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Massenbelästigung im Sophienhof Kiel

Mit Video Massenbelästigung im Sophienhof Kiel

Großeinsatz der Polizei am Sophienhof in Kiel: Zwei Asylbewerber aus Afghanistan haben am Donnerstagnachmittag drei junge Frauen im Alter von 15, 16 und 17 Jahren belästigt. Als die Jugendlichen flüchten wollten, wurden sie von knapp 30 Männern verfolgt. Innenminister Stefan Studt äußerte sich dazu vor der Presse.

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25 Männer sollen drei Frauen am Sophienhof in Kiel massiv bedrängt haben.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Nach einem dramatischen Vorfall im Kieler Sophienhof ist eine neue Debatte über Sicherheit und den Umgang mit kriminellen Zuwanderern entbrannt. 20 bis 30 Männer mit Migrationshintergrund haben am Donnerstag zwischen 17.30 und 19.30 Uhr drei junge Frauen in dem Einkaufszentrum massiv belästigt. Die Polizei informierte darüber erst am Freitag. Vier Männer wurden vorläufig festgenommen. Die beiden Haupttäter, 19 und 26 Jahre alte Asylbewerber aus Afghanistan, sollen die Mädchen im Alter von 15, 16 und 17 Jahren beobachtet, dann verfolgt und mit Handys gefilmt haben.

Die Aufnahmen wurden dann über soziale Netzwerke verbreitet. Nach und nach kamen so weitere Männer dazu und belästigten die Mädchen ebenfalls. Erst als Sicherheitsdienst und Polizei einschritten, ließ die Gruppe von den Mädchen ab. Im Gegensatz zu den Silvesterattacken in Hamburg und Köln kam es offenbar zu keinen sexuellen Übergriffen. Die Afghanen und zwei weitere Verdächtige wurden vorläufig festgenommen, nachdem sie gegen Polizisten Widerstand geleistet hatten. Im Sophienhof und auf dem Weg ins Polizeirevier wehrten sich die Festgenommenen vehement. Es kam laut Polizei zu massiven Beleidigungen, Bedrohungen und Körperverletzungen. Die Haupttäter verbrachten eine Nacht im Gewahrsam, die beiden anderen wurden schon am Donnerstag „nach Identitätsfeststellung“ auf freien Fuß gesetzt. Woher sie stammen, konnte die Polizei bis zum Abend aber nicht mitteilen.

Reaktionen Stefan Studt

Innenminister Stefan Studt zeigt sich tief betroffen über die Ereignisse im Sophienhof: „So etwas ist nicht hinnehmbar, nicht akzeptabel, dass Menschen in freien Räumen, in denen sie sich treffen, sei es beim Einkaufen oder in der Freizeit, derart belästigt werden.“ Jetzt gelte es mit aller Kraft, die ein Rechtsstaat zur Verfügung habe, diese Taten aufzuklären und weitere zu verhindern. Sein ganzes Mitgefühl gelte den drei jungen Mädchen und ihren Familien. „Wir müssen in diesem Land frei leben können. Dafür muss die Landespolizei sorgen können. Das sehe ich als meine Verantwortung an.“ Er warne davor, Vergleiche zu den Geschehnissen in der Silvesternacht in Köln und Hamburg zu ziehen.

In Kiel habe die gesellschaftliche Verantwortungskette funktioniert. Begleiter und Gäste hätten sich sofort an die Ordnungsdienste gewandt. Die Polizei habe die Täter schnell festgenommen. „Jetzt müssen die übrigen Tatbeteiligten ermittelt werden“, sagte der Minister. „Wir müssen nun schauen, was die Landespolizei daraus lernen kann, was wir beispielsweise an Mustern an andere Landespolizeien weitergeben.“ Er sei Vater von vier Kindern, darunter zwei Mädchen im selben Alter. „Das ist schon eine wahnsinnige Belastung für die Mädchen und die Eltern“, sagte Studt.

Weitere Reaktionen aus der Politik

Wolfgang Kubicki, Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion und Strafverteidiger, überrascht der Vorfall nicht. Im Interview mit den Kieler Nachrichten spricht er allerdings von einer neuen Qualität: "Wirklich überrascht hat mich, dass aus den zunächst zwei Männern, die die Mädchen verfolgt haben, dann über Handys und soziale Medien 20 bis 30 Männer geworden sind."

