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Bunte Rap-Revue in der Sparkassen-Arena

Sido in Kiel Bunte Rap-Revue in der Sparkassen-Arena

Willkommen in Aggro Kiel: Wer hätte gedacht, dass man die alten Beef-Freunde Sido und Bushido hier einmal an einem Abend erleben könnte? Bushido macht am Sonnabend nach zwei Uhr nachts im Atrium Stress, Sido lässt sein Konzert in der gut gefüllten Sparkassen-Arena bereits um Viertel vor acht beginnen.

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Sido bei seinem Konzert in der Sparkassen-Arena in Kiel.

Quelle: Manuel Weber

Kiel. Auftrittszeiten  und -orte sagen eigentlich schon alles. Und obwohl Sido im Laufe des Abends immer wieder betont, dass es hier um eine echte „Hip-Hop-Show“ gehe, präsentiert der 35-Jährige in Wirklichkeit einen Spaß für die ganze Familie, was gut zum Publikumsmix in der Arena passt.

Nachdem seine Kollegen B-Tight und Mo-Trip die Gäste angewärmt haben, tritt der Rapper auf die Bühne und eröffnet sein Konzert mit dem Willkommensgruß Für ewig. Im durchblitzten Halbdunkel haftet der Performance noch ein Hauch von Derbheit an. Als die Licht- und Videoshow dann aber bei Löwenzahn ihre volle Dimension offenbart, ist klar: Dies ist Stadion-Rap und der ehemals skandalöse Sido im Jahre 2015 ein routinierter Entertainer, der seine Vergangenheit als abgeschlossenes Kapitel behandelt. Sowohl in seinen Songs wie bei den Ansagen herrscht die Perspektive des geläuterten Straßenjungen vor, der sein Gesicht schon lange nicht mehr hinter einer Maske verstecken muss, sondern mit Bart, Brille und Dad Bod nun ganz gemütlich am Stizzle ist. Er erinnert dabei an den Barden von der Heilsarmee, der auf der Straße lauthals Danke für diesen guten Morgen singt. Nur dass Sido dies eben mit modernen Mitteln tut.

Sido: Es ist nicht immer einfach, ein guter Mensch zu sein

Sidos Dank gilt Mutter, Frau und Kind, all seinen Homies auf der Bühne und den Fans davor sowieso. Diese werden bei Selfie live von der Bühne gefilmt und können auf deren Leinwand sehen, wie sie filmen, dass sie gefilmt werden. Noch ehe man darüber ins Philosophieren kommt, läuft im Mittelteil des Konzerts auch schon eine Art Medley, in dem von Fuffies über Ackan bis hin zu Liebe alte und neue Sido-Hits immer nur kurz angerissen werden. Es mündet in eine publikumsanimierte Version von Mein Block, bei der die erste Zuschauerin von der Security abtransportiert werden muss. Sido wünscht gute Besserung, nimmt mit Steine und Zu wahr das Tempo aus dem Abend und bekennt: „Es ist nicht immer einfach, ein guter Mensch zu sein. Aber es kommt auf den Versuch an.“

Nach solchen gemütvollen Momenten nimmt der Abend mit Mein Testament wieder an Fahrt auf und steigert sich bis zum aktuellen Hit Astronaut. Zwischen alledem macht Sido auf der Bühne auch immer wieder ein bisschen Comedy mit seinem „Butler“ Alexander und seinen Mitmusikern, verteilt Jägermeister ans Publikum, treibt seinen Spaß mit Helene Fischers Atemlos und stellt als Applausköder immer wieder seinen legendären Arschficksong von 2002 in Aussicht.

Hier sehen Sie Bilder von Sido in Kiel.

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Der erklingt schließlich als Kehraus-Lied einer perfekten Rap-Revue, deren Hauptdarsteller aber keinen Zweifel darüber lässt, dass er hier eine Jugendsünde wiederaufleben lässt. Mancher behält den obszönen Text noch beim Verlassen der Arena auf den Lippen – eigentlich eine gute Einstimmung für den Bushido-Gig im nahen Raisdorf. Doch dort würde man womöglich der Welt begegnen, die Sido gerade hinter sich gelassen hat.

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