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Die Spezialisten machen weiter

Serie zum Aus für das Marinearsenal Die Spezialisten machen weiter

Kiel ist heute das deutsche Kompetenz-Zentrum für U-Boote. Die führende deutsche Bauwerft für Unterseeboote ist hier, und ein Großteil der Zulieferer sind rund um die Kieler Förde angesiedelt. Die Fülle an Know-how sorgt dafür, dass auch nach der Schließung des Marinearsenalbetriebs dort weiterhin U-Boote festmachen werden.

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„Wir haben genug zu tun“: Martin Franz ist seit über 30 Jahren im Marinearsenal beschäftigt und mit den Sehrohren bestens vertraut.

Quelle: Frank Behling

Kiel. Neben Liegeplätzen und einer U-Boothalle für das Auswechseln der Sehrohre wird auch die Spezialwerkstatt dort erhalten bleiben. „Wir haben genug zu tun“, sagt Martin Franz. Die modernen Sehrohre der U-Boote der Klasse 212A sind nicht mehr nur etwas Rohr mit Prismenoptik und Hydraulik. „Das sind sehr komplexe und technologisch sehr hochentwickelte Systeme“, sagt der Techniker und zeigt auf einen Apparat, der die Größe einer Mülltonne hat und vollgestopft ist mit Platinen, Kabeln und feinster Mechanik. „Es handelt sich bei einem Sehrohr um das Auge des Bootes. Davon hängen Leben ab“, sagt Franz. Entsprechend penibel ist seine Arbeit.

Martin Franz bewarb sich 1984 um einen Ausbildungsplatz zum Feinmechaniker – mit Erfolg. Am 1. September 1984 durfte der gebürtige Kieler in der Lehrwerkstatt des Arsenals beginnen. Nach der Gesellenprüfung im Januar 1988 erfolgte die Übernahme in die Sehrohrwerkstatt. „Da bin ich geblieben und habe es nie bereut“, sagt er freudestrahlend. Auf der „Kundenseite“ hat sich seitdem viel geändert. Die Zahl der U-Boote der Bundesmarine lag 1984 noch bei 24. Wartung und Reparatur von 24 Sehrohren war damals aber schon fordernd. Heute hat die Marine zwar nur noch sechs U-Boote. Doch dafür hat ein modernes Sehrohr von heute wesentlich mehr „Innenleben“. Elektronische und optronische Komponenten wie Nachtsichtgeräte oder Messgeräte für die Beobachtung der Überwasserwelt liefern dem U-Bootkommandanten eine Fülle von Informationen.

Immer dann, wenn ein U-Boot bei der Werft ThyssenKrupp Marine Systems in die Überholung kommt, werden die Sehrohre zusammen mit den anderen Ausfahrgeräten demontiert und zur Überholung geschickt. „Das ist auch heute noch viel Handarbeit“, sagt Franz. Die Suche nach Fehlern oder die Reparatur sind dabei nur eine Aufgabe. Die wesentlich wichtigere Aufgabe ist die Überprüfung. „Da es sich hier um Einzelanfertigungen handelt, mussten wir uns auch etwas einfallen lassen“, sagt Franz. Ein Beispiel ist die Grundplatte zum Überprüfen der Genauigkeit der Reparatur. „Die haben wir hier selbst gebaut. So etwas gibt es sonst nirgendwo auf dem Markt zu kaufen“, sagt Franz. Besonders eng ist auch die Zusammenarbeit mit den Herstellern der Sehrohre. „Wir haben hier natürlich in unserem Team einen unglaublichen Erfahrungsschatz und über die Jahre auch ein Wissen gesammelt, das es auch bei den Herstellern nicht gibt“, sagt Franz. Natürlich haben sich in all den Jahren auch kuriose Dinge angesammelt. So hängen in einer Halle zwei alte Sehrohre an der Wand. Beide sind oben abgeknickt, nachdem die U-Boote bei der Fahrt auf Sehrohrtiefe durch andere Schiffe überlaufen wurden. Dabei wurden die Sehrohre abgeknickt. Aus den Anfängen der Sehrohrwerkstatt stammt auch das Lieblingssehrohr von Martin Franz. „Es ist das C14 von ,Hans Techel’. Das ist noch pure Mechanik“, sagt Franz.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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