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Aus für Paternoster?

Neue Verordnung Aus für Paternoster?

Im Kieler Landtag ist der nostalgische Paternoster-Fahrstuhl mit den offenen Kabinen sehr beliebt. Jetzt sorgt sich die FDP, dass eine verschärfte Benutzerordnung das Aus bedeuten könnte und wirft Bundesarbeitsministerin Nahles Bürokratiewahn vor.

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Bei der nach der Zählkette des katholischen Rosenkranzes benannten Aufzugsform ("Vaterunser") hängen mehrere Kabinen an zwei umlaufenden Ketten.

Quelle: Jan Woitas/dpa

Kiel. Eine neue Verordnung aus dem Bundesarbeitsministerium verschärft ab Juni die Auflagen für die noch verbliebenen Paternoster und könnte das Aus für einige dieser alten Fahrstühle auch in Schleswig-Holstein bedeuten. Die Nord-FDP hielt am Donnerstag Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) vor, ihr Bürokratiewahn nehme immer absurdere Züge an. Denn nur noch geschulte Menschen, die nun eine Art Führerschein für Paternoster machen sollen, dürften sie weiter benutzen, kritisierte der FDP-Landtagsabgeordnete Christopher Vogt am Donnerstag in Kiel. Dabei seien Treppen nicht ungefährlicher. In Kiel laufen Paternoster im Landtag, Bildungsministerium und Rathaus.

Ein Sprecher der Landtagsverwaltung verwies auf Nachfrage darauf, dass bereits seit Jahren Schilder am Paternoster darauf hinweisen, das nur eingewiesene Personen sie benutzen dürfen. Das Personal im Landeshaus mit dem Landtag übe regelmäßig jedes Jahr im Rahmen einer Brandschutzübung auch das Nutzen des Paternosters. Da es einen Pförtner gebe und keinen offenen Publikumsverkehr sei nicht mit Änderungen der bisherigen Praxis zu rechnen. Schulklassen zum Beispiel, die den Landtag besuchten, müssten ohnehin die Treppe nehmen. Falls Unfug getrieben werde, sei auch schon in der Vergangenheit der Paternoster mal abgestellt worden.

Im Kieler Rathaus ist die Benutzung des Paternosters bereits auf Beschäftigte der Landeshauptstadt Kiel beschränkt, „um Gefährdungen ungeübter Personen auszuschließen“. Zudem seien auf allen Etagen Gefahrhinweise an den Einstiegen angebracht, die das Befördern von Gepäckstücken untersagen und auf Gefahren für in der Mobilität eingeschränkte Personen hinweisen, teilte eine Sprecherin der Stadt mit. Bisher klären ältere Kollegen neue Mitarbeiter über den Paternoster auf. Künftig wird die Stadt ein kleines Merkblatt mit Sicherheitshinweisen den Beschäftigten geben.

Im Bildungsministerium prüft man noch den Sachverhalt. „Wir hoffen aber, den Paternoster weiter betreiben zu können“, sagte eine Ministeriumssprecherin.

FDP-Politiker Vogt erinnerte daran, dass bereits 2004 diese technischen Denkmale von bürokratischen Regelungen bedroht waren. Damals habe das Ende dieser Technik unter anderem mit der Unterstützung aller Fraktionen im Landtag abgewendet werden können. Vogt forderte die Landesregierung und insbesondere SPD-Bundesvize Ralf Stegner auf, „diesen Unsinn aus dem Hause Nahles zu verhindern“.

Stegner reagierte prompt: „Ich war als Sozialstaatssekretär in den 90er Jahren schon einmal daran beteiligt, die Paternoster im Landeshaus, im Kieler Rathaus und im Bildungsministerium vor der Stilllegung zu bewahren und als technische Denkmäler zu erhalten, die sich großer Beliebtheit beim Publikum erfreuen. Ich gehe davon aus, dass das auch diesmal wieder gelingt.“

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Landeshaus in Kiel
Foto: Der viel genutzte Paternoster-Fahrstuhl im Kieler Landeshaus ist vorerst stillgelegt worden.

Generationen von Abgeordneten haben den Paternoster-Fahrstuhl im Kieler Landeshaus geliebt. Jetzt wurde er stillgelegt — als Folge einer Verordnung von Bundesarbeitsministerin Nahles. Die FDP zeigt sich amüsiert, dass SPD-Fraktionschef Stegner nun Treppen steigen muss.

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