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Am Ende gibt es nur Gewinner

Seniorpartner in School Am Ende gibt es nur Gewinner

Sie haben viel Lebenserfahrung, ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte von Schülern – und vor allem ganz viel Zeit: Rund 115 „Seniorpartner in School“ (SiS) sind landesweit als ausgebildete Schulmediatoren für den gleichnamigen Verein im Einsatz und leisten ehrenamtlich „Hilfe zur Selbsthilfe“.

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Mit Zeit und Lebenserfahrung Konflikte lösen: die Schulmediatorinnen Angela Lembke (links) und Ursula Freiwald-Möbius im Gespräch mit Schülerinnen.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Für die Bildung einer Regionalgruppe in Kiel mit Stützpunkt an der Lernwerft Club of Rome Schule in Friedrichsort sucht der SiS-Landesverband neue Mitstreiter über 55 Jahre, die ihr Berufsleben abgeschlossen haben und sich zutrauen, Schulkinder auf ihrem Weg zur eigenständigen Konfliktlösung zu begleiten.

 Für die meisten Schulkinder, egal welcher Altersgruppe, ist Schule viel mehr als nur ein Ort zum Lernen. Das soziale Umfeld im Mikrokosmos Schule ist für sie mindestens genauso wichtig wie Mathe oder Deutsch. Manchmal sogar wichtiger. Die Vokabeln wollen einfach nicht mehr in den Kopf, wenn man plötzlich von den vermeintlich besten Freundinnen ausgegrenzt wird, wenn man sich von den Lehrern ungerecht behandelt fühlt oder familiäre Sorgen mit in den Unterricht trägt. Zwar gibt es an vielen Schulen inzwischen Beratungslehrer oder Schulsozialarbeiter. Doch diese müssen mit ihrem knappen Zeitkontingent sparsam umgehen. „Für Schüler ist es außerdem total gut, wenn jemand zum Reden da ist, der vom System Schule total losgelöst ist“, sagt Andrea Görge, zuständige Koordinatorin an der Lernwerft Kiel. Sie sieht das Mediationsangebot der „Seniorpartner in School“ als „Insel im Schulalltag“. Und auch Schulleiter Gerrit Hauck ist davon überzeugt, dass „lebenserfahrene Menschen eher bereit sind, sich von Mustern und Theorien zu lösen“.

Auch viele Männer dabei

 Mit festgefahrenen Mustern haben die Schulmediatoren im Alter „55 plus“ tatsächlich nicht viel am Hut. Sie orientieren sich individuell an ihren jungen Klienten, wollen ihre soziale Kompetenz fördern und sie in schwierigen Lebenssituationen unterstützen – mit den Regeln der gewaltfreien Kommunikation. Bevor sie im Team zu festen Zeiten an einer Schule aktiv werden, absolvieren sie eine Basisausbildung von mindestens 80 Stunden. Ihr Zertifikat „Schulmediation“ erhalten sie erst nach eineinhalb Schuljahren und 20 Stunden Supervision und kollegialer Fallberatung. Fortbildungen zu Bildungsbegleitung oder Mobbing runden die Ausbildung ab.

 „Das ist eine ganz bunte Truppe, wir haben auch viele Männer dabei“, sagt Landesvorsitzende Barbara Knoth aus Satrup im Kreis Schleswig-Flensburg. „Gerade Jungen brauchen manchmal eher einen männlichen Gesprächspartner.“ Wichtig für die Schulen: Die Teams vertreten sich auch gegenseitig, wenn jemand wegen Urlaub oder Krankheit ausfällt.

Eigene Lösungsansätze finden

 Seit neun Jahren ist die 74-jährige pensionierte Lehrerin bei den „Seniorpartnern“ dabei. „Als Lehrerin hatte ich immer dieses Zeitproblem, jetzt kann ich endlich ganz in Ruhe für die Kinder da sein“, beschreibt Barbara Knoth den Reiz, den das Ehrenamt auf sie ausübt. „Und ich habe gelernt: Kinder setzen nur das um, was sie selbst als Lösung erarbeitet haben.“ Sie selbst habe durch die Arbeit als Schulmediatorin zu einem anderen Umgang mit der Familie gefunden. „Wichtig ist ein respektvoller, achtsamer Umgang“, sagt auch Vorstandsmitglied Angela Lembke aus Flensburg. „Entscheidend ist nur das Wort.“ 30 Jahre lang hat die heute 64-Jährige als Übersetzerin für die Europäische Kommission in Brüssel gearbeitet. Der Wunsch, nach ihren aktiven Berufsjahren ehrenamtlich mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, reifte da schon. „Ich will etwas von meinem Glück und meiner Zufriedenheit an andere abgeben.“

 „Zuhören, nicht beschimpfen, alles bleibt unter uns“: Die Grundregeln der – für die Kinder freiwilligen – Schulmediation geben Raum für eigene Lösungsansätze, auch Einzelgespräche sind möglich. Dabei ist es dem SiS-Landesverband wichtig, keine Konkurrenz zu den Lehrern aufzubauen, sondern Ergänzung und Entlastung zu sein. Auch die Grenzen sind klar: „Ich bin keine Therapeutin, sondern eine Seniorin, die zuhört und nach den Bedürfnissen des Kindes fragt“, betont Angela Lembke. Ende Februar startet der nächste Ausbildungsblock, danach könnte ein Team der „Seniorpartner in School“ an der Lernwerft starten – vorausgesetzt, es finden sich mindestens zwei weitere Kieler Seniorpartner. Bisher ist Ursula Freiwald-Möbius (72) die einzige Seniorpartnerin aus der Landeshauptstadt. „Ich hoffe, das ändert sich, denn es ist ja nicht nur ein Projekt für Schüler, sondern auch für Senioren.“

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Ein Artikel von
Carola Jeschke
Lokalredaktion Kiel/SH

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