26 ° / 10 ° Gewitter

Navigation:
Forscher überzeugt: Rätsel der Migräne ist gelöst

Schmerzklinik Forscher überzeugt: Rätsel der Migräne ist gelöst

Die bisher weltweit umfangreichste Migränestudie kommt nach Einschätzung des Kieler Forschers Prof. Hartmut Göbel zu bahnbrechenden Ergebnissen: Die Wissenschaftler entdeckten 44 neue Genvarianten, die das Risiko, an Migräne zu erkranken, erhöhen.

Voriger Artikel
Erster Flugversuch misslingt
Nächster Artikel
„Datteln“ und „Werra“ zu Mittelmeereinsatz ausgelaufen
Quelle: Rainer Unkel/imago

Kiel. Göbel, Co-Autor der Studie und Direktor der Kieler Schmerzklinik, spricht von einem Meilenstein auf dem Weg, die Ursachen der schweren Erkrankung zu enträtseln.

 Die Ergebnisse werden am Montag im Wissenschaftsjournal Journal „Nature Genetics“ publiziert. Demnach löst eine zeitweise Störung der Blutversorgung des Gehirns die Kopfschmerz-Attacken aus. Mehrere Jahre lang sammelten Forscherteams aus zwölf Nationen unter Beteiligung der Schmerzklinik Erbgutproben von 375000 Europäern, Amerikanern und Australiern. Die Daten belegen nach Angaben von Klinikdirektor Göbel zum ersten Mal, dass die Reaktionsweise der Arterien und der glatten Muskulatur in den Gefäßwänden des Blutkreislaufsystems eine wichtige Rolle für die Migräneentstehung spielen.

Eine Milliarde Menschen leiden an Migräne

 Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation steht Migräne an sechster Stelle der am schwersten behindernden Erkrankungen des Menschen. Weltweit sind eine Milliarde Menschen betroffen. Pro Tag leiden rund eine Million Menschen allein in Deutschland an Migräneattacken. Zum Gewitter im Kopf mit zum Teil Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit kommen bei etwa zehn Prozent der Patienten neurologische Ausfälle wie Lähmungen oder Bewusstseinsstörungen. Schon epidemiologische Studien der vergangenen Jahre hatten bestätigt, dass die Migräne mit einem erhöhten Risiko für Schlaganfall, Herzinfarkt und anderen Erkrankungen des Herzkreislaufsystems einhergeht. Die neuen Daten stimmen mit diesen Befunden überein.

 Da die einzelnen Genvarianten das Migränerisiko nur leicht erhöhen, konnten die neuen Ergebnisse nur erzielt werden, indem die Forscher weltweit ihre Proben und Analysen zusammenführten. Göbel ist überzeugt: „Wir haben die Nadel im Heuhaufen gefunden. Wir können jetzt das Wissen umsetzen, da uns die Ergebnisse die Richtung für die nächsten Jahre vorgeben.“

Chance auf Entwicklung neuer Medikamente gegen Migräne

 Was die Forscher elektrisiert, ist die Chance auf die Entwicklung neuer gezielter Medikamente für die etwa 30 unterschiedlichen Migräneunterformen. „Wir müssen spezifisch behandeln. Patienten sprechen ganz unterschiedlich auf verschiedene Therapien an“, beschreibt Göbel. Was bei dem einen gut wirkt, hilft dem anderen gar nicht. Die jetzt neu entdeckten Befunde könnten in den nächsten Jahren Grundlage dafür sein, auf unterschiedliche genetische Risikogruppen zugeschnittene Therapieansätze zu finden.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Kieler Förde

Schiffspositionen in
der Kieler Förde, dem
NOK und der Ostsee.

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3