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Diese Fische duften nach Zitrone

Seifensprotten Diese Fische duften nach Zitrone

„Sprotte sucht Badezimmerbekanntschaft zum Einseifen.“ Was klingt wie eine Kontaktanzeige, ist augenzwinkernde Werbung für ein neues Kieler Produkt, das bei Einheimischen und Gästen gleichermaßen schäumende Begeisterung weckt: die Seifensprotte.

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Julia Gützkow (links) und Susanne Koch gießen die Seifensprotten und holen sie nach dem Abkühlen aus der Form.

Quelle: Jennifer Ruske

Kiel. Zitronig-frisch in Meeresblau und Bernsteingold erobert die Seife in Fischform den Markt.

 Glyzerinseife und ätherische Öle: Das steckt drin im Bauch der Sprotten. „Wir fügen der Mischung allerdings noch ein paar ungenannte Zutaten zu – ein bisschen Geheimnis muss sein“, erklären Christine Gribat und Matthias Polzer, die Erfinder der Seifensprotten, lachend. Kein Geheimnis jedoch ist, wie die 49-jährige Kommunikationstrainerin aus Preetz und der 50-jährige Grafiker aus Neumünster auf die originelle Idee mit den duftenden Waschbecken-Accessoires gekommen sind: „Ich wurde bei einem meiner Seminare von chinesischen Managern gefragt, was denn typisch für Kiel wäre, was sie ihren Lieben zu Hause mitbringen könnten“, erklärt Christine Gribat. „Und musste leider passen.“

 Flensburg hat den Rum, Schwartau die Marmelade, Lübeck das Marzipan – doch was ist mit Kiel? Na klar gibt es die Kieler Schokoladen-Sprotten, doch „wir verschenken beide lieber etwas Selbstgemachtes und liebevoll Verpacktes als eben Schokolade“, ist sich das Paar einig. Nichtsdestotrotz waren es die Schokosprotten und das Naschen ebendieser mit Blick auf die Ostsee, die die beiden Kiel-Fans 2013 zu ihren Seifensprotten inspirieren. „Wir haben schon früher Seife selbst gemacht“, erzählt Matthias Polzer, zuständig für Produktion und Entwicklung. In der heimischen Küche haben sie das inzwischen patentierte Rezept des reinen Naturproduktes immer weiter verfeinert und verbessert, bis es allen Anforderungen für Kosmetik in der EU entsprach. „Die erste Gussform haben wir mit Fimo selbst modelliert und per Hand Schuppen, Augen und Fischschwänze gestaltet. Jeder Fisch ist so ein Unikat geworden.“ Und das sieht man noch heute beim Gießen – auch wenn die Form heute aus Silikon besteht.

 Mit der Herstellung der duftigen Sprotten hat das Paar die Stiftung Drachensee beauftragt. „Uns ist die soziale, menschliche Komponente des Unternehmens wichtig“, erklärt Christine Gribat, zuständig für Marketing und Vertrieb. Insgesamt elf Mitarbeiter in den Werkstätten für Menschen mit Behinderungen fertigen nicht nur die Sprotten, sondern bauen auch die Schatzkästchen aus Holz, in dem der Sprotten-Sixpack Platz findet, und drucken die Banderolen drum herum.

 „Bei uns entsteht alles in Handarbeit“, erzählen Juliane Honigmann, Julia Gützkow, Susanne Koch und Robert Süßmeier, die die warme Seifenmixtur vorsichtig in jedes Förmchen gießen, per Hand mit Fischaugen versehen und nach dem Abkühlen noch liebevoll in 100 Prozent kompostierbares Cellophan verpacken. Die Herstellung sei am Anfang allerdings nicht ganz so einfach gewesen, verraten Fachleiterin Rebecca Kies und Betriebsleiter Bernd Huck: „Wir haben gemeinsam noch ganz schön getüftelt, damit die Seife am Ende klar bleibt und das Fischauge dort sitzen bleibt, wo es hingehört.“

 Weit mehr als ein Jahr lang haben die beiden Entwickler der „Sprattus Balticus Sapo“ an der Umsetzung ihres duftigen Urlaubsmitbringsels aus Kiel gearbeitet, für das sie Ende 2014 mit dem Umweltpreis der Kieler Stadtwerke ausgezeichnet wurde. „Von da an ging es richtig los.“ Aus dem Bundestag kam bereits eine Bestellung und die ersten Firmen haben schon Weihnachtsgeschenke geordert. Das freut nicht nur die Erfinder, sondern auch die Umwelt: Mit dem Verkauf einer jeden Seifensprotte gehen 0,10 Euro an das Projekt des BUND „Plastik – weniger ist Meer“. Denn die sauberen Meere – quasi der natürlich Lebensraum auch für Seifensprotten – liegen Christine Gribat und Matthias Polzer ebenso am Herzen.

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