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Die Werte der Partei nie verraten

SPD-Geschichte Die Werte der Partei nie verraten

Für Kiels Sozialdemokraten gab es keine Stunde Null. Auch als sie während der Nazi-Zeit zwölf Jahre lang als politisch Verfolgte untertauchen mussten, blieb der Zusammenhalt. Mit Theaterszenen erinnert die Kreispartei am Sonntag an ihre Wiedergründung vor 70 Jahren und den Aufbau der Demokratie.

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Nachkriegs-Oberbürgermeister Andreas Gayk gilt vielen Genossen bis heute als Vorbild.

Quelle: Natzger

Kiel. Für die Genossen ist der 4. Oktober 1945 ein wichtiges Datum: Man habe Kontinuität bewahrt und den Aufbruch zu neuen Ufern gewagt, erklärt der Landtagsabgeordnete Jürgen Weber, SPD-Kreisvorsitzender und Historiker. Schon im Januar 1945 trafen sie sich in sogenannten Stubenzirkeln, um die Wiederbegründung der Partei vorzubereiten. Mit dabei waren unter anderem Karl Ratz, Gertrud Völcker, Otto Engel, Magda und Alfred Jung. Nachdem am 5. Mai britische Truppen in die Stadt zogen und den Krieg beendeten, gründeten sie einen Gewerkschaftsausschuss. Schon Tage vorher hatten sozialdemokratisch und gewerkschaftlich orientierte Gruppen das Gewerkschaftshaus, wo vor 1933 auch die Kreispartei ihren Sitz hatte, wieder übernommen. Allerdings ließen sich zuerst die Briten in dem wenig beschädigten Haus, das bis zum 2. Mai die Nazis besetzt hatten, nieder und gaben es erst 1947 wieder frei. Politische Betätigung hatte die Militärregierung untersagt. Trotzdem trieb der Gewerkschaftsausschuss den Aufbau der Parteistrukturen weiter voran: Ortsvereine und Kreisverband konnten sich schon vor der offiziellen Zulassung Ende 1945 konstituieren. Die Genossen wählten Karl Ratz zum 1. Vorsitzenden und Gertrud Völcker als Frauenvorsitzende.

 Am 6. Dezember 1945 wurde die erste Ratsversammlung von den Briten ernannt. Der SPD-Ratsfraktion gehörten unter anderem Bruno Diekmann, Andreas Gayk, Toni Jensen und Gertrud Völcker an. Auf der Tagesordnung standen ganz vorn die Behebung der Wohnungsnot und der wirtschaftliche Wiederaufbau, nicht zuletzt durch die Reaktivierung der Werften. Gayk wurde Oberbürgermeister. Für viele Sozialdemokraten, so unter anderem für Ministerpräsident Torsten Albig, ist er bis heute ein Vorbild: „Er motivierte die Menschen unter dem Motto ,Raus aus dem Elend’ zur Mitarbeit und zum Wiederaufbau ihrer Stadt, entwickelte Vorstellungen für eine Friedenswirtschaft als Lebensgrundlage und setzte sich für den Wiederaufbau einer demokratischen Gesellschaft ein“, würdigt ihn der SPD-Arbeitskreis Geschichte.

 Kiel, bis heute rote Hochburg, wurde in der Nachkriegszeit von Sozialdemokraten geprägt: Auch im ersten Landtag stellte die SPD die Führung mit Hermann Lüdemann als Ministerpräsident. „Für uns ist die Geschichte kein Steinbruch. Zu keinem Zeitpunkt musste die SPD ihre Werte wie Frieden und Solidarität in Frage stellen“, sagt Weber. Der Kieler Kreisverband sei der einzige im Land, der mit knapp 1600 Mitgliedern leichte Zuwächse vorweisen könne. Die am Sonntag gespielten historischen Szenen „Sozialdemokratischer Aufbruch“, „Wege aus dem Elend“ und „Wahlkämpfe 1946/47“ verfasste Staatssekretär Rolf Fischer nach Originalzitaten. Eine Jazz-Gruppe ergänzt die Präsentation.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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