will er den Roboter weiterentwickeln.

Bei ihren morgendlichen Besuchen spielt Emma in erster Linie Musik und animiert die zwölf Bewohner zwischen 76 und 93 Jahren zum Mitsingen. Alle freuten sich inzwischen auf Emma, erzählt Ingrid Fritsch, Leiterin der Gaardener Einrichtung. "Dass die Bewohner Emma akzeptieren und sich so der Technik öffnen, begeistert mich." Das habe sie zu Beginn des Projektes nicht gedacht.

"Emma setzt bei den Bewohnern viele Sinne in Bewegung", erklärt die Einrichtungsleiterin. Sie könnten sie den Roboter anfassen, gleichzeitig rege die Musik zum Mitsingen und Mittanzen an. "Emma bringt sie regelmäßig zum Strahlen", sagt Fritsch.

Auch Robotik-Ingenieur Eilers ist von den Besuchen in der Alten-WG begeistert. "Wir mussten uns langsam herantasten und nach und nach ausprobieren, was funktioniert – und was nicht", erklärt der 29-Jährige. Zunächst sei er zum Beispiel mit einem kleineren Roboter namens Grace in die WG gekommen. "Aber der war für die Bewohner eher ein Spielzeug. Emma ist größer und erinnert vielleicht deswegen mehr an ein Kind. Jetzt funktioniert die Interaktion viel besser." 

Gemeinsam überlegen sie, was die Bewohner brauchen und wo Emma ihnen helfen könnte, erzählen Eilers und Fritsch. "Emma kann aber natürlich keinen Menschen ersetzen", betont die Einrichtungsleiterin. Die Interaktion mit dem Roboter funktioniere nur im Zusammenspiel mit den Pflegern.

Ein Interview zu ethischen Fragen beim Einsatz von Robotern in Pflegeheimen lesen Sie in der Sonnabendausgabe der Kieler Nachrichten.

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Ein Artikel von
Anne-Kathrin Steinmetz
Lokalredaktion Kiel/SH

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