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Zurück durch feindliches Gebiet

„SMS Emden“ Zurück durch feindliches Gebiet

Ist es Heldenverehrung, ein Mythos, Militärgeschichte? Die Geschichte des Kreuzers „SMS Emden“ im Ersten Weltkrieg in Ostasien füllt Bücher. Details zeigt eine Ausstellung in Hohenlockstedt.

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Der Kieler Jens Jacobus mit einem Buch seines Großvaters, Kapitänleutnant Hellmuth von Mücke im Hintergrund das von Hans Bohrdt 1915 gemalte Bild „Der letzte Gruß“, das Mücke beim Abschied von der versenkten „Ayesha“ zeigt.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Mehrere Kinofilme ranken sich auch um die Odyssee des Landungs-Korps unter dem Kommando von Kapitänleutnant Hellmuth von Mücke. Der in Kiel ausgebildete Offizier führte 60 Männer durch feindliches Gebiet – von den Kokos-Inseln im Indischen Ozean, durch Arabien, Konstantinopel zurück zum Kaiser nach Berlin.

Für Jens Jacobus ist die Ausstellung ein besonderer Moment. Der ehemalige Leiter des Kieler Hochbauamtes ist ein Enkel von Hellmuth von Mücke.

 Mehr als 100 Jahre sind seit dieser ein Jahr dauernden Odyssee des Landungszugs unter von Mücke vergangen. Die Bücher mit den Titeln „Emden“ und „Ayesha“, die er nach seiner Rückkehr über diese Zeit verfasste, erreichten zu seinen Lebzeiten Millionenauflagen und sind heute noch im Internet bestellbar. Auch im Bücherregal im Haus von Jens Jacobus in Kiel-Schilksee sind sie zu finden. Elf Jahre alt war er, als sein Großvater 1957 in Ahrensburg starb. Wer ihn nach seinen Erinnerungen an diesen Mann fragt, hört die Beschreibungen „vernünftig“ und „gelassen“. Intensiver mit dem Leben seines Großvaters habe er sich erst in den eigenen Rentenjahren beschäftigt – und ist immer wieder von Details der Geschichte fasziniert.

Großer Empfang am Bahnhof

 Natürlich gab es schon immer in der Familie Erzählungen von dem alten Schoner „Ayesha“, auf dem von Mücke mit seinem Landungszug im fernen Osten seine Flucht antrat. Wichtige Stationen sind Padang in Indonesien, das der Trupp 1914 erreichte. Das gehörte damals zu den Niederlanden, die im Krieg neutral waren. Mücke musste binnen 24 Stunden wieder auslaufen. Hoffnung gab der deutschen Frachter „Choising“, der die Männer in die Türkei bringen sollte – schließlich war Deutschland mit dem Osmanischen Reich verbündet. Keine Chance: Das Rote Meer wurde von alliierten Kriegsschiffen kontrolliert. So landeten sie in Hodeidah (heute Jemen), marschierten über Land. Am Roten Meer können sie auf kleine Segelboote umsteigen. Nahe Dschidda treffen sie an Land einen ehemaligen türkischen General, der sich mit seiner Ehefrau dem Marsch der deutschen Matrosen anschloss. Auf Kamelen ging es nach Mekka. Sie wurden von Beduinen angegriffen, konnten sich retten und stießen schließlich auf die Hedschasbahnlinie. Per Zug ging es durch Syrien nach Konstantinopel, dem heutigen Istanbul. In der Zwischenzeit war der Landungszug berühmt geworden, in den Bahnhöfen gab es jeweils großen Empfang, berichtet Jacobus. Sein Großvater sei wegen seiner Menschenführung bewundert worden.

 Mehrfach ist die Geschichte verfilmt worden. Jacobus hält Vorträge über seinen Großvater, auch in der Familie wird die Erinnerung wach gehalten.Was aber bedeuten solche Heldengeschichten heute? Natürlich gibt es eine militärhistorische Bedeutung. Mit einer Glorifizierung der wilhelminischen Zeit oder des Militärs hat das für Jacobus aber nichts zu tun. Hellmuth von Mücke habe aus dem Krieg gelernt, sei Pazifist geworden, sich mit Hitler angelegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe er zudem in Schleswig-Holstein mit dem „Bund der Deutschen“ eine Partei gegründet, die für eine Vereinigung mit den russische besetzten Gebieten (der späteren DDR) warb. Wenn es nun in der Ausstellung in Hohenlockstedt um die „Emden“ geht, hat das für ihn nicht nur mit alten Geschichten, sondern auch mit aktueller Politik zu tun. Es gehe um Machtansprüche, die Konflikte zwischen der westlichen und der östlichen Welt schüren. Der Blick zurück, der Versuch, daraus zu lernen – das habe mit Heldenverehrung nichts zu tun.

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