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Feuer und Flamme für die „Räuber“

Sommertheater Kiel Feuer und Flamme für die „Räuber“

„Das Publikum ist begeistert, das Feedback ist großartig“, resümiert Andreas Waschkowski, der technische Leiter von Opus Showtechnik, vor der Finalrunde des Sommertheaters „Die Räuber“. „Es ist ja vergleichsweise schwerer Stoff, aber es kommt gut an.“

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Feuertest kurz vor der Vorstellung: Giacomo Koch steht auf dem Dach und meldet die ordnungsgemäße Funktion an die Technik.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Dass bisher noch keine Aufführung abgebrochen werden musste, sei den Schauern tagsüber zu verdanken, bei denen sich die Wolken kräftig entleeren. „Wir hängen natürlich permanent am Wetterradar, aber bisher lief es gut für uns.“ Die kleineren Schauer ertragen die Zuschauer mit Gelassenheit. „Das Publikum ist schleswig-holsteinisch. Es ist hart im Nehmen, die Schauspieler sind noch härter im Geben“, beschreibt Waschkowski.

Eine Stunde vor Spielbeginn strahlt am Dienstagabend die Sonne über die Bühne, auf der die Räuberbande gerade ihre Lieder probt. Tontechniker Hans Fintzen sitzt über der Tribüne. Den Ton der Schauspieler einzustellen, ist zwar sein Handwerk, dennoch kann er nicht nur das gespeicherte Programm abspielen. „Je nach Tagesverfassung der Schauspieler muss ich das natürlich nachregeln. Bei Wind klingt der Ton zum Beispiel auch ganz anders.“ Konzentriert sein muss er vor allem, wenn die Schauspieler erneut die Bühne betreten. „Ich darf das Mikrofon keine Sekunde zu zeitig anschalten, sonst hört man noch ein Räuspern oder so“, erklärt Fintzen. Dafür spricht er auch schon mal den einen oder anderen Satz mit.

Für den Ton auf den Ohren der Schauspieler und des Orchesters ist Stephan Rudolph zuständig. In seinem Container hinter der Bühne verwaltet er die Funkstrecken auf 32 Frequenzen. Über einen Monitor verfolgt er das Bühnengeschehen und passt seine Einsätze ab. „Es ist nervig, dass man nur eine Perspektive hat, aber ich lese immer mit und gucke aus meiner Tür, welcher Schauspieler gerade auf- oder abtritt“, erzählt Rudolph seine Strategie.

Karasek ist immer dabei

Regisseur Daniel Karasek ist bei jeder Aufführung dabei. Er ist – wie alle anderen – überaus zufrieden: „Ich bin glücklich, dass bisher alles gut läuft. Der Applaus ist gigantisch.“ Im Vergleich zur Seefischmarkt-Premiere 2014 sind logistische Probleme gelöst worden. „Wir haben viel gelernt – zum Beispiel haben wir jetzt beheizte Zelte und vernünftige Toiletten für die Schauspieler und einen Laubengang in die Halle“, zählt Karasek auf. „Dafür haben wir die Tribüne in Millimeterarbeit um 80 Zentimeter verschoben, sodass die Schauspieler nicht mehr außen herumgehen müssen, um zu den Umkleiden zu kommen“, erklärt Andreas Waschkowski.

Bevor Magdalena Neuhaus und Marko Gebbert zu Amalia und Franz werden, sitzen die beiden um kurz vor acht noch mit Kaffee auf der Treppe vor ihrem Zelt. „Bisher sind alle gesund geblieben“, berichtet Neuhaus, „aber ich trage auch fünf Unterhosen unter meinem Kleid“, lacht sie. Wenn sie im adretten Kleid in luftiger Höhe steht, sind die Zuschauer in Wintermantel und Schlafsack gehüllt. Schauspieler Marius Borghoff feierte am Dienstag seine persönliche Premiere. Drei Tage vor Spielbeginn brach er sich den Zeh. Nun spielt er aber auch humpelnd gut die Rollen des Schufterle und Hermann.

Sonnenbrillen neben Regencapes

Für das Höllenfeuer im Obergeschoss der Villa sind die Pyrotechniker Giacomo Koch und Alexander Scharf zuständig. Sechsmal schlagen die Flammen aus den Gasbrennern. „Am Sonntag war das Film pur, mit dem Gewitter im Hintergrund“, sagt Regisseur Karasek amüsiert, „als ob man einen Dracula-Film drehen wollte.“ Je nach Windrichtung und Windstärke muss Andreas Scharf den Druck am Gasdepot anpassen. Koch steht vorne und gibt Zeichen, ob die Schauspieler auch den nötigen Sicherheitsabstand haben. Scharf ist der Einzige im ganzen Team, der Wasser von oben nicht schlecht findet: „Ich freu’ mich über Regen, dann ist die Brandgefahr geringer.“

Der Gewittersonntag war es auch, der Spontaneität erforderte und die perfekte Arbeit des ganzen Teams zeigt. Wegen des heranziehenden Gewitters kürzte Karasek das Stück auf die Schnelle um sieben Minuten: „Die Entscheidung war schon wahnsinnig, aber es hat niemand gemerkt.“ Kaum war die Tribüne geleert, „pladderte es auch los“, so Andreas Waschkowski.

Pünktlich zu Spielbeginn senkt sich derweil die Sonne langsam am Horizont, strahlt auf die Tribüne. Nicht ohne Grund werden am Eingang Sonnenbrillen neben Regencapes verkauft.

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Ein Artikel von
Fatima Krumm
Volontärin

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