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Bezahlbarer Wohnraum hat Priorität

Sozialbericht der Stadt Bezahlbarer Wohnraum hat Priorität

Der neue Sozialbericht für die Stadt Kiel soll aktuelle „Daten für Taten“ liefern: Er dient laut Sozialdezernent Gerwin Stöcken (SPD) auch als Grundlage für politische Entscheidungen.

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Auf unbebauten Grundstücken an der Hörn planen regionale Unternehmen eines der größten Neubau-Projekte Kiels mit mehreren Hundert Wohnungen.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Der 60-seitige Bericht hat es in sich, zeigt er doch anhand nüchterner Zahlen, dass die Stadt angesichts der wachsenden Bevölkerungszahl bei der Wohnungsversorgung handeln muss. Die Stadt plant, im Herbst mit dem Bau von 220 Wohnungen auf neun städtischen Flächen zu beginnen – notfalls auch in Eigenregie.

Zum ersten Mal ist der Sozialbericht, der am Donnerstag dem Sozialausschuss vorlag, mit politischen Stellungnahmen versehen und auf die jeweiligen 18 Ortsteile in Grafiken heruntergebrochen. Auch wenn die Stadt sich im Sozialbereich durch ihr breites Beratungs- und Unterstützungsnetz gut aufgestellt sieht, zeigen sich Schattenseiten. Im Vorwort warnt Oberbürgermeister Ulf Kämpfer vor der „zunehmenden sozialen Entmischung“ in vielen Stadtteