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Auch der letzte Chef ist auf Jobsuche

Serie zum Marinearsenal Auch der letzte Chef ist auf Jobsuche

Die Ära des Marinearsenals in Kiel endet. Einer, der für die Abwicklung des Betriebs verantwortlich ist, ist Frank Bernhardt. "Und dabei gibt es noch einiges zu tun", sagt der Elektrotechniker.

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Frank Bernhardt ist seit 1986 bei der Bundeswehr. Der Rheinländer kam 2010 zum Kieler Arsenalbetrieb, den er jetzt auflösen muss.

Quelle: Frank Behling

Kiel. Neun Bilder hängen an der Wand im vierten Stock des Direktionsgebäudes des Marinearsenalbetriebs Kiel. Es sind die Bilder der Direktoren, die seit dem 20. Juni 1957 den Kieler Betrieb führten. „Diese Ära wird nun beendet“, sagt Frank Bernhardt und geht an den Bildern entlang. Seit Juni 2014 leitet der 48-Jährige den Betrieb in Ellerbek und betreut die verbliebenen 230 Mitarbeiter, die dort noch ihren Arbeitsplatz haben.

Die Liste der Direktoren endet am 30. März 2013. An dem Tag ging Hans-Wilhelm Rahn mit 65 in den Ruhestand. Der gebürtige Rendsburger hatte bis zum letzten Tag gegen die Entscheidung zur Schließung gekämpft. „Ich halte sie für falsch“, sagte Rahn noch am Tag des Abschieds. Doch der Wille des damaligen Verteidigungsministers Thomas de Maizière war stärker. Von den beiden Arsenalstandorten blieb nur Wilhelmshaven übrig. Die Marine wurde nicht gefragt. Diesem Willen hat sich Bernhardt jetzt zu fügen und wickelt den Betrieb ab. „Und dabei gibt es noch Einiges zu tun“, sagt der Elektrotechniker. Nächstes Jahr ist er 30 Jahre bei der Bundeswehr. Angefangen hat der Rheinländer als Soldat bei der Luftwaffe. Danach wechselte er in den zivilen Bereich der Rüstung, studierte und stieg auf. 2010 führte ihn der Weg nach Kiel ins Marinearsenal. Die Perspektive war gut: Ein neues Dock war bestellt, die Kaianlagen gerade saniert und ein Teil der Werkstätten von Grund auf erneuert.

 Doch die Investitionen waren kein Freibrief für die Zukunft. Mehr als 40 Millionen Euro waren dort verbaut worden. Die in zwei Bauabschnitten erneuerte 400 Meter lange Kaikante bekam 230 neue Pfähle und wurde runderneuert. Auch viele Gebäude und Hallen wurden saniert. „Hier wird die Bundeswehr auch zukünftig bleiben“, sagt Bernhardt – in Zukunft allerdings unter der Flagge der Wehrtechnischen Dienststelle 71 aus Eckernförde. Die Dienststelle, von der Frank Bernhardt 2010 nach Kiel wechselte.

 Sein berufliches Schicksal steht auch noch in den Sternen, einen neuen Dienstposten gibt es noch nicht. „Vorerst bleibe ich hier“, sagt er. Sein Türschild wird sich aber ändern. Der Termin der Außerdienststellung am 31. Dezember 2015 war 2011 durch das Ministerium festgesetzt worden. Wenn jetzt am Donnerstag um 10 Uhr der Präsident des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr den Arsenalbetrieb in Kiel bei einem Zeremoniell außer Dienst stellt, geht dort keineswegs das Licht aus. „Es wird hier kein Mitarbeiter entlassen. Für alle wird nach einer neuen Verwendung gesucht“, sagt Bernhardt. Viele Arbeitsplätze bleiben auch erhalten.

 Das gilt auch für einen Teil der Werkstätten. Die Betreuung der U-Boot-Sehrohre sowie Lager und Labore sollen auch weiterhin genutzt werden. Offiziell ist die Betreuung der Marine zwar beendet, doch ein Auftrag wird noch abgewickelt. Die Marine Litauens bekommt für vier Schnellboote neue Kanonen. Die aus Dänemark übernommenen Waffensysteme werden von den Technikern des Marinearsenals modernisiert.

 Außerdem werden im Arsenal in den Hallen viele Dinge eingelagert. Daneben sammeln sich im Hafen ausrangierte Einheiten der Marine. Das Minenjagdboot „Passau“, das Minensuchboot „Hameln“, der Tanker „Ammersee“ und einige Minenabwehrdrohnen des Typs „Seehund“ liegen bereits dort. Und es kommen weitere dazu. Am Montag wurden in Warnemünde die Schnellboote „Puma“ und „Wiesel“ außer Dienst gestellt. Morgen holt die Besatzung im Tirpitzhafen die Flagge auf dem Minensuchboot „Auerbach“ ein. Und auch das Wahrzeichen des Arsenals, der Schwimmkran „Hiev“, steht zur Außerdienststellung an. Die ausrangierten Einheiten sollen im Arsenal in Ellerbek aufgelegt werden.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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Foto: Dieses Bild zeigt den Dockhafen mit allen Docks und Hebepontons in der ursprünglichen Zusammensetzung.

Die Uhr tickt: Am 31. Dezember endet offiziell die Ära des Marinearsenals der Bundeswehr in Kiel. Dann gibt es nach mehr als 150 Jahren für die deutsche Marine an der Ostsee keinen eigenständigen Instandsetzungsbetrieb mehr.

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