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Ermittler haben erste Spur

Sexualverbrechen in Kiel Ermittler haben erste Spur

Nach der Reihe schwerer Sexualstraftaten gegen junge Frauen im Kieler Stadtteil Wik sprechen Staatsanwaltschaft, Polizei und Opferschutz von einem neuen Phänomen. Oberstaatsanwältin Birgit Heß bestätigte am Montag, zwei Opfer hätten in Vernehmungen bei der Polizei ausgesagt, von drei Tätern angegriffen worden zu sein.

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Birgit Heß, Oberstaatsanwältin in Kiel: „Mit Hilfe des Opfers der Vergewaltigung wurde ein Phantombild erstellt, das demnächst veröffentlicht wird.“

Quelle: Rainer Pregla

Kiel. Im dritten Fall, einer versuchten Vergewaltigung Anfang Januar, hatte das Opfer gegenüber dem Weißen Ring von einem Täter-Trio gesprochen. Eine Strafanzeige liegt der Polizei bislang hier aber nicht vor. Die Ermittler haben inzwischen Hinweise auf eine weitere Geschädigte, die im Dezember vergangenen Jahres im Kieler Stadtgebiet angegriffen worden sei.

Nähere Hintergründe kann Heß noch nicht nennen, allerdings sollen auch in diesem Fall drei Männer beteiligt gewesen sein. „Bei den bislang vorliegenden Fällen haben die Geschädigten die potenziellen Täter als Südländer bezeichnet, die zwischen 1,70 und 1,85 Meter groß und zwischen Anfang 20 und Mitte 30 sein sollen“, sagt die Oberstaatsanwältin. Rückschlüsse auf konkrete Tätergruppen gebe es nicht.

Ähnlicher Fall in Neumünster

Nach der Vergewaltigung einer jungen Frau in der Wik haben die Ermittler jetzt eine erste Spur. Hatte die Polizei bislang von einem „einige Wochen alten Fall“ gesprochen, erklärte die Oberstaatsanwältin am Montag, dass sich die Straftat bereits Ende September 2015 ereignet habe. Das Opfer war abends unweit der Holtenauer Straße überfallen, in eine Wohnung verschleppt und missbraucht worden. Nach der Tat konnten DNA-Spuren gesichert werden. Ergebnisse der LKA-Analyse liegen jetzt vor. Mit Hilfe des Opfers konnten Phantombilder der Täter erstellt werden. Laut Heß sollen die Ergebnisse „demnächst“ veröffentlicht werden. Unterdessen haben sich erste Zeugen des Übergriffes auf eine 20-Jährige am vorvergangenen Sonntag bei der Polizei gemeldet.

Die Polizei in Neumünster verfolgt einen ähnlichen Fall: Am Sonntag gegen 6.15 Uhr war eine 17-Jährige auf dem Weg zur Arbeit von drei Männern bedrängt worden. Ein Täter wird als „deutsch“ aussehend beschrieben, ein weiterer als „südländisch“. Alle sollen etwa 20 Jahre alt sein.

Neue Form dieser Straftat

Dass Täter in Gruppen Sexualstraftaten begehen, hat es laut Heß in der Vergangenheit sowohl bei deutschen als auch bei ausländischen Männern schon gegeben. Meist spielten sich diese aber im privaten und häuslichen Umfeld ab. Neu an den Kieler Verbrechen sei, dass die Täter sich gemeinschaftlich im öffentlichen Raum ein für sie fremdes Opfer suchen, sagt die Oberstaatsanwältin.

Martin Lämmerhirt vom Weißen Ring in Kiel wird noch deutlicher: „In meiner 29-jährigen Tätigkeit erlebe ich diese Form von Sexualstraftaten zum ersten Mal.“

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Ein Artikel von
Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

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Foto: Ein nachdenklicher Innenminister: Stefan Studt warnte davor, Zuwanderer unter Generalverdacht zu stellen. Straftaten müssten aber mit aller Entschiedenheit verfolgt werden, „egal aus welchem Umfeld die Täter stammen“.

Die Sexualstraftaten gegen junge Frauen im Kieler Stadtteil Wik beschäftigen jetzt die Landespolitik. Auch Innenminister Stefan Studt (SPD) äußerte sich am Dienstag erstmals zu den Vorfällen, die er „sehr ernst“ nehme. Studt versprach, dass die Polizei umfassend und transparent über die Ermittlungen informieren werde.

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