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Dritter Prozessanlauf um tödliche Raubserie

Schilksee Dritter Prozessanlauf um tödliche Raubserie

War es Raub mit Todesfolge oder „nur“ fahrlässige Tötung? Seit Montag wird der Prozess gegen zwei Brüder aus Schilksee, die vor fünf Jahren mit einer Raubserie vor allem ältere Menschen im Norden der Landeshauptstadt in Angst und Schrecken versetzten, zum dritten Mal aufgerollt.

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Ein Urteil ist nach dem zuletzt festgestellten Sachverhalt Anfang November zu erwarten.

Quelle: dpa (Symbol)

Kiel. Zwei frühere Urteile des Kieler Landgerichts hatte der Bundesgerichtshof als fehlerhaft aufgehoben.

Die Raubserie fand ihren traurigen Höhepunkt am 23. Februar 2011 mit dem brutalen Überfall der 26 und 34 Jahre alten Angeklagten auf ein Seniorenehepaar in Schilksee. Während der Tat geriet die an schwerem Asthma leidende Ehefrau (82) laut medizinischem Gutachten angesichts der maskierten und mit einer Pistole bewaffneten Räuber in Panik und erstickte qualvoll.

Den gleichaltrigen Ehemann hatten die weitgehend geständigen Täter zuvor unter einem Vorwand aus der Zweizimmerwohnung im 6. Obergeschoss des Mehrfamilienhauses gelockt, auf dem Flur überwältigt und seine Hände mit Kabelbindern auf dem Rücken gefesselt. Als der 82-Jährige wenig später in der Wohnung bemerkte, dass seine Frau schwer atmete und nach Luft rang, forderte er die Täter verzweifelt auf, ihr die Benutzung des bereitstehenden Inhalationsgeräts zu erlauben. Laut Anklage nutzten die seit 2012 in U-Haft sitzenden Brüder die sich dramatisch zuspitzende Notlage der Opfer aus, ihrer Forderung nach Geld zusätzlichen Druck zu verleihen. „Geld, Geld, Geld!“ hätten sie gerufen. Erst nach mehrfacher Nachfrage gestatteten sie den Gebrauch des Inhalationsgeräts, sagte Staatsanwalt Achim Hackethal.

Mit vorgetäuschtem russischen Akzent und Drohungen wie „Nix Arzt, Geld oder Schießen!“ hätten die Angeklagten die dringende Bitte des Ehemannes nach einem Arzt zurückgewiesen. Erst nach seiner dritten Forderung hätten sie die Fesselung aufgeschnitten. Während die Täter flüchteten, alarmierte der 82-Jährige den Notarzt. Der konnte später nur noch den Tod der Frau feststellen. Dass das um Luft ringende Opfer blau anlief, wollen die Angeklagten nicht bemerkt haben. Beide Brüder erklärten am Montag, der Bitte des Ehemanns nach Inhalieren sofort entsprochen zu haben.

Entscheidend für die rechtliche Bewertung ist jetzt das Maß der Leichtfertigkeit und Gleichgültigkeit, das die Täter im Umgang mit dem augenscheinlich gebrechlichen Seniorenpaar an den Tag legten. Im zweiten Kieler Urteil hatte die 10. Strafkammer den Brüdern zugutegehalten, die Dramatik der lebensbedrohlichen Situation nicht rechtzeitig erkannt zu haben. Sie reduzierte das Strafmaß des ersten Urteils (elf beziehungsweise zwölf Jahre Freiheitsstrafe) auf achteinhalb und knapp zehn Jahre Haft. Demgegenüber befand der BGH, die Möglichkeit eines tödlichen Verlaufs habe sich den Tätern schon früher aufdrängen müssen. Der schwerere Vorwurf des Raubes mit Todesfolge sei deshalb erneut zu prüfen.

Den im letzten Prozess festgestellten Sachverhalt akzeptierte der BGH dagegen weitestgehend. Die jetzt mit der Sache befasste Jugendstrafkammer kann die Beweisaufnahme daher abkürzen. Ein Urteil wird Anfang November erwartet.

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