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Auswertung der Smartphones dauert an

Sophienhof Kiel Auswertung der Smartphones dauert an

Die Aufklärung im Fall der Mädchen, die am Donnerstag im Kieler Sophienhof von einer Gruppe von Flüchtlingen belästigt wurden, lässt auf sich warten. Kritik an der Informationspolitik der Polizei kommt unterdessen von der CDU. Auch der Innen- und Rechtsausschuss des Landtages soll sich heute mit dem Fall befassen.

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Mehr Sicherheit im Sophienhof: Nach den Belästigungen von drei jungen Mädchen hat das Management zusätzliche Vorkehrungen getroffen.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Die Polizei ist mit der Auswertung der Smartphones beschäftigt, die bei den 19 und 26 Jahre alten Hauptverdächtigen beschlagnahmt wurden. Obwohl die Polizei noch nicht sagen kann, ob sich tatsächlich Fotos oder Filme der drei Mädchen auf den beschlagnahmten Smartphones der Flüchtlinge befinden, hält Kiels Oberstaatsanwalt Axel Bieler es für „sehr wahrscheinlich“, entsprechende Daten zu finden. „Die Mädchen schildern, dass die Personen ihre Smartphones erkennbar hoch- und in ihre Richtung gehalten und mit ihren Fingern auf der anderen Seite den dort befindlichen Touchscreen berührt haben“, argumentiert der Ermittler und bezeichnet die Vorfälle vom Donnerstagabend vergangener Woche als „massive Belästigung“. Überdies hätten auch die eingesetzten Polizisten ausgesagt, dass der Einsatz von Passanten mutmaßlich gefilmt oder fotografiert wurde.

 Zugleich warnt Bieler davor, voreilige Schlüsse zu ziehen. „Wir können nicht einfach die Fotogalerie der beschlagnahmten Handys anklicken und nachschauen, ob sich dort Bilder der Mädchen befinden“, sagt der Oberstaatsanwalt. Die Speicher der Mobiltelefone müssten aufwendig ausgelesen und kopiert werden. „Wir müssen uns gerichtsfest gegen mögliche Vorwürfe der Datenmanipulation absichern und nachweisen, ob Bilder oder Videos beispielsweise selbstgemacht oder zugesandt worden sind“, argumentiert der Fahnder. Diese Datensicherung nehme einige Zeit in Anspruch. Nach Informationen unserer Zeitung sollen allein auf einem der kassierten Telefone mehr als 3000 Foto- und Film-Dateien gefunden worden sein.

Ermittlungsstand zum Fall Sophienhof

 Nach aktuellem Ermittlungsstand sollen sich am Tattag fünf Männer mit an den Tisch der Mädchen im Gastronomiebereich des Sophienhofs gesetzt haben. Die Männer hätten laut Bieler Bemerkungen wie „ich liebe dich“ oder „ich will dich küssen“ gemacht. Möglich sei auch, dass obszöne Sätze gefallen sind. In der Folge seien weitere, mutmaßlich herbeigerufene Männer erschienen. Auch sie sollen Aufnahmen mit ihren Telefonen gemacht haben. Während des Polizeieinsatzes seien es etwa 20 bis 30 Schaulustige gewesen.

 Unklar ist weiterhin, wie viele Personen unmittelbar an dem Vorfall beteiligt waren. Als Haupttäter gelten nach Angaben der Polizei zwei 19 und 26 Jahre alte Asylbewerber aus Afghanistan. Neben den beiden Männern waren zwei weitere Afghanen festgenommen worden. Ein fünfter Mann soll nach Angaben der Opfer nicht an der Belästigung beteiligt gewesen sein.

Kritik an der vorschnellen Informationspolitik

 Die Kieler Polizei hatte am Freitag in einer ersten Mitteilung von 20 bis 30 Männern gesprochen, die die drei jungen Mädchen „belästigt, beobachtet und verfolgt“ hätten. Eine Aussage, von der mittlerweile niemand mehr spricht. „Die polizeilichen Maßnahmen im Sophienhof in Kiel erfolgten – nach allem, was wir wissen – schnell, effizient und zielführend“, sagt Axel Bernstein. Der Innenexperte der CDU-Landtagsfraktion übt zugleich allerdings auch Kritik an der „offenbar vorschnellen“ Informationspolitik der Kieler Polizeidirektion: „Gerade in einem so sensiblen Fall dürfen ausschließlich überprüfte Fakten kommuniziert werden“, mahnt Bernstein und kündigt an, dass sich seine Fraktion mit diesem Fall weiter auseinandersetzen werde.

 Das Management des Einkaufszentrums kündigte an, die Sicherheitsvorkehrungen im Sophienhof weiter zu verstärken. „Erste Maßnahmen sind bereits ergriffen worden“, so Centermanagerin Sophie Dukat. Details wolle sie aber nicht nennen.

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Sophienhof-Vorfälle
Foto: Die Massagesessel in der Verweilzone des Sophienhofs wurden abgebaut: Hier hatten sich in den vergangenen Monaten vor allem junge Flüchtlinge getroffen und den kostenlosen Internetzugang genutzt.

Wie lange kann, wie lange darf die Polizei eine so brisante Nachricht wie die über die Belästigung dreier junger Frauen im Kieler Sophienhof zurückhalten – auch auf die Gefahr hin, dass ihr dabei Fehler unterlaufen? Nur sehr kurz, stellte Innenstaatssekretärin Manuela Söller-Winkler (SPD) am Mittwoch fest.

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