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„Verurteilen sie mich doch einfach!“

Serieneinbrecher-Prozess „Verurteilen sie mich doch einfach!“

15 Einfamilienhäuser überwiegend zwischen Kiel, Rendsburg, Bordesholm und Neumünster sollen die beiden Albaner im letzten Quartal 2015 und im Januar 2016 heimgesucht haben, bevor sie in U-Haft kamen. Am Montag begann im Kieler Landgericht ihr voraussichtlich fünftägiger Strafprozess mit Hindernissen.

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Der Prozess gegen die Serieneinbrecher begann mit einer eher genervten Reaktion eines der Angeklagten.

Quelle: dpa

Kiel. Die 21 und 27 Jahre alten Angeklagten sind mutmaßliche Komplizen jenes Heranwachsenden, der im Dezember bei einem spektakulären Hubschraubereinsatz im Stadtteil Friedrichsort festgenommen worden war. Wie berichtet wurde der 20-Jährige vor zwei Wochen unmittelbar nach seiner Verurteilung durch ein Kieler Jugendschöffengericht in seine Heimat abgeschoben. Erste Verständigungsversuche im Prozess gegen seine älteren Landsleute liefen ins Leere: Zu weit auseinander klaffen die Vorstellungen der Staatsanwaltschaft, die Freiheitsstrafen bis zu dreieinhalb Jahre fordert, und der Verteidigung, die als Gegenleistung für Geständnisse auf Bewährung besteht.

Die 1. Große Strafkammer hat bereits Farbe bekannt: Sollten sich die Vorwürfe erhärten, komme Bewährung schon wegen ihrer Vielzahl nicht in Betracht. Auch die Höhe des Schadens spreche für Freiheitsstrafen über zwei Jahre.

Allein beim vorweihnachtlichen Einbruch in ein Haus in Tarp fielen den Tätern Bargeld und Schmuck im Wert von 23500 Euro in die Hände. Die Tat betrifft nur den jüngeren Angeklagten, der mit unbekannten Mittätern eingestiegen sein soll. Zwei Tage vor Heiligabend fanden sie Goldbarren, Sammlermünzen, Brillantringe, Uhren und schwere Goldpanzerketten. Nun drücken die hohen Werte die Straferwartung nach oben. In den meisten anderen Häusern fiel die Beute weit bescheidender aus. Oft blieb es auch nur beim Versuch. So wurde das Duo, das laut Anklage von einer Flüchtlingsunterkunft bei Preetz zu den Diebestouren aufbrach, von Nachbarn gestört, als es am 28. Dezember in Jevenstedt in einen Wintergarten eingebrochen war. Die Täter flüchteten. Und passierten ungeschoren eine Polizeikontrolle, die noch nichts von dem frischen Einbruch wusste.

Zweimal vom Tatort vertrieben

Kurz vor ihrer Festnahme standen die Einbrecher am 7. Januar in einem Haus in Kiel-Pries plötzlich vor zwei großen Hunden. Rückzug war auch angesagt, als sie in einer Ferienhaussiedlung in Löptin plötzlich eine Bewohnerin mit ihren Taschenlampen anstrahlten. Die geschockte Zeugin schrie laut nach der Polizei und konnte die Eindringlinge vertreiben.

Gestern kam der Prozess mit zweistündiger Verzögerung in Gang, weil den Angeklagten nur eine Übersetzung der Tatvorwürfe in einem nordalbanischen Dialekt vorlag. Der Ältere stammte aus dem Süden und benötigte laut Verteidiger unbedingt eine eigene Übersetzung. Der 27-Jährige, der sich die Tatvorwürfe von einem Mitgefangenen längst übersetzen ließ, schien eher genervt vom sprachwissenschaftlichen Exkurs. „Stimmt sowieso nicht, was da drin steht!“, ließ er die Dolmetscherin übersetzen. „Verurteilen sie mich doch einfach und lassen mich in Ruhe!“

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Serieneinbrecher
Foto: Sogar mit einem Eurocopter hatte die Bundespolizei Ende 2015 nach den albanischen Tätern gefahndet. Bei der spektakulären Aktion war auch der nun verurteilte 20-Jährige festgenommen worden.

Mit einem Hubschraubereinsatz hatte die Polizei kurz vor Weihnachten 2015 albanische Einbrecher verfolgt. Auf frischer Tat wurde dabei auch der 20-Jährige festgenommen, den das Jugendschöffengericht am Mittwoch zu einer Bewährungsstrafe verurteilte. Noch am Nachmittag folgte die Abschiebung.

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