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Service nach Sonnenuntergang

Flüchtlingsunterkünfte Service nach Sonnenuntergang

Mit Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan haben am Montag auch in Kiel viele gläubige Muslime ihren Alltag umgestellt. In den Flüchtlingsunterkünften des Landes sind nicht nur Mitarbeiter und Betreuer für diese spezielle Zeit sensibilisiert worden.

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Für das nächtliche „Frühstück“ vor Sonnenaufgang packen Kathrin Brant-Fahrenholz, Hayet Meziane, Silke Voigt und Bettina Lübker-Voss (von links) in der Küche Tüten mit Fladenbrot, Obst, Honig, Oliven, Gurke, Käse und anderen Lebensmitteln, die den Gläubigen eine gute Grundlage für den langen Fastentag liefern.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Bis zum Zuckerfest am 6. Juli dürfen sie von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts essen und trinken. Die Kantinen bieten eigene Öffnungszeiten und Speisen für die Fastenden an – in der Erstaufnahmeeinrichtung auf dem Kieler Nordmarksportfeld sogar bis 23 Uhr.

Nach Angaben von Magdalena Drywa vom Landesamt für Ausländerangelegenheiten fasten etwa ein Drittel der Bewohner. Sie sollen auch in den Einrichtungen die Möglichkeit haben, die Regeln des Ramadan einzuhalten. „Wir haben das mehrere Wochen vorbereitet und auch an die Caterer kommuniziert“, sagt Drywa. Diese hätten die vertragliche Auflage, während des Ramadan spätere Öffnungszeiten, eine separate Ausgabe für Fastende sowie bestimmte Speisen zum spätabendlichen Fastenbrechen anzubieten. Außerdem würden auch Frühstückspakete für das Essen vor Sonnenaufgang ausgegeben. „Die Bewohner, die fasten wollen, haben eine besondere Kennzeichnung in ihrem Hausausweis, damit sich die Küche besser darauf einstellen kann.“ Die Menschen seien „sehr dankbar“ für dieses Angebot.

 Für das Küchenteam des Hamburger Caterers Alsterfood, der die Kantine am Nordmarksportfeld betreibt, bedeutet die Regelung eine Verschiebung des Schichtplans. Von 17 bis 19 Uhr ist die Kantine für das normale Abendessen geöffnet. Während des Fastenmonats Ramadan öffnet sie erneut von 21.45 bis 23 Uhr und bietet neben den vorbereiteten warmen Mahlzeiten auch ein Büfett mit Datteln, Oliven, Salat und Schafskäse an. „Das sind klassische Speisen zum Fastenbrechen, die den Magen nach der langen Pause auf die Nahrungsaufnahme vorbereiten“, sagt Susanne Meier, Objektleiterin von Alsterfood. Das Ramadan-Essen besteht in der Regel aus vier Gängen, beginnend mit Suppe und zwei Hauptgängen. „Anschließend wird meistens gebetet und dann kommt eine Süßspeise als Abschluss“, erzählt Köchin Silke Voigt. Sie und ihre Kolleginnen bereiten täglich 33 Ramadan-Menüs für die Fastenden der Einrichtung am Nordmarksportfeld vor, 41 Essen gehen in die Landesunterkunft am Niemannsweg.

 Trotz der verschobenen Zeiten komme das Team mit zwei Schichten und je zwei Mitarbeitern pro Schicht aus. Zum Frühstück sei ja nur ein Teil der Bewohner anwesend. „Wir bleiben flexibel“, betont Leiterin Susanne Meier. Da der Ramadan gerade erst angefangen habe, müsse man sehen, wie die späten Essenszeiten angenommen würden. Frühstück gibt es bereits um drei Uhr, rechtzeitig vor Sonnenaufgang gegen fünf Uhr. Dafür erhalten die Fastenden schon am Abend eine Tüte mit Fladenbrot, Käse, Gurken und mehr – eine gute Grundlage für einen langen Fastentag.

 Die brauchen die Gläubigen im Norden Europas unbedingt, denn der späte Sonnenuntergang gegen 22 Uhr und die langen, hellen Tage machen das Fasten besonders schwer. „Aus dem Grund haben wir das medizinische Personal darauf vorbereitet, dass es gerade bei Hitze vermehrt zu Kreislaufproblemen kommen kann“, sagt Magdalena Drywa. Viele Fastende seien erschöpft und schliefen viel. Spezielle Gebetsräume für sie gebe es nicht. „Unsere Gebetsräume sind für alle da.“

 In den städtischen Unterkünften gibt es keine Kantinen. Die Menschen seien Selbstversorger und würden den Ramadan individuell gestalten, sagte ein Sprecher der Landeshauptstadt.

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Ein Artikel von
Carola Jeschke
Lokalredaktion Kiel/SH

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