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Schleichendes Gift aus der Pfeife

Shishas Schleichendes Gift aus der Pfeife

Der Fall erhöhter Giftgaskonzentration in einer Kieler Shisha-Bar kommt für die Verantwortlichen bei Stadt und Feuerwehr nicht unerwartet, und doch wirft er Probleme auf. Denn der Verwaltung fehlt der Überblick, in welchen Lokalen der Stadt überhaupt Wasserpfeifen zum Rauchen angeboten werden.

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Der Rauch in Shisha-Bars kann gefährlich sein.

Quelle: Arne Dedert / dpa

Kiel. Um eine konventionelle Wasserpfeife zuzubereiten, bedarf es nicht nur eines feuchten Tabaks, sondern auch glühender Kohle. Diese wird zunächst auf einer Feuerstelle angezündet, später auf die Wasserpfeife gelegt. Dort verschwelt die Kohle, um den Tabak zu erhitzen. Ein Prozess, bei dem je nach Verbrennung Kohlenmonoxid in unterschiedlicher Dosis abgegeben wird. Mit fatalen Folgen: Atmet man das farb-, geschmacks- und geruchsneutrale Gas ein, „kann es in kurzer Zeit zu einem lebensbedrohlichen Sauerstoffmangel kommen“, erklärt der Kieler Lungenfacharzt Dr. Kurt Löck. Denn Kohlenmonoxid blockiere den roten Blutfarbstoff, der für den Sauerstofftransport zuständig ist, für mehr als zehn Stunden.„Die Vorstellung, Shisha ermögliche ein sauberes Rauchen, ist völlig falsch.“

In den Shisha-Bars können daher „erhebliche Gefahren für die Gesundheit von Gästen und Beschäftigten entstehen“, heißt es auch in einem städtischen Infoblatt, verfasst von der Feuerwehr vor gut einem halben Jahr. Und weiter: „Besonders gefährlich ist, dass es keine vorzeitigen Anzeichen wie zum Beispiel Kopfschmerzen oder Übelkeit für eine Kohlenmonoxid-Vergiftung gibt.“

Die Problematik in Kiel: Der Stadtverwaltung sind zwar 14 Lokale als Shisha-Bars bekannt, aber sie weiß nicht genau, in welchen weiteren Läden Wasserpfeifen zum Rauchen angeboten werden. Der Grund: „Die Shisha-Bar ist als Betriebsart bisher rechtlich nicht vorgesehen, denn es handelt sich immer noch um ein relativ neues Phänomen“, erklärt Joachim Kläschen vom Pressereferat der Stadt. Seit einiger Zeit erfrage die Gaststättenaufsicht jedoch bei Neuanträgen, ob Wasserpfeifen angeboten werden sollen und lege dies als neue Betriebsart zugrunde. Aber: „Bei nicht erlaubnispflichtigen Betrieben erfährt die Aufsicht erst im Nachhinein und wohl nicht in allen Fällen von dem Shisha-Angebot.“

Ebenfalls erst seit einigen Monaten fordert die Berufsfeuerwehr dazu auf, in neuen Shisha-Bars Kohlenmonoxid-Warner zu installieren. Stefan Plücker von der Berufsfeuerwehr Kiel berichtet, dass auch versucht werde, Betreiber älterer Shisha-Bars zum Nachrüsten der CO-Warner zu bewegen. Das sei im Interesse der Betreiber, denn sie sind für die Sicherheit der Gäste verantwortlich und können haftbar gemacht werden.

Die Interessenvertretung der Shisha-Branche sieht die Barbetreiber ebenfalls in der Pflicht: „Sie sind dafür verantwortlich, einen ausreichenden Luftaustausch zu gewährleisten“, sagte der Sprecher der Deutschen Shisha-Vereinigung, Renaud Garnier. Auf dem Markt gebe es bereits Luftreinigungsgeräte, die eine Reduzierung des Kohlenmonoxidgehalts ermöglichen. „Wir arbeiten daher an einer Zertifizierung für Shisha-Bars, und wir befürworten eine gesetzliche Definition von Grenzwerten der CO-Konzentration in der Raumluft.“

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Ein Artikel von
Karen Schwenke
Lokalredaktion Kiel/SH

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Shisha-Bars in Kiel
Foto: Die Luft in Shisha-Bars enthält häufig giftiges Gas.

Das Rauchen von Wasserpfeifen wird immer beliebter, allein in Kiel gibt es mindestens 14 Shisha-Bars. Doch die Luft in diesen Läden ist gefährlich: In mehreren deutschen Städten erlitten Gäste bereits schwere Kohlenmonoxid-Vergiftungen. So ein Fall ereignete sich jetzt auch in Kiel.

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