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Darum kracht es in der Wik

Scharnhorst-Bunker Darum kracht es in der Wik

Für Soldaten im Kieler Marinestützpunkt gehört in den kommenden Wochen der Gehörschutz fest zur persönlichen Schutzausrüstung. Ursache dafür ist der Raupenbagger 934 aus dem Hause Liebherr. Das über 40 Tonnen schwere Baugerät meißelt sich seit dieser Woche durch die bis zu zwei Meter dicken Stahlbetonwände des Scharnhorst-Bunkers im Tirpitzhafen.

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70 Jahre nach Kriegsende wird im Tirpitzhafen der alte Scharnhorst-Bunker abgerissen. Die Soldaten in den umliegenden Dienststellen können zum Teil nur mit Gehörschutz arbeiten. Die Abbrucharbeiten sollen noch mehrere Wochen dauern.

Quelle: Frank Behling

Kiel. Der im Zweiten Weltkrieg gebaute Bunker war einst Schutzraum der in Kiel beheimateten Marinesoldaten der 5. U-Bootflottille. Ihnen und den Bediensteten der Kriegsmarine bot der Bunker von 1943 bis 1945 bei zahlreichen Luftangriffen Schutz.

 Fast genau 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs steht für das gewaltige Bauwerk der Abbriss an. Und der ist jedoch keineswegs eine Sache von Stunden, sondern von Wochen. Mit ihren Arbeiten setzt die Abruchfirma von zwei Seiten an: Während der Raupenbagger von der Hafenseite den Bunker mit einem Meißelkopf aufbricht, wurde von der Südseite eine Rampe gebaut, von der aus ein zweiter Bagger das Dach des Bunkers Meter für Meter aufbricht. Der hat immerhin drei Stockwerke und bot 750 Menschen Schutz. Das Bauwerk gehört zum Typ 750, von dem in Kiel insgesamt vier Stück gebaut wurden. Einer davon wurde bereits vor zehn Jahren wenige Meter entfernt vom Scharnhorst-Bunker in der Wik abgerissen, als der neue Famila-Markt entstand. Der Abbruch jetzt hat vor allem ein Ziel: Platz schaffen. Den benötigt die Marine für den geplanten Ausbau ihres Stützpunktes.

 Im Verteidigungshaushalt sind allein für Modernisierung und Ausbau der Anlagen in Kiel 155 Millionen Euro bereitgestellt worden. Vorgesehen ist, dass 120 Millionen Euro bis zum Jahr 2020 verbaut werden. Dieses Geld fließt in die Sanierung der bestehenden Gebäude, denn hier beklagt die Marine zum Teil seit Jahren einen Sanierungsstau. Erst Ende Juni wurde das neue Stabsgebäude des 5. Minensuchgeschwaders eingeweiht.

 Wie Stützpunkt-Kommandeur Fregattenkapitän Michael Eichhorn zur Kieler Woche bekannt gab, soll ab kommenden Jahr auch mit dem Neubau von Gebäuden begonnen werden. Eine neue Feuerwache, ein Sozialgebäude und eine neue Küche sind in Planung. Aber auch Sanierung weiterer Unterkunftsgebäude für Soldaten steht auf der Liste der Projekte. Wenn die Planung und Ausschreibung 2016 erfolgen, könnten laut Eichhorn 2017 die Bauarbeiten für die neuen Gebäude beginnen.

 Mit der Reparatur einer Spundwand zwischen Weddigen- und Scharnhorstbrücke ist in den Hafenanlagen derzeit die Firma Unterwasser Krause beschäftigt. Auf der Liste der geplanten Projekte steht auch die Modernisierung der Scheermole. Sie ist im Marinehafen neben der Tirpitzmole die Anlage für die großen Schiffe. Zur Kieler Woche konnte die Mole auch amerikanischen Schiffen als Liegeplatz dienen. Allein ihre Modernisierung ist mit Kosten von 23 Millionen Euro kalkuliert.

 Die Scheermole ist der einzige geschützte Liegeplatz für große Marineschiffe an der westlichen Ostseeküste. Gestern hatte dort die Fregatte „Lübeck“ ihren Liegeplatz. Im September wird wieder ein Nato-Verband mit mehreren Einheiten erwartet.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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