20 ° / 16 ° Regenschauer

Navigation:
Experten warnen vor Vergiftung

Shisha-Bars in Kiel Experten warnen vor Vergiftung

Das Rauchen von Wasserpfeifen wird immer beliebter, allein in Kiel gibt es mindestens 14 Shisha-Bars. Doch die Luft in diesen Läden ist gefährlich: In mehreren deutschen Städten erlitten Gäste bereits schwere Kohlenmonoxid-Vergiftungen. So ein Fall ereignete sich jetzt auch in Kiel.

Voriger Artikel
Schüler machen sich über Fächer schlau
Nächster Artikel
Schleichendes Gift aus der Pfeife

Die Luft in Shisha-Bars enthält häufig giftiges Gas.

Quelle: Patrick Lux / dpa

Kiel. Vor wenigen Tagen ist es auch in Kiel zu einem Zwischenfall gekommen, als Rettungskräfte zu einem Einsatz in eine Shisha-Bar gerufen wurden. Dort war die Kohlenmonoxid-Konzentration der Raumluft so hoch, dass die Warnmelder der Sanitäter anschlugen.

Der Sprecher der Berufsfeuerwehr, Michael Krohn, bestätigt den Zwischenfall. Kohlenmonoxid-Warnmelder tragen die Rettungskräfte bei allen Einsätzen am Körper, um sich selbst zu schützen. Denn das Gas CO ist extrem giftig, es kann leicht über die Lunge aufgenommen werden, zu Bewusstlosigkeit und bis zum Tod führen. Nicht nur das aktive Rauchen der Pfeifen birgt diese Gefahr, sondern schon der bloße Besuch einer Shisha-Bar. Dabei ist das Gas besonders tückisch: Man kann es weder sehen, riechen noch schmecken, es verursacht auch keine Schmerzen.

Die Warnung von Fachleuten ist eindringlich. „Bei Wasserpfeifen besteht wegen der damit verbundenen unvollständigen Verbrennung von Kohle eine erhebliche Vergiftungsgefahr mit Kohlenmonoxid“, sagt Biochemiker Dr. Frank Henkler vom Institut für Risikobewertung in Berlin. Das Gas verbreite sich in den Räumen und könne auch von Menschen eingeatmet werden, die nicht direkt die Wasserpfeifen rauchen. Unter anderem war es 2015 in Hamburg, Köln und Berlin zu Notfällen gekommen. Dort brachen Gäste bewusstlos zusammen und mussten wegen akuter Vergiftungen klinisch in Druckkammern behandelt werden.

 Der Vorfall in Kiel spielte sich in einer der ältesten Shisha-Bars des Landes in der Hamburger Chaussee ab. Laut Feuerwehr kam es dort am 13. März zu einer Rangelei, bei der ein Mann eine Kopfplatzwunde davontrug. „Die Rettungskräfte trafen ein und versorgten den Mann. Während des Einsatzes ertönte das Warnsignal der CO-Melder, die jede Rettungswagen-Besatzung am Gürtel mitführt.“ Zwischen der Verletzung und der CO-Vergiftung gebe es keinen Zusammenhang, betonen Stadt und Feuerwehr. Eine Evakuierung des Lokals hat es offenbar nicht gegeben. Stattdessen wurde „aufgrund der geringen CO-Konzentration, der Tatsache, dass im weiteren Verlauf die Warngeräte nicht mehr anschlugen und insbesondere des nicht Vorhandenseins weiterer Hinweise auf eine schädliche Atmosphäre, schnell Entwarnung gegeben“.

 Als Berufsfeuerwehr und Ordnungsamt das Lokal später unter die Lupe nahmen, stellten sie fest, „dass alle sicherheitsrelevanten Forderungen an eine Gaststätte mit Shisha-Angebot erfüllt waren“. Dem Betreiber wurde allerdings auferlegt, seine Räume mit CO-Warnmeldern nachzurüsten. Eine landesweite Pflicht zum Einbau der Geräte gibt es nicht.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Karen Schwenke
Lokalredaktion Kiel/SH

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Kieler Förde

Schiffspositionen in
der Kieler Förde, dem
NOK und der Ostsee.

Anzeige
Mehr zum Artikel
Kommentar

Die etablierte Meinung gegenüber weichen Drogen ist in Deutschland so eindeutig wie einfältig: Alkohol wird akzeptiert, Zigaretten werden geduldet, Cannabis wird abgelehnt. Bei den Wasserpfeifen hingegen ist das Meinungsbild diffuser.

  • Kommentare
Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3