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Grüne Oase mitten in der Stadt

Serie: Hinterhöfe in Kiel Grüne Oase mitten in der Stadt

Das klingt wenig einladend. Doch die Flächen hinter den Häusern haben oft viel Potenzial und werden zunehmend als Lebensraum entdeckt. Mit dem heutigen Artikel starten wir in unsere Serie "Kieler Hinterhöfe".

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Von oben sieht man die Unterschiede zwischen den Höfen.

Quelle: Frank Peter

Hinterhof. Wie vielfältig Kieler ihre Höfe gestalten und nutzen – das zeigt die Serie „Hinterhof-Geschichten“. Denn hinter vielen Häuserfronten verbergen sich oft unerwartet lauschige Plätzchen, kleine Unternehmen oder Orte der Begegnung.

Als Ralf und Cindy Neu vor 29 Jahren das Haus in der Jeßstraße kauften, da hatte der Hinterhof nur eine Funktion: Er war das Zuhause der Mülltonnen. Das ist er heute immer noch. Doch er ist noch viel mehr: Der kleine Hof ist das Freiluft-Wohnzimmer der ganzen Familie geworden. Cindy Neu wollte nicht an die Peripherie von Kiel ziehen. Sie wollte mitten in der Stadt gut leben: mit kurzen Wegen und mit einer Ruhe-Oase. Mit Gartengefühl und hohem Freizeitwert und – wichtig – wenig Arbeit. Der Hof hinter dem Mehrfamilienhaus hatte zwar all das nicht und war mit 80 Quadratmetern zudem mehr als übersichtlich. Doch das Paar war sich einig: Daraus lässt sich etwas machen.

Zuerst Sankasten und Schaukel

„Als andere junge Familien in Einfamilienhäuser zogen, haben wir mitten in der Stadt ein Haus im Haus gebaut“, erzählt Ralf Neu. So wurde von der Erdgeschosswohnung ein Durchbruch zum Keller für die Sauna und in den ersten Stock für mehr Platz geschaffen. Und von Anfang an wurde überlegt: Was wird aus dem Hof? Als Erstes wurde vom Balkon eine Treppe direkt in den Hof gebaut. Der war, von den Hinterhöfen der Nachbarhäuser durch eine Mauer getrennt, mit gelben Ziegeln zugepflastert. „Die Klinker sind so alt wie das Haus, 111 Jahre, und ihre Unregelmäßigkeiten zeugen von all den Generationen, die diesen Boden schon betreten haben. Das wollten wir unbedingt bewahren“, sagt Neu.

Die erste Nutzungsphase war durch den Nachwuchs bestimmt. „Zuerst hatte ich Sandkasten und Schaukel, später hat mein Vater ein Netz gespannt, und der Hof war unser Bolzplatz“, sagt Yannick Neu (28). Das Beste daran: Der Bolzplatz war verkehrssicher, keine Selbstverständlichkeit bei dem Verkehr im Viertel. Und die Toleranz gegenüber spielenden Kindern war damals auch noch groß...

Mit dem Aufwachsen des Sohnes änderte sich auch der Charakter des Hofes. Eine Pergola, dicht bewachsen mit Clematis und Efeu, teilt nun den Hof und schützt die Familie vor den Blicken der Mieter, wenn diese den Müll zu den Tonnen bringen. Wo einst die Tonnen standen, wurde ein kleines Beet mit Blumen und Fliederstrauch angelegt – Rückzugsort und Futterquelle für Vögel und Insekten. Die Tonnen rückten näher an die Tür zum Hausflur: Dazu wurde eine alte Grube „überdacht“. Unten lagert jetzt das Kaminholz, oben stehen die Tonnen.

Und die Arbeit?

Der hintere, geschützte Teil des Hofes hat zwei Nutzungszonen – einen großen Essplatz, beliebter Treffpunkt für Familie und Freunde. Und einen Ruheplatz mit zwei Liegen, Beleuchtung und dem leisen Plätschern eines kleinen Brunnens. „Zur optischen Abgrenzung habe ich dort die Ziegel gegen Rheinkies ausgetauscht. Aber die Ziegel habe ich natürlich aufbewahrt“, sagt Ralf Neu und berichtet von der regen Nutzung des sonnigen Hofes und dem fast südländischen Flair, wenn aus den Nachbarhäusern die Alltagsgeräusche in den Hof getragen werden.

Und die Arbeit? „Die Blumen in den Töpfen und das kleine Beet sind pflegeleicht. Nur das Graszupfen zwischen den Klinkersteinen macht Arbeit. Aber Chemie wollen wir hier im Hof nicht“, sagt Neu. Der 57-Jährige findet es schade, dass viele Höfe nur als Stellplatz für Mülltonnen und Räder genutzt werden. „Es wäre schön, wenn sich mehr Menschen kleine Oasen in den Höfen schaffen würden. Es muss nicht teuer und aufwändig sein. Man muss einfach anfangen. Alles andere entwickelt sich.“

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