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Politik zeigt Verständnis für die Polizei

Sophienhof-Vorfälle Politik zeigt Verständnis für die Polizei

Wie lange kann, wie lange darf die Polizei eine so brisante Nachricht wie die über die Belästigung dreier junger Frauen im Kieler Sophienhof zurückhalten – auch auf die Gefahr hin, dass ihr dabei Fehler unterlaufen? Nur sehr kurz, stellte Innenstaatssekretärin Manuela Söller-Winkler (SPD) am Mittwoch fest.

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Die Massagesessel in der Verweilzone des Sophienhofs wurden abgebaut: Hier hatten sich in den vergangenen Monaten vor allem junge Flüchtlinge getroffen und den kostenlosen Internetzugang genutzt.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Ja, die Polizei hätte mit ihrer Information über den am Donnerstag vergangener Woche geschehenen Vorfall bis zum Montag warten können. So hatte man es nach Silvester in Köln praktiziert. „Und deshalb haben wir gleich am Freitag das berichtet, was wir wussten.“ Die Polizei hatte zunächst davon berichtet, dass die drei jungen Frauen in der Restaurant-Zone des Einkaufszentrums nicht nur von bis zu fünf afghanischen Flüchtlingen massiv belästigt wurden, sondern dass sich später bis zu 30 weitere Männer südländischen Aussehens wie ein Mob drumherum gesellten, herbeigerufen durch geteilte Handyaufnahmen. Am Ende kristallisierten sich zwei Haupttäter im Alter von 19 und 26 Jahren heraus.

Auf ihren Handys hätten sich inzwischen Fotos der jungen Frauen gefunden, bestätigte der stellvertretende Landespolizeidirektor Joachim Gutt am Mittwoch in der Sitzungspause, auch wenn eine Bewertung der Aufnahmen noch ausstehe. Der Sachverhalt allerdings, dass bis zu 30 Männer als „homogene Masse“ die Opfer jagten, stelle sich inzwischen anders dar. Der Fall hatte zunächst an die Silvesternacht von Köln und Hamburg erinnert und deutschlandweit für Schlagzeilen gesorgt. Die Polizei will ihre Sprecher jetzt besser ausbilden. „Qualität und Anforderungen haben sich in den letzten Monaten drastisch verändert“, sagte Söller-Winkler. „Bisher musste eine Polizeidirektion nicht damit rechnen, überregional medial belagert zu werden.“

Breites Verständis von der Politik

Im Innen- und Rechtsausschuss stieß das Polizeivorgehen auf breites Verständnis – nicht nur auf Seiten der Küstenkoalition. „Es war richtig, schnell zu reagieren, auch wenn anschließend Korrekturen nötig waren“, sagte Simone Lange (SPD) und sprach vom öffentlichen Interesse. Zugleich stellte sie fest, dass der Abstand zwischen objektiver Sicherheitslage und subjektivem Empfinden „noch nie so groß“ gewesen sei. „Information erfüllt eine wichtige Funktion, diese Schere etwas zu schließen.“ Auch Ekkehard Klug (FDP) hält die Erklärung, warum die Polizei widersprüchliche Angaben gemacht hat, für nachvollziehbar – ungeachtet, dass die Tat nach wie vor „übel und ekelhaft“ sei. Burkhard Peters (Grüne) mahnte Besonnenheit an, die in Politik, bei der Polizei und den Medien einkehren sollte. „Ihr Appell führt ins Nichts“, entgegnete Patrick Breyer. Im Jahr 2016 mit Facebook, Twitter & Co. könne man Informationen nicht mehr kontrollieren. Polizeichef Gutt hatte auf eine dienstliche Anweisung hingewiesen, die er seinen Mitarbeitern erteilt hatte: Die Öffentlichkeitsarbeit habe „absolut offen und proaktiv zu erfolgen“.

Die Polizei sucht noch immer den Zeugen, offenkundig einen Deutschen, der beobachtet hatte, wie die jungen Frauen bedrängt wurden. Der Mann hatte den Sicherheitsdienst alarmiert. Unterdessen schafft das Management des Einkaufszentrums Fakten. Die sogenannte Verweilzone mit kostenpflichtigen Massagestühlen und Sitzhockern im Übergang zwischen Holstentörn und Sophienhof ist beseitigt worden. Hier hatten sich in den vergangenen Monaten vor allem junge Flüchtlinge getroffen und das kostenlose WLAN genutzt, um im Internet zu surfen. „Das WLAN ist seit Mittwoch vorerst nicht mehr in Betrieb“, sagte Center-Managerin Sophie Dukat. Dies habe zum einen Sicherheitsgründe. „Allerdings beginnen in den kommenden Tagen auch die Aufbauarbeiten für unsere Frühlingsdekoration.“

Von Christian Hiersemenzel und Bastian Modrow

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Sophienhof Kiel
Foto: Mehr Sicherheit im Sophienhof: Nach den Belästigungen von drei jungen Mädchen hat das Management zusätzliche Vorkehrungen getroffen.

Die Aufklärung im Fall der Mädchen, die am Donnerstag im Kieler Sophienhof von einer Gruppe von Flüchtlingen belästigt wurden, lässt auf sich warten. Kritik an der Informationspolitik der Polizei kommt unterdessen von der CDU. Auch der Innen- und Rechtsausschuss des Landtages soll sich heute mit dem Fall befassen.

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