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Feuerwehr rettet Familien auf dünnem Eis

Schrevenpark Feuerwehr rettet Familien auf dünnem Eis

Es schimmert verlockend im Sonnenlicht, doch das Eis auf den Gewässern der Landeshauptstadt kann lebensgefährlich sein. Am Mittwoch sorgten rund 30 Personen auf dem dünnen Eis des Schreventeichs für einen Einsatz von Polizei und Feuerwehr. Eltern mit Kindern hatten es am Nachmittag betreten.

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Die dünne Eisfläche auf dem Schreventeich ist nicht sicher.

Quelle: Tanja Köhler

Kiel. Die von Passanten alarmierten Beamten mussten sie überreden, das Eis zu verlassen. Vorsorglich war auch die Feuerwehr mit Schlauchboot und Überlebensanzügen angerückt. Eingebrochen ist niemand, die Feuerwehr warnt jedoch vor dem Betreten von Eisflächen. Es sei bei stehenden Gewässern erst ab 15 Zentimetern Dicke sicher, bei fließenden erst, wenn es mindestens 20 Zentimeter stark ist. Die Stadt erwägt nun, am Schreventeich Schilder aufzustellen, die vor der Gefahr warnen und Unvernunft vorbeugen sollen. Grundsätzlich gibt die Stadt keine Gewässer offiziell zum Schlittschuhlaufen frei. Die Bürger betreten Eis immer auf eigene Verantwortung. Verboten werden kann es ihnen erst, wenn das Ordnungsamt die Fläche sperrt.

Die Stadt setzt daher auf das Verantwortungsbewusstsein der Kieler, auch im Umgang mit Flüchtlingen, von denen die meisten zum ersten Mal mit überfrorenen Gewässern in Berührung kommen. „Wir haben in den Gemeinschaftsunterkünften keine spezielle Unterrichtung über den Umgang mit Schnee und Eis vorgenommen“, sagte Annette Wiese-Krukowska, Sprecherin der Stadt. „Stattdessen setzen wir auf die zwischenmenschliche Komponente und hoffen, dass die einheimische Bevölkerung auf die Gefahr hinweist und vor Unkenntnis schützt.“ Das gelte nicht nur für Flüchtlinge, sondern auch für Kinder und leichtsinnige Erwachsene.

So glimpflich wie am Mittwoch gehen längst nicht alle Eislaufversuche auf natürlichen Gewässern aus. Im Winter 2004 waren drei Kinder – neun Jahre alte Zwillinge und ein fünf Jahre altes Mädchen – verunglückt, als sie auf dem nicht tragfähigen Eis des Drachensees im Kieler Stadtteil Hasse gespielt hatten und eingebrochen waren. Einer der neunjährigen Jungen starb bei dem Unfall. Spaziergänger hatten damals gesehen, dass die Kinder ins Eis eingebrochen waren und die Rettungskräfte alarmiert. Eine Frau hatte sich bis auf die Unterwäsche ausgezogen und war ins Wasser gestiegen, um den Verunglückten zu helfen. Wassertemperatur: vier Grad Celsius.

Tipps der Feuerwehr

  • Niemals an den ersten Frosttagen das Eis betreten. Es braucht viel Zeit, um tragfest zu werden, besonders bei wechselnden Temperaturen.
  • Bei stehenden Gewässern sollte das Eis mindestens 15 Zentimeter stark sein, bei fließenden Gewässern mindestens 20 Zentimeter. Erwachsene sollten das Eis prüfen und Kinder über die Gefahren aufklären.
  • Niemals allein auf vereiste Gewässer gehen.
  • An Uferzonen wächst das Eis langsamer durch den Bewuchs von Sträuchern und Baumwurzeln. Wenn das Eis knackt und knistert, sollte es umgehend verlassen werden.

Wer doch eingebrochen ist, sollte…

  • … sich möglichst flach auf das Eis legen und in Bauch- oder Rückenlage mit ausgestreckten Armen versuchen, das Ufer zu erreichen. Bricht es weiter ein, mit Fäusten und Ellenbogen versuchen, einen Weg zum Ufer zu bahnen.
  • … versuchen, ruhig zu atmen und auf sich aufmerksam zu machen.
  • … die nasse Kleidung anbehalten, auch wenn das Ufer erreicht ist. Die vorhandene Körperwärme von etwa 37 Grad wärmt den Körper die erste Zeit weiterhin.
  • … sich möglichst flach liegend zur ärztlichen Behandlung fahren lassen, wenn noch kein Rettungsdienst eingetroffen ist.

Wer einen Verunglückten rettet, sollte…

  • … die eingebrochene Person beruhigen und unmittelbar über Notruf 112 die Feuerwehr alarmieren.
  • … sich möglichst mit Hilfsmitteln wie Leitern, Bohlen oder Ästen in Bauchlage zum Verunglückten bewegen, um das Gewicht besser zu verteilen. Eigensicherung nicht vergessen!
  • … sich von weiteren Personen einen Rettungsring oder langes Seil in Richtung der Einbruchstelle werfen lassen. Eine quer über die Einbruchstelle gelegte Unterlage macht die Rettung leichter.
  • … die gerettete Person flach lagern, beruhigen und sie Arme und Beine nicht bewegen lassen. Auf Herzfunktion und Atmung achten, keinen Alkohol anbieten, höchstens warmes Wasser mit etwas Zucker.
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