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Niemand soll sein Gesicht verlieren

Schilksee Niemand soll sein Gesicht verlieren

Mit seinen 82 Jahren ist Karl-Otto Schröder der älteste Schiedsmann in der Stadt Kiel. Seit 2001 holt er als vorgerichtlicher Schlichter im Bezirk 24 (Schilksee) Kontrahenten bei bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten oder bei bestimmten Strafsachen an einen Tisch.

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Karl-Otto Schröder ist seit 2001 als Schiedsmann in Schilksee tätig. Seine Fälle dokumentiert er in seinem Protokollbuch.

Quelle: Ingrid Haese

Schilksee. Seine dritte Amtszeit endet am 6. Juni 2017. Weil ihm aber sein Ehrenamt am Herzen liegt, wird er sich erneut zur Wahl stellen. Rund 550 Schiedsleute gibt es in Schleswig-Holstein, 390 von ihnen sind Mitglieder im Bund Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen (BDS), Landesvereinigung Schleswig-Holstein. Der Bezirksvereinigung Kiel, die zuständig ist für den Landgerichtsbezirk Kiel mit seinen Amtsgerichten in Bad Segeberg, Eckernförde, Kiel, Neumünster, Norderstedt, Plön und Rendsburg, gehören 168 Schiedsleute an. In den 30 Kieler Schiedsamtsbezirken sind 14 Schiedsleute im Einsatz – einer von ihnen ist Karl-Otto Schröder.

Die Ratsversammlung wählte ihn am 24. Januar 2001 zum ersten Mal, die erste Wiederwahl erfolgte am 23. Oktober 2006, die zweite aus terminlichen Gründen erst am 29. Mai 2012. „Ich möchte mein Amt für weitere fünf Jahre übernehmen“, sagt Karl-Otto Schröder und schickt die Begründung gleich hinterher: „Es ist eine tolle Sache, mit zwei Parteien so zu verhandeln, dass keiner sein Gesicht verliert, und am Ende eine Einigung steht.“

Beim Umgang mit Menschen schöpft der Diplom-Verwaltungswirt und Postoberamtsrat, der seit 1999 pensioniert ist, auch aus dem Erfahrungsschatz seiner beruflichen Laufbahn. Die letzten 15 Jahre vor dem Eintritt in den Ruhestand war er bei der Bundespost mit strafrechtlichen Ermittlungen innerhalb des Unternehmens sowie gegen Postkunden betraut. Zudem war er bis 2002 neun Jahre als Schöffe für das Landgericht Kiel tätig. „Ich brachte im Beruf als Hilfsbeamter der Staatsanwaltschaft Täter vor Gericht, als Schöffe musste ich ein Urteil fällen, als Schiedsmann möchte ich einen Vergleich erreichen“, erläutert Karl-Otto Schröder. Fünf bis zehn Angelegenheiten verhandelt der Schiedsmann in Schilksee pro Jahr im Schnitt.

Zu 70 Prozent Streit zwischen Nachbarn

Hinzu kommen noch etwa doppelt so viele Tür- und Angelfälle, bei denen sich Betroffene von Streitigkeiten nur einen nicht juristischen Rat einholen. Bei den eigentlichen Fällen, erzählt Karl-Otto Schröder, handele es sich zu 30 Prozent um Privatklagedelikte wie zum Beispiel Beleidigung, Verleumdung, Hausfriedensbruch oder leichte Körperverletzung. Verstöße gegen das Gleichbehandlungsgesetz gehörten ebenfalls in diese Kategorie. Ein solcher Fall sei beispielsweise gegeben, wenn jemanden aufgrund seiner Hautfarbe der Zutritt in eine Disco verwehrt werde. „Zu 70 Prozent beschäftige ich mich mit nachbarrechtlichen Streitigkeiten, bei denen es um Grenzabstände, Einfriedungen, störende Bäume, Überwuchs oder um Lärm- und Geruchsbelästigungen geht“, sagt Karl-Otto Schröder und ergänzt: „Häufig sind die Kontrahenten schon jahrelang im Clinch, kommen mit Stapeln von Akten zu mir. Die legen wir gleich beiseite, die Leute erzählen selbst, was los ist, lassen ihren oft über Jahre aufgestauten Ärger raus. Anschließend müssen sie aufeinander zugehen, damit wir eine Schlichtung hinbekommen. Beide Seiten bestimmen mit, was in das Protokoll kommt. Die Einigung ist damit ein auf 30 Jahre vollstreckbarer Titel. Wenn wir das erreicht haben, habe ich ein gutes Gefühl. Meine Erfolgsquote liegt bei etwa 80 Prozent. Gibt es keine Einigung, kann der Antragsteller mit der Erfolglosigkeitsbescheinigung klagen gehen.“ Doch zum überwiegenden Teil kommt es zu einer Schlichtung. „Wir haben eine Erfolgsquote von mindestens 60 Prozent“, so Bodo Arlt, Vorsitzender der BDS-Bezirksvereinigung Kiel.

Karl-Otto Schröder muss sich jetzt am 11. Januar auf der Sitzung des Ortsbeirates Schilksee um Unterstützung bemühen. Gelingt ihm das, wird die Bewerbung am 7. März dem Innen- und Umweltausschuss vorgelegt, die Ratsversammlung entscheidet am 18. Mai.

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