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Wenige vertrauliche Geburten in Kiel

Schwangerenberatung Wenige vertrauliche Geburten in Kiel

Seit Mai 2014 gibt es in Deutschland die Möglichkeit der vertraulichen Geburt. Mütter können ihre Kinder anonym zur Welt bringen und zur Adoption freigeben. In Kiel formierte sich nun ein Arbeitskreis, der die Erfahrungen auswertete. Es stellte sich heraus: Vertrauliche Geburten werden sehr selten in Anspruch genommen.

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Offizielle Zahlen zur Nutzung der Babyklappe im Städtischen Krankenhaus gibt es nicht. Aber zu hören ist, dass sie selten bis nie benötigt wurde. Auch die vertrauliche Geburt bleibt bislang eine Randerscheinung.

Quelle: Martin Geist

Kiel. Bisher brachten in Kiel zwei Mütter ihr Kind anonym zur Welt, während die Zahl der Beratungen deutlich höher lag. Vertrauliche Geburten waren damit so selten, dass es den professionell Beteiligten an der wünschenswerten Routine fehlt.

 „Bis Herbst 2015 sind in ganz Deutschland gerade einmal 160 derartige Geburten registriert worden“, sagt Esther Stachow von der Frauen-, Familien- und Schwangerenberatung des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF). Und auch für Kiel stellt sich die Situation überschaubar dar. Zu Buche stehen bislang zwei Fälle.

 Was allerdings nicht bedeutet, dass die vertrauliche Geburt für Schwangere, die unter Druck stehen, kein Thema wäre. Die Zahl der Beratungen, so berichten die Zuständigen von SkF, Pro Familia und Stadtverwaltung, ist jedenfalls deutlich höher.

 Edda Lilienfein von der städtischen Adoptionsvermittlungsstelle empfiehlt ausdrücklich, solche Beratungen in Anspruch zu nehmen. Ihre Erfahrung, die auch Sigrid Kummer von der katholischen Beratungsstelle Donum Vitae bestätigt: „Oftmals legen Frauen, die sich umfassend haben informieren lassen, den Gedanken an eine vertrauliche Geburt beiseite.“ Sie gebären mit ihrer eigenen Identität und geben ihre Kinder im Zweifel zur Adoption frei.

 „Das ist nach allen Seiten ein hochemotionales Thema“, weiß Edda Lilienfein. „Fürsorglich zu beraten“, sei deshalb das oberste Gebot. In mancher Hinsicht macht es die vertrauliche Geburt beispielsweise schwerer, die Richtung zu ändern, wenn sich eine Mutter anders besinnt. Zwar gibt es eine einjährige Widerrufsfrist, doch danach wird es sehr kompliziert, Kontakt zum Kind zu bekommen. Andersherum gilt für die Kinder, dass sie erst vom 16. Lebensjahr an ein Recht haben, zu erfahren, von welcher Herkunft sie sind. Und selbst dann kann die Mutter noch Einwände dagegen vorbringen.

 Schwierig kann es auch für die Pflege- beziehungsweise Adoptiveltern eines anonym geborenen Kindes werden. Im ersten Jahr müssen sie ständig damit rechnen, dass ihnen das Baby wieder entzogen wird – zumuten möchten sich das längst nicht alle, die bereit sind, Verantwortung für ein nicht leibliches Kind zu übernehmen.

 In den beiden bisherigen Kieler Fällen lief es gleichwohl relativ reibungslos. Kontakt zur Pflegefamilie kann laut Edda Lilienfein bereits am zweiten Lebenstag des Neugeborenen hergestellt werden, Vormundschaft und letztlich Adoption lassen sich zügig regeln.

 Dass die vertrauliche Geburt der große Wurf ist, daran hegen die Expertinnen dennoch ihre Zweifel. „Weder diese Möglichkeit noch Babyklappen verhindern Kindstötungen“, meint Dagmar von Mossin von der Diakonie in Kiel.

 Auch die ursprüngliche Erwartung, dass das Gebären in Anonymität Erleichterung für Angehörige von Randgruppen schaffen könnte, scheint sich nicht zu erfüllen. Zu tun habe man es nicht mit Prostituierten oder illegal in Deutschland lebenden Ausländerinnen, sondern eher mit der Mitte der Gesellschaft, berichtet Esther Stachow. Das können Studentinnen oder Frauen mit Familie sein, „die erhebliche Not empfinden und bei denen eine Schwangerschaft in der konkreten Situation überhaupt nicht in den Lebenslauf passt“, sagt die Beraterin. Eine ideale Lösung gibt es in solchen Notsituationen vielleicht ohnehin nicht. Die städtische Adoptionsvermittlung jedenfalls erhält immer wieder auch noch nach Jahren Rechercheanfragen von Müttern, die nicht damit klarkommen, ihre Kinder weggegeben zu haben und etwas gutmachen wollen.

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