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Sorge um die Flüchtlingskinder

Schwimmkurse fehlen Sorge um die Flüchtlingskinder

Marlen Scharnweber treibt eine Sorge um. Die Rentnerin aus Schilksee hat beobachtet, dass jugendliche Flüchtlinge in der Ostsee baden, obwohl sie gar nicht schwimmen können. Ein von ihr mitorganisierter Schwimmkurs wurde abgebrochen.

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Marlen Scharnweber kritisiert, dass der Schwimmunterricht für die Flüchtlinge so schnell aufgegeben wurde.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. „Ich hatte mit den Betreuern den Schwimmunterricht für die Jungs organisiert. Doch als ich aus dem Krankenhaus kam, hörte ich, dass der abgebrochen wurde.“ Der 74-Jährigen lässt das keine Ruhe. „Ich will mir nicht irgendwann Vorwürfe machen müssen, weil vor meiner Haustür Flüchtlinge ertrinken wie in der Elbe.“

Marlen Scharnweber engagiert sich in der Willkommensinitiative Schilksee, hat mit Flüchtlingen ehrenamtlich Deutsch gelernt, einen Betrieb mit ihnen besichtigt, macht sich mit ihnen auf die Suche nach Praktikumsplätzen, ist für sie über Handy erreichbar. Ein besonderes Anliegen sind ihr die Jugendlichen, die allein nach Deutschland geflüchtet sind und nun in einer Betreuungseinrichtung direkt am Strand leben. „Sie haben die Ostsee direkt vor der Haustür. Schon im Dezember standen sie mit den bloßen Beinen im Wasser. Deshalb wurde der Schwimmunterricht organisiert. Und jetzt bei dem sommerlichen Wetter zieht sie das Wasser natürlich besonders an“, sagt die Mutter eines erwachsenen Sohnes, „aber sie überschätzen sich, halten sich mit Paddelbewegungen irgendwie über Wasser. Aber schwimmen können die meisten noch nicht.“

Der Abbruch lässt ihr keine Ruhe

Als die Jugendlichen Marlen Scharnweber erzählten, dass der Unterricht abgebrochen worden sei, war sie schockiert. „Ich habe das an mehreren Stellen zur Sprache gebracht, um Fortführung gebeten, aber leider vergeblich. Doch mir lässt das einfach keine Ruhe“, sagt die 74-Jährige. Zwar sei den Jugendlichen von den Betreuern verboten worden, zu baden. „Aber die Betreuer können ja nicht die ganze Zeit danebenstehen. Und in dem Alter und mit den Erlebnissen, die die Jugendlichen mit sich herumschleppen, werden Verbote ja nicht immer so ernst genommen.“

Bei der Stadt Kiel, die für die Betreuung der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge zuständig ist, bestätigt man, dass der Schwimmunterricht abgebrochen wurde. Einige der Jugendlichen hätten sich nicht an die Weisungen des Schwimmlehrers gehalten. Daraufhin hätten die Jugendlichen völlig zu Recht die Schwimmhalle verlassen müssen, schildert Jochen Schepp, Leiter der Kinder- und Jugendhilfedienste: „Nach meinen Informationen haben sie das Hausverbot als ungerecht empfunden und wollten anschließend nicht mehr zum Unterricht. Und wir können sie dazu nicht zwingen.“ Zudem sei der bisherige Zeitpunkt ungünstig für den Ablauf in der Jugendeinrichtung gewesen. Marlen Scharnweber kann das nachvollziehen. Es dürfe aber nicht dazu führen, dass das Projekt abgebrochen und das Ziel aufgegeben wird. „Zur Not muss der Schwimmunterricht verpflichtend werden.“

Einige Jugendliche sollen umziehen

Schepp teilt grundsätzlich die Überzeugung von Marlen Scharnweber: Alle unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge sollten schwimmen lernen. „In Kiel wollen wir das auch umsetzen. Wir benötigen dafür aber noch Schwimmlehrer und freie Zeiten in Schwimmbädern.“

Und wie geht es in Schilksee weiter? Dort überlegt man nun, ob ein Betreuer mit Dreiergruppen den Schwimmunterricht wieder aufnimmt. Darüber wäre auch Marlen Scharnweber froh. „Aber es bedeutet auch: Bis die Jugendlichen sicher schwimmen können, wird es noch dauern. Und der Sommer steht vor der Tür.“ Zumindest werden die jungen Flüchtlinge demnächst das verlockende Badewasser nicht mehr direkt vor der Nase haben: Sie sollen umziehen, die meisten auf das ehemalige MFG-5-Gelände nach Friedrichsort.

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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