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„Am meisten fehlt mir die Ostsee“

Schauspielerin aus Kiel „Am meisten fehlt mir die Ostsee“

Die gebürtige Kielerin Tjadke Biallowons ist in der Sat1-Sketchcomedy-Serie „Knallerfrauen“ zu sehen. Im Interview verrät die in Freiburg lebende Schauspielerin, was ihr am Norden fehlt.

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Die Kielerin Tjadke Biallowons war in ganz Deutschland unterwegs. Mittlerweile lebt sie mit ihrer Familie in Freiburg. Oft fehlt ihr das Meer.

Quelle: hfr

Kiel. Direkt nach Ihrem Abitur sind Sie nach Wien gezogen, um am Max-Reinhardt-Seminar Schauspiel zu studieren. Wie sicher wussten Sie da, dass Sie Schauspielerin werden wollen?

So richtig gewusst habe ich es damals noch nicht. Während meiner Schulzeit an der Kieler Gelehrtenschule habe ich Theater gespielt, und Lust darauf bekommen. Aber das Interesse rührt auch von der Familie her. Der Onkel meiner Mutter, Hans Quest, war Schauspieler, mein Großvater Pianist und meine Großmutter auch lange Zeit Schauspielerin. Aufführungen, die Bühne, die Oper, das alles war mir nicht fremd.

Nach ihrem Abschluss in Wien gingen sie nach Thüringen.

Richtig, und das war eine sehr bewusste Entscheidung. Ich wollte unbedingt die für mich neuen Bundesländer kennenlernen. Ich hatte immer das Gefühl, dass die Wende nicht so wirklich bis nach Kiel vorgedrungen ist. Da oben habe ich zumindest nicht viel von der Zusammenführung Deutschlands mitbekommen. Deswegen wollte ich mir das anschauen.

Sie waren erst in Meiningen, dann in Jena. Sind Ihnen Unterschiede zu „Westdeutschland“ aufgefallen?

Ja schon, aber das lässt sich schwer in Worte fassen. Ich habe es geliebt in den neuen Bundesländern. Es war schon irgendwie anders, man könnte sagen ungezwungener und auch verbindlicher. Mir ist auch aufgefallen, dass die Menschen aus den ehemaligen Ostländern ganz bestimmte Vorstellungen von uns „Wessis“ hatten. Gerade meine älteren Kollegen gingen davon aus, dass wir in Saus und Braus lebten, alle möglichen Freiheiten hatten. Das waren utopische Vorstellungen von einem Leben im Überfluss. Da wurde sich schon gewundert, wenn ich erzählte, dass ich nicht jeden Tag Eis gegessen habe und unsere Familie ihren Urlaub immer in Dänemark verbracht hat.

Dann gingen Sie nach Berlin. Weil jeder Künstler mal nach Berlin sollte?

Berlin war mir per se nicht fremd. Meine Tante lebt zum Beispiel schon seit sehr langer Zeit dort, ich kannte die Stadt also schon, bevor ich dahin gezogen bin. Und ja, ich dachte, es wäre mal ein cooler Ort, hinzugehen und einfach mal zu schauen: Was passiert hier eigentlich? Diesen Wahnsinn mal mitzuerleben. Und man muss auch auch bedenken, in Berlin zu leben, war super billig. Deswegen gab’s damals in der Stadt wahrscheinlich auch so wahnsinnig viele arbeitslose Schauspieler.

Von diesem Berliner „Wahnsinn“ haben Sie sich dann aber auch verabschiedet, und sind schließlich nach Freiburg gezogen.

Richtig. Meine Lebensumstände haben sich geändert. Ich habe eine Familie gegründet. Mein Mann, ebenfalls freischaffender Schauspieler, und ich haben uns nach zehn Jahren Berlin vorgenommen: Wenn einer von uns beiden ein Festengagement bekommt, wäre das für unsere Familie gut. Bis dato führten wir ein echtes Zigeunerleben. Für Stückverträge zogen wir von einer in die nächste Stadt. Aber Kinder werden älter, bekommen automatisch ein größeres soziales Umfeld. Und dass ein Elternteil immer für acht bis zehn Wochen weg ist, wollten wir nicht mehr. Dann bekam mein Mann ein festes Engagement in Freiburg, also zogen wir dorthin. Und ich muss sagen, ich fühle mich auch hier im Süden sehr wohl.

Nun sind sie aktuell wieder in der Sketchcomedy-Serie „Knallerfreuen“ zu sehen. Finden Sie selber die Serie eigentlich witzig?

Teilweise schon, ja. Die Arbeit macht mir Spaß und tut mir gut. Ich habe in Jena zum Beispiel sehr viel in progressiven und expressiven Theaterstücken gespielt. Danach wollte ich bewusst naturalistischer arbeiten.

Naturalistischer?

Ja, bei Knallerfrauen spiele ich eine Mutter und Freundin. Da ist das Spiel automatisch kleiner und natürlicher.

Sie sind in Kiel geboren, leben aber seit über 20 Jahren schon nicht mehr hier. Identifizieren Sie sich noch mit dem Norden?

Das ist schwierig. Ich mag Kiel, ganz klar. Und ich wünschte mir auch öfter dort zu sein. Mittlerweile schaffe ich es ein Mal im Jahr etwa hoch. Vor allem um meine Familie zu besuchen. Manchmal bedaure ich es, nicht öfter hochfahren zu können. Aber von Freiburg nach Kiel – sehr viel weiter geht’s eigentlich kaum noch, und mit drei Kinder bedeutet ein Trip nach Kiel auch Kraftaufwand.

Was tun Sie, wenn Sie hier sind?

Als erstes fahre ich nach Strande an den Strand – wie schon als Kind. Ich gehe auf den Dreiecksplatz, laufe an der Kiellinie entlang, vorbei an den Seelöwen. Ach und jede Mal wenn ich hier bin, spaziere ich auf der Holtenauerstraße. Die Ostsee und die klare Luft – Das fehlt mir schon.

Interview: Alev Doğan

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