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Stürmischer Törn über den großen Teich

Segelprojekt Stürmischer Törn über den großen Teich

Auf dem Atlantiktörn macht er einen längeren Zwischenstopp in Kiel. Für den gebürtigen Kieler Philip Kersten ist Schilksee aber nur erster Endpunkt eines auf drei Jahre angelegten Segelprojekts.

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Philip und Corinna Kersten (links und 3.v.l.) beendeten den ersten Teil ihres dreijährigen Segeltörns in Kiel. In Schilksee machten sie mit ihrer „Tioga“ fest. Auf dem letzten Schlag von der Bretagne bis Kiel waren Thomas Kusch, die Amerikanerin Ellen Christie, Björn Hünermann und Alexander Vogel (von links) mit an Bord.

Quelle: Volker Rebehn

Kiel. Philip Kersten kennt Kiel bestens. Hier ist der 48-Jährige groß geworden und hat das Segeln als Junge in Schilksee und Strande von der Pike auf gelernt. Seit gut 20 Jahren lebt Philip Kersten mit seiner Frau Corinna auf Nahant nahe Boston im amerikanischen Bundesstaat Massachusetts, hat den Kontakt nach Kiel aber nie verloren. Hier leben seine Eltern, die er häufiger besucht. Mit dem eigenen Segelschiff ist er aber noch nie in seine Heimat gereist. Jetzt wurde die Landeshauptstadt erster Endpunkt eines auf insgesamt drei Jahre angelegten Segelprojekts.

Als die „Tioga“ am Steg im Schilkseer Hafen festmachte, hatten sich die dunklen Regenwolken verzogen. Wie auf Bestellung breitete sich die Sonne über die Kieler Bucht aus. Eltern, Verwandte und Freunde, auch aus früheren Zeiten, waren gekommen, um die sechsköpfige Crew zu begrüßen. Philip und Corinna sowie die Amerikanerin Ellen Christie und die Deutschen Thomas Kusch, Björn Hünermann und Alexander Vogel hatten die blaue Alden 44 auf der letzten Etappe vom englischen Cowes nach Kiel gesegelt. Die erste Besatzung der „Tioga“ mit Philip und Corinna und ihren Kindern Nick und Lauren sowie zwei amerikanischen Freunden war Mitte Juni von Nahant an der amerikanischen Ostküste aus Richtung Azoren gestartet.

An einem sehr langen Atlantiktörn mit Zwischenstopp Kiel, so erzählt Kersten kurz nach dem Einlaufen in Schilksee, habe er mental schon sehr lange gearbeitet. Kreuzte die Familie lange Jahre auf ihrem 30-Fuss-Boot vor allem in heimischen Gewässern, wurde das Vorhaben mit dem Kauf der 44-Fuss-Jacht „Tioga“ konkret. Nach Fahrten zu den Bermuda-Inseln und in die Karibik tüftelte der EDV-Fachmann akribisch an dem Großtörn. Jede einzelne Etappe wurde abgesteckt und die jeweiligen Besatzungen zusammengestellt. „So weiß jeder, wann und wo sein Törn startet und endet“, sagt der 48-Jährige. Fünf bis sieben Leute aus einem ungefähr 25-köpfigen Pool segelbegeisterter Kieler sowie weiteren Freunden aus Deutschland und der amerikanischen Wahlheimat seien jeweils an Bord. Verantwortlich für das Boot (und damit auch für die Kosten) sei er selbst. Extraanschaffungen wie eine Rettungsinsel, Navigations- und Sicherheitsausrüstung würden die Mitsegler bezahlen.

Auf der ersten Route zwischen Boston und den Azoren geriet die „Tioga“ in drei schwere Stürme mit Böen von 50 Knoten. Ehrfurchterregende Wellenberge bis zu 18 Metern Höhe hätten sich aufgetürmt. „Damit kommt schon Spannung auf“, schildert Philip Kersten diese Momente. Panik habe an Bord nicht geherrscht. Nur erfahrene Segler seien an Bord gewesen. Zum Glück, so erzählt er weiter, hätte man einen Raumschotskurs fahren können. Klar, dass am Schiff Einiges kaputtgegangen ist wie etwa Segel oder ein Trimmstag. Nicht in dem Sturm, aber auf dem letzten Schlag gegen den starken Ostwind von England über die Kanalinseln nach Kiel hat dann auch noch der Kühlschrank gestreikt.

Im Winterlager in Kappeln an der Schlei will Philip Kersten bei den Reparaturen mit anpacken, wenn er bei seinen Berufsreisen nach Holland Abstecher nach Kiel einlegt. Die „Tioga“ wird dann im Juni 2016 von Kiel aus über Dänemark, Schweden, Norwegen, Schottland, Irland und Portugal nach Gran Canaria segeln, wo das Schiff von Mitte September bis Weihnachten liegt. Ende Dezember geht es über Antigua und Bermuda zurück nach Boston. Am kommenden Sonntag kehren seine Frau Corinna und die beiden Kinder, die zuletzt ihre Eltern in Niedersachsen besucht hatten, in die USA zurück. Philip Kersten arbeitet ab Montag in Holland, bringt die „Tioga“ anschließend ins Winterlager und folgt seiner Familie am 7. September. Und auch das steht schon fest: Spätestens im kommenden Juni sind die Kerstens wieder in Kiel.

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