Kiels OB Ulf Kämpfer (SPD) forderte eine entschlossene Reaktion: „Die Kieler Polizei und der Sicherheitsdienst haben offenbar auf die Vorfälle im Sophienhof schnell und konsequent reagiert. Ich gehe fest davon aus, dass die Aufklärung der Ereignisse und nötigenfalls die strafrechtliche Ahndung genauso konsequent geschehen.“ Weder Belästigungen noch Gewalt dürften geduldet werden. Auch die Fraktionen der Kieler Rathauskooperation riefen nach Konsequenzen: „Nein heißt Nein!“, bekräftigten sie in einer Stellungnahme. „Dieses Prinzip muss endlich in der deutschen Rechtsordnung verankert werden, besonders im Strafgesetzbuch.“

Innenminister Stefan Studt (SPD) sagte kurzfristig seinen Besuch an der Absturzstelle des Hubschraubers in Bimöhlen ab und kündigte an, dass die Tat „mit aller Kraft, die ein Rechtsstaat zur Verfügung hat, aufgeklärt werden“ müsse. Auch FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki forderte eine harte Reaktion. „In solchen Fällen ist Rücksichtnahme das Gegenteil von Integration und führt letztlich zu Parallelgesellschaften.“

Die Verfolgung der Mädchen ist offenbar nur die Spitze des Eisbergs. Geschäftsleute im Sophienhof berichten von einer steigenden Zahl von Diebstählen. Immer wieder würden Kunden belästigt. Die Polizei will in den nächsten Tagen verstärkt Präsenz zeigen und setzt auch die Landesreserve ein.

Am Sonnabend bestätigte die Polizei Kiel, dass sich weitere Mädchen und junge Frauen bei ihnen gemeldet und mutmaßlich ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Genauere Erkenntnisse gibt es noch nicht, die Polizei prüft die Angaben derzeit. Die Beamten kündigten außerdem an, auch am Wochenende zu arbeiten, um die Identifizierung der Täter voranzutreiben.

Von Oliver Hamel und Günter Schellhase

Sophienhof äußert sich bei Facebook

„Die Polizei ist mit einem starken Kräfteaufgebot vor Ort und wird in den kommenden Tagen eine brennpunktorientierte Präsenz zeigen“, so Pohl. Bürger, die sich bedroht fühlen, sollten sofort die Beamten unter 110 informieren. Die Polizei sucht außerdem Zeugen, die den Vorfall am Donnerstag beobachtet haben. Wer etwas gesehen hat, sollte sich unter Tel. 0431/160 3333 oder 0431/160 1210 bei der Kripo melden.

Der Sophienhof Kiel äußerte sich am Freitagabend in einem Post zu dem Vorfall:

Chronologie der Ereignisse

Noch ermittelt die Polizei, um den genauen Tathergang zu rekonstruieren. Nach derzeitigem Stand hat sich Folgendes ereignet:

  • Drei junge Frauen im Alter von 15, 16 und 17 Jahren wurden gegen 17.30 Uhr zunächst von zwei Männern afghanischer Abstammung beobachtet und dann verfolgt. Die 19 und 26 Jahre alten Asylbewerber mit Wohnsitz in Kiel fotografierten oder filmten die jungen Frauen mit ihrem Mobiltelefon im Restaurantbereich des Einkaufszentrums. Danach verschickten sie die Aufnahmen mit ihren Smartphones.
  • Nach und nach wuchs die Gruppe auf bis zu 30 Personen , die laut Augenzeugen alle einen Migrationshintergrund haben. Die Mädchen wurden weiter belästigt. Es soll jedoch zu keinem körperlichen Übergriff gekommen sein. Aus Angst rannten zwei der drei Mädchen weg und schüttelten bis zu zehn Verfolger ab. Aus Sorge kehrten sie dann allerdings schnell zu ihrer Freundin zurück. Dort stießen die zwei Haupttäter wieder zu den Mädchen und belästigten sie aufs Neue.
  • Mittlerweile hatten Passanten die Szenen beobachtet und den Wachdienst informiert, der sofort die Polizei alarmierte. Als die Beamten die Situation klären wollten, wurden sie massiv beleidigt, bedroht und teilweise verletzt. Gegen 19.30 Uhr kehrte im Sophienhof Ruhe ein. Die beiden Haupttäter sowie zwei weitere Tatverdächtige wurden vorläufig festgenommen. Die Haupttäter kamen über Nacht ins Gewahrsam. Freitag wurden sie wegen fehlender Haftgründe wieder entlassen. Sie haben einen festen Wohnsitz in Kiel. Auch der Amtsarzt wurde von den Männern beleidigt und bedroht.
  • Eine Ermittlungsgruppe der Polizei hat mit Unterstützung von Spezialdienststellen der Kripo die Arbeit aufgenommen. Sie werten unter anderem Videoaufnahmen aus dem Sophienhof sowie Mobiltelefone der Beschuldigten aus. 
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Ein Artikel von
Günter Schellhase
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Interview zur Massenbelästigung
Foto: Wolfgang Kubicki, 63, ist Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion und Strafverteidiger.

Bis zu 30 Männer mit Migrationshintergrund - darunter zwei Asylbewerber aus Afghanistan - sollen im Sophienhof in Kiel drei Jugendliche massiv belästigt und verfolgt haben. Wolfgang Kubicki, Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion und Strafverteidiger, überrascht der Vorfall nicht. Im KN-Interview spricht er von einer neuen Qualität.

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