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So vertreiben Kieler die Möwen

Seevögel So vertreiben Kieler die Möwen

Nein, von einer Möwenplage in Kiel könne man nicht sprechen. Sagt die Stadtverwaltung. Die Tiere gehörten nun einmal zu einer Stadt am Meer. Völlig anders sehen das Hausbesitzer, denen Dreck und Lärm der Möwen derzeit wieder mächtig auf die Nerven gehen.

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Revierkämpfe gibt es nicht nur unter Silbermöwen. Auch Hauseigentümer versuchen, mit den unterschiedlichsten Ideen ihre Immobilien vor Kot und Lärm zu schützen und die Vögel zu vergrämen. Doch das ist gar nicht so einfach.

Quelle: Volker Rebehn

Kiel. Die schärfste Waffe im Abwehrkampf ist Kreativität. Denn wenn sich die Vögel erst einmal auf Dächern eingenistet haben, genießen sie gesetzlichen Schutz.

Hoch in der Luft über dem Hermann-Kobold-Haus im Wissenschaftspark zieht ein Greifvogel seine Kreise. Was auf den ersten Blick wie ein Adler oder ein Bussard aussieht, stellt sich bei genauem Hinsehen als Attrappe heraus. Seit einigen Tagen dreht der Kunstvogel über dem Wissenschaftspark seine Runden – immer wieder um die gleiche Metallstange. „Mit der beweglichen Attrappe versuchen wir in diesem Jahr zum ersten Mal, Krähen und vor allem Möwen von unseren Dächern zu vergrämen, damit sie erst gar nicht anfangen, auf den Flachdächern zu brüten“, sagt Sven Jahnke, Geschäftsführer der Wissenschaftspark Kiel GmbH. Denn die Nester der Möwen seien meist sehr groß und verstopften die Abflüsse. „Aber wenn die Nester erst mal da sind, lassen wir die Vögel in Ruhe brüten“, stellt Jahnke klar.

Bislang sei der Hausmeister auf die Dächer gestiegen, um die Vögel vorher zu vertreiben. Doch die rächten sich dafür. „Gerade Möwen haben ein gutes Gedächtnis und griffen den Hausmeister sogar dann an, wenn er woanders auf dem Gelände unterwegs war“, erzählt Jahnke. Deshalb sei man in diesem Jahr auf die mechanische Variante umgestiegen. Ob der automatische Greifvogel auf die Möwen die erwünschte Wirkung hat, müsse sich allerdings noch zeigen.

Auch ein paar hundert Meter vom Wissenschaftszentrum entfernt läuft seit etwa zwei Wochen ein weiteres kurioses Pilotprojekt zur Möwenvertreibung. Auf den Flachdächern der Fakultätsblöcke der Universität an der Leibnizstraße zieht ein einsamer Rasenmäher-Roboter seine Bahnen. Zu kürzendes Gras gibt es hier zwar keins, dafür aber jede Menge Möwen, die die Maschine vom Nisten abhalten soll. „Die sitzen jetzt an der Dachkante, beobachten den Roboter und scheinen sich über ihr weiteres Vorgehen noch nicht ganz klar zu sein“, berichtet der der Projektleiter des CAU-Gebäudemanagement, Tim Lüdrichsen.

Auf die Idee dieses von Ornithologen der Uni begleiteten Experiments brachte Lüdrichsen ein Kollege, der den zweckentfremdeten, aber offenbar erfolgreichen Einsatz eines solchen Spezial-Rasenmähers auf dem Dach eines Krankenhauses beobachtete. Auch die ersten Ergebnisse des Versuchs auf den Uni-Flachdächern sind offenbar vielversprechend: „Bis jetzt hat dort noch keine Möwe gebrütet.“ Trotzdem sei ein massenhafter Einsatz der Roboter zur Möwenvergrämung eher unwahrscheinlich. Denn dafür gebe an der Uni zu wenig geeignete Flachdächer.

Zumindest einen ermutigenden Teilerfolg erzielte man auf dem flachen Dach des „Bauhaus“-Marktes an der Gutenbergstraße durch ein ganzes Bündel von Abwehrmaßnahmen. So schallen dort aus einer Lautsprecheranlage Geräusche von Greifvögeln. Zusätzlich verströmt ein Spezialgel in diversen Schüsseln einen Brandgeruch, der die Vögel ebenfalls abschrecken soll. Seitdem die Anlage vor eineinhalb Jahren installiert wurde, hat sich nach Einschätzung des Geschäftsleitungsmitglieds Marco Meisner die Lage zwar deutlich entspannt, was die Verschmutzung der Fassaden durch Möwenkot betreffe: „Ganz verschwunden sind die Vögel allerdings noch nicht.“ Laut Herstellerangaben sei dies aber auch nicht zu erwarten gewesen. Bis zu einer vollständigen Vergrämung könnten noch Jahre vergehen. Trotzdem habe sich die Investition, deren Höhe Meisner nicht beziffern konnte, auf jeden Fall gelohnt.

 Hilfe von der Stadt können die von Möwen genervten Hauseigentümer jedenfalls nicht erwarten. „Die Beeinträchtigungen sind hinzunehmen“, stellt der zuständige Stadtförster Stefan Bronnmann klar. Möwen gehörten nun einmal in die Natur und Landschaft des Nordens. Die Vergrämung der Tiere sei zwar möglich – allerdings nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt. „Sobald der Nestbau der Tiere beginnt, muss auch das unterbleiben.“ Wer dagegen verstoße, müsse mit einem kräftigen Bußgeld rechnen.

 Von Jürgen Küppers und Anne Steinmetz

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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