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Nirostastahl für den alten Sarkophag

Saldern-Gruft Nirostastahl für den alten Sarkophag

Nach der aufwendigen Restaurierung der Saldern-Gruft hat die Klosterkirchengemeinde Bordesholm das nächste Sanierungsprojekt gestartet. Mit Spezialwerkzeug sowie Minikran rückten die Restauratoren in die Muhlius-Familiengruft vor – und öffneten dafür den Steinsarkophag von Friedrich Gabriel Muhlius.

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Reinhard Koglin (re.) lässt sich vom Archäologen Wolfgang Bauch die Bedeutung der Verzierungen am Muhlius-Holzsarg erläutern.

Quelle: Sven Tietgen

Bordesholm/Kiel. Überraschend gut erhalten zeigte sich der reich verzierte Holzsarg des 1776 verstorbenen Vizekanzlers der Kieler Uni.

 Der aus Eiche gezimmerte Holzsarg ist teilweise mit Stoff bezogen und mit vielen Verzierungselementen aus Zinn versehen worden. Aus Silber gefertigt wurde ein aufgenageltes Kreuz sowie ein Namensschild, das den 1702 geborenen Muhlius als „Fürstlicher Geheimer Rath des St. Annen Ordens Ritter“ ausweist.

 Der gebürtige Schleswiger, Professor und Vizekanzler der Christian-Albrechts-Universität sammelte aber noch weitere Verdienste: Als Besitzer der Damperhofländereien rund um den Kleinen Kiel verfügte er die Einrichtung eines Waisenhaus, durch einen Überlassungsvertrag 66 Jahre nach seinem Tod gingen die Ländereien in den Besitz der Stadt Kiel über. Eine 1867 an der Bergstraße in Kiel aufgestellte Bronzebüste erinnert an den Gelehrten.

 Den Holzsarg rührten Stephanie Silligmann und Fabian Belter, die bereits die Sandsteinsarkophage in der Saldern-Gruft restaurierten, nicht an. „Der Sarg ist für das Alter noch gut intakt, nur die Bodenpartie ist etwas zusammengefallen“, erklärte der Bordesholmer Archäologe Wolfgang Bauch, der das Kieler Restauratoren-Duo bei den Arbeiten am Sarkophag half. Der vermutlich aus Niedersachsen stammende und vom Eutiner Bildhauer Hans Georg Moster bearbeitete Sandstein hat in den vergangenen knapp 250 Jahren schwer gelitten: Der Deckel war verrutscht, die Eckanker durchgerostet, einzelne Teile des Sarkophages platzten ab oder brachen durch. Zudem ließen offenbar Handwerker bei Reparaturarbeiten vergangener Jahrzehnte ihre Spuren zurück. „Wir haben in den Spalten unter dem Deckel Zigarettenkippen gefunden“, berichtete Bauch.

 Mit Zapfen aus Nirostastahl und Spezialkleber restaurierten die Fachleute den Sarkophag, bis auf einige Restarbeiten ist das Projekt abgeschlossen. Rund 4800 Euro kostet das Vorhaben, das durch die Frieda-Werneke-Stiftung der Klosterkirchengemeinde finanziert wird. Die bereits 1738 an der nördlichen Längsseite des Kirchenschiffs angelegte Familiengruft verfügte früher laut Inventar über zahlreiche weitere Holzsärge. Im Zuge der letzten großen Renovierung in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Holzsärge jedoch heraus genommen, allein der Sarkophag blieb stehen.

 Die Kirchengemeinde plant jetzt weitere Sanierungen in der Klosterkirche. „Wir wollen Schritt für Schritt sanieren, als nächstes Projekt steht das Chorgestühl an“, erklärte die Kirchengemeinderatsvorsitzende Margrit Bonde.

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