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Ohne diesen Wurf geht’s gar nicht

Schiffstaufe in Kiel Ohne diesen Wurf geht’s gar nicht

Die Königin aller Taufpatinnen kommt aus Italien. Filmdiva Sophia Loren hat bisher schon zehn große Kreuzfahrtneubauten der Reederei MSC getauft – und damit so viele große Schiffe wie kein anderer Prominenter.

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Am Freitag wird in Kiel die "Mein Schiff 4" getauft.

Quelle: Bernd Wüstneck/dpa

Kiel. Vermutlich wird sie gern noch einmal als Patin geholt, denn Pech hat die Loren nicht einem einzigen MSC-Schiff gebracht. Schiffstaufen sind in der Seefahrt unverzichtbar, symbolisieren sie doch die Hoffnung auf gute Winde und eine stets glückliche Heimkehr mit einer Handbreit Wasser unterm Kiel.

Auch im Zeitalter digitaler Seekarten, Satelliten-Navigation und moderner Antriebsgondeln hat der Aberglaube einen großen Platz. „Ein Schiff, dass nicht getauft wurde, darf nicht zur See fahren“, sagt Kieler Schiffbau-Ingenieur Geerd Breffka. Deshalb wird traditionell jeder Neubau vor der ersten Fahrt getauft. Es ist eines der ungeschriebenen Gesetze der Seefahrt. Das sieht auch Kapitän Kjell Holm von der „Mein Schiff 4“ so. Der 65-jährige Finne ist zwar ein Freund moderner Technik – vernetzte Brücken-Systeme und iPad statt Stechzirkel und Papierseekarte sieht er als willkommene Neuerungen. In einem Punkt lässt Kjell Holm allerdings nicht mit sich reden. Wenn’s um die Tradition geht, ist der Kapitän streng konservativ.

Wie sich das auswirkt, kann jeder sehen, der auf der „Mein Schiff 4“ in einen Fahrstuhl steigt. Den Knopf für Deck 13 gibt es nicht, nach Deck 12 folgt gleich Deck 14. Es gibt 16 Rettungsboote, aber auch hier keine Nummer 13. Genauso findet sich unter den 1253 Kabinen keine Kabine, die mit einer 13 endet. Die 13 ist in den Köpfen der Seefahrer eine Unglückszahl.

Unglück soll es auch bringen, wenn ein Flasche bei der Taufe nicht platzt. Als im Mai 2008 der britische Ozeanliner „Queen Victoria“ in Malta eine Pier rammte, wurde die Schuld nicht beim Kapitän gesucht. Für die Seeleute und die britische Presse war sonnenklar: Schuld trug die Frau von Thronfolger Prinz Charles. Camilla Parker Bowles, Herzogin von Cornwall, hatte es kurz zuvor bei der Taufe in Southampton nicht geschafft, die Flasche gleich im ersten Anlauf am Bug der „Queen Victoria“ zerplatzen zu lassen.

Bei Taufen gilt die Regel: „Kein Schiff verlässt die Werft ohne Taufe“, sagt Ingenieur Breffka. Diesen Grundsatz pflegt auch Giuliano Bossi, der dienstälteste Kapitän der Flotte der Reederei MSC. Sein Chef Gianluigi Aponte legt Wert darauf, Taufen als mediale Großereignisse zu zelebrieren – etwa mit Sophia Loren, und die können dann natürlich nicht auf der Werft an der französischen Atlantikküste gefeiert werden, sondern nur in großen Metropolen mit möglichst viel Medienpräsenz. Als Bossi 2013 die „MSC Preciosa“ aus der Werft im französischen St. Nazaire abholt, wird offenbar, dass es auch bei MSC eine kleine geheime Taufe am Dock gibt. Denn schließlich beginnt hier die erste Fahrt. „Das will Neptun so“, sagt Bossi später vor Medienvertretern.

 Wenn Franziska van Almsick am Freitag ihren Auftritt als Taufpatin hat, muss sie eine große Flasche Champagner am Bug zum Zerplatzen bringen. Der deutsche Schwimmstar trägt sich damit in die Liste der Kieler Taufpatinnen ein. Die „Mein Schiff 4 ist das sechste Kreuzfahrtschiff seit 1980, dass in Kiel seinen Namen erhält. Zuvor wurden die Traumschiffe „Berlin“ und „Deutschland“ der Reederei Deilmann hier getauft, dann folgten die Kreuzfahrtjachten „Sun Bay 1“ und „Sun Bay 2“ sowie 2011 die „Aidasol“ von Aida Cruises. Und auch die Taufe der Kreuzfahrtfähre „Color Magic“ wurde 2007 mit einem großen Fest in Kiel gefeiert. Schiffstaufen sind reine Frauensache. Eigentlich. Im Mai 1998 allerdings schritt in Kiel ein Taufpate zur Tat. Auf Wunsch des Reeders Peter Deilmann übernahm Altbundespräsident Richard von Waizsäcker die Patenschaft für das die „Deutschland“.

Einschränkungen durch Taufe

Da das Ordnungsamt den Veranstaltungsort für den Verkehr weiträumig sperrt, ist es schwierig, vom Hauptbahnhof zum Ostseekai zu kommen. Im Prinzip geht es nur zu Fuß oder mit dem Bus vom Hauptbahnhof bis zur Haltestelle „Holstenbrücke“. Von dort kann man dann durch die Fußgängerzone oder am Bootshafen vorbei zu Fuß zum Ostseekai gehen.

Alle Linien (32, 33, 41 und 42 sowie 61 und 62), die normalerweise entlang Ostseekai, Schloßgarten oder Kiellinie fahren und dort halten – müssen ab ca. 16 Uhr weiträumige Umleitungen fahren.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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