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Mit 17 Tonnen gegen den Wind

Sommertheater-Aufbau Mit 17 Tonnen gegen den Wind

Die Aufbauarbeiten für das Sommertheater laufen auf Hochtouren. Über 500 Sitze müssen befestigt werden. Aber: In Kiel sind die Witterungsbedingungen seit jeher besondere Herausforderungen.

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Noch bis Sonntag laufen die Aufbauarbeiten am Seefischmarkt. Dann bietet die Tribüne Platz für 556 Zuschauer und die Kulissen auf der Bühne einen Blick auf die Förde.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Ole Schmidt befestigt Sitzschalen. Eine nach der anderen, 556 Stück. Ausrichten, Abstand nachmessen, festklemmen. Schmidt und seine Stühle sind ein kleines Teil des komplizierten Puzzles, das innerhalb von sechs Tagen zur Open-Air-Bühne am Seefischmarkt werden soll. Bis zu 40 Techniker, Bühnenbauer, Requisiteure und Helfer sind auf dem Areal vor der Neuen Salzhalle beschäftigt, damit pünktlich am Mittwoch die ersten Proben für das diesjährige Sommertheater (Premiere am 1. Juli) steigen können. Die Räuber von Schiller stehen auf dem Programm. An Tag vier der Arbeiten herrscht ruhiges, aber zielstrebiges Treiben.

Der Masterplan ist allen bekannt

„Einen Kreuzschlitz brauchen wir!“, schallt es von der Tribüne. Alle wissen, was wann passieren muss. Sie folgen einem Masterplan, den Andreas Waschkowski mitentwickelt hat. Der 57-Jährige ist Geschäftsführer der Opus Showtechnik GmbH und Produktionsleiter des Sommertheaters. Was Bühnenbildner Lars Peter sich als Kulisse wünscht, macht Waschkowskis Team möglich. So besteht das Bühnenbild aus mehreren Containern, die die Welt der Familie Moor von der Welt der Räuber trennen. Auch eine 30 Quadratmeter große LED-Wand passt sich in die Konstruktion ein, stellt aber auch eine besondere Herausforderung dar. „Wegen der großen Windlast müssen wir die Bühne mit 17 Tonnen Gewicht sichern“, erklärt Waschkowski. Die sind in Form von Wasserkanistern und Betonklötzen hinter den Kulissen versteckt, ebenso wie ein Technikbereich, in dem die Tontechniker Mathias Petersen und Stephan Rudolph fürs so genannte Monitoring, den Sound von Band und Künstlern, verantwortlich sind. Dazu brauchen sie Strom. Und der ist die nächste große Herausforderung. Immerhin müssen 200 Scheinwerfersysteme, 60 Lautsprecher und die LED-Wand versorgt werden. „Wir benötigen 300 Ampere, so viel liefert die Salzhalle nicht“, sagt Waschkowski. Ein nahegelegenes Trafo-Häuschen und das Nachbargebäude helfen aus. „Schon um die Kabel für die Versorgung zu verlegen, brauchen vier Kollegen zwei Tage“, berichtet Waschkowski.

Nur wenig Platz verfügbar

Monatelang hat er mit den Kollegen vom Theater am Masterplan getüftelt. „Alles ist auf den Zentimeter genau geplant und wird genau so umgesetzt.“ Wo kommen Künstler auf die Bühne oder wieder hinunter? Und wann ist die Fläche so zugebaut, dass keine Gabelstapler mehr eingesetzt werden können? „Die größte Herausforderung sind die beengten Platzverhältnisse“, sagt Waschkowski, der auch schon den Aufbau der Bühne für die Inszenierung von Romeo und Julia vor zwei Jahren an gleicher Stelle leitete. „Das war ein ganz anderer Aufbau, aber wir profitieren von der Erfahrung.“ Vor allem aus dem zeitweise schlechten Wetter lernten die Organisatoren, planten für dieses Jahr einen Laubengang ein, durch den die Schauspieler ungesehen in die Garderobe in der Salzhalle gelangen können. „Eigentlich waren für diese 80 Zentimeter kein Platz“, sagt Waschkowski. Er schuf ihn trotzdem. „Wir sind in einem permanenten Abstimmungsprozess, arbeiten aber alle selbstständig und nach dem Masterplan.“ So sieht die Bühne schon fast bespielbar aus, doch dahinter fehlt es noch an wichtigen Verkabelungen, Zelten und Sanitäranlagen für die Künstler. Auch steht erst einer von insgesamt vier Techniktürmen, die für perfekten Sound und Beleuchtung sorgen sollen. Waschkowski ist trotz des Zeitdrucks („Wir können uns keine Regenpausen leisten“) entspannt. „Wir sind super im Zeitplan“, sagt er. Auch Bühnenbildner Lars Peter ist zufrieden. „Natürlich geht man ein Open-Air-Stück anders an. Hier haben wir keine Schnürbalken, keine Seitenbühne und keine Drehbühne. Dafür konnte ich mich von der Umgebung inspirieren lassen. Und mit einem Auto kann man auch nicht auf jeder Bühne vorfahren.“ Prunkstück in seinen Augen ist das Penthouse der Familie Moor. „Dass man durch die Fenster direkt auf den Hafen gucken kann, hat schon was.“

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