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Tropfen auf dem heißen Stein

Schulen in Hatay Tropfen auf dem heißen Stein

Für die offizielle Einweihung der Grundschule, die 2015 mit Kieler Spendenhilfe in der Region Hatay/Antakya errichtet wurde und in der bereits 170 syrische Flüchtlingskinder von syrischen Lehrern unterrichtet werden, ist alles mit Luftballons in Schwarz-Rot-Gold und Rot-Weiß geschmückt.

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Tänze und Gesänge hatten die Kinder für die Eröffnung ihrer Schule in Hatay einstudiert, zu der Stadtpräsident Hans-Werner Tovar aus Kiel eingeflogen war.

Quelle: LH Kiel/Hatay

Kiel/Hatay. Viele Menschen drängen sich auf dem Schulhof. Und mittendrin bei 32 Grad Celsius eine kleine Delegation aus Deutschland mit 13 Teilnehmern aus dem baden-württembergischen Aalen plus einem aus Kiel: Stadtpräsident Hans-Werner Tovar.

 „Man hat mich in Istanbul aufgelesen“, berichtet Tovar nach seiner Rückkehr verschmitzt von der kurzfristig angetretenen Flugreise nach Hatay. Aalen hatte in Kiel angerufen, um sich abzustimmen. Die württembergische Stadt, ebenfalls Partner von Hatay/Antakya und begeistert von der Kieler Idee, hatte einen Schulbau als Spendenprojekt (wie berichtet) kopiert. So entstand 30 Kilometer entfernt eine zweite Schule für Flüchtlingskinder, die nun eingeweiht werden sollte. „Und auch wir mussten zum Abschluss kommen. So sind wir kurzfristig übereingekommen, dass wir beide Schulen gemeinsam einweihen“, so Tovar. Gesagt, getan.

Hier finden Sie Fotos von der Reise des Stadtpräsidenten 2016.

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 Der erste von zwei Aufenthaltstagen verging mit den Schuleinweihungen. Fotos, die Tovar von diesen Festlichkeiten mitgebracht hat, sprechen Bände. Große Gastfreundschaft, weiß gedeckte Tafeln, Blumen und Kerzen. Man ist stolz in Hatay. „Uns wurde erzählt, dass viele gekommen seien. Aber nur unsere beiden Städte hätten so etwas getan. Man ist sehr dankbar für dieses Signal aus den deutschen Partnerstädten.“ Die Grundschulkinder sangen und tanzten für die Gäste, und eine Schülerin sprach Verse auf Arabisch und Türkisch. „Über Freundschaft“, sagt Tovar, „das war sehr anrührend.“ Auch die Lehrer brachten ihren Dank zum Ausdruck, indem sie für den Besuch aus Deutschland gekocht hatten.

 Die Delegation wurde auch über die Baukosten unterrichtet. „Von den rund 126000 Euro aus Kiel hat die Schule 105000 Euro gekostet. Mit allem Drum und Dran“, freut sich Tovar, „und die Standards sind klasse, da könnten auch wir problemlos unterrichten.“ Übrig geblieben sind noch 21000 Euro, die man gerne zum Erhalt der Schule, für Unterrichtsmaterialien und für den Bau eines Spielplatzes direkt neben der Schule verwenden möchte. Tovar: „Da hab’ ich gesagt: Okay, macht das mal. Es gibt ja sonst nichts für die Kinder dort. Es sind nur 170 Schüler, in der anderen Schule vielleicht bald die dreifache Zahl. Aber was ist das angesichts von 250000 Flüchtlingen in einer 1,5-Millionen-Region? Ein Tropfen auf den heißen Stein.“

 Am nächsten Tag erhielt die Delegation einen Eindruck von der Flüchtlingssituation. Unmittelbar entlang der doppelten Grenzanlage nach Syrien mit Blick auf syrische Dörfer und nur 100 Kilometer entfernt von Aleppo, wurde den Deutschen alles gezeigt. Sogar ein armenisches Dorf. Tovar: „Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass es gefährlich sein könnte.“ Man habe zwei Lager gesehen, das erste sei riesig und mit winterfesten Wellblechhütten bebaut, das zweite Lager sei ein sehr großes Containerdorf. Direkt daneben sah man aber auch noch eines der älteren Zeltlager, in dem die Menschen auf ihre Aufnahme ins Containerdorf warteten. „Ich sehe die Anstrengungen dort als ein Zeichen, dass die Türkei ihre Aufgabe ernst nimmt“, versichert Tovar.

 Dabei sind die aktuellen Anforderungen in der multikulturellen und -religiösen Bevölkerung Hatays mit Muslimen, Christen, Orthodoxen, Juden und Alawiten derzeit komplex. Die Angst vor sozialen Unterschieden sei bei der Stadtverwaltung groß, berichtet Tovar. Es herrsche extreme Wohnungsknappheit, denn nicht alle Flüchtlinge leben in Camps. Auch Jobs sind rar. In der Handhabung der Bevölkerungsunterschiede ist Hatay für Kiels Stadtpräsidenten dennoch vorbildlich. „Ich möchte in Kiel die Situation verstärkt ausloten, denn ich habe mitbekommen, dass es auch hier Spannungen gibt.“ So wolle er jetzt die Moscheevereine besuchen und Probleme ansprechen. „Es ist mir wichtig, dass wir hier in Kiel friedlich leben können.“

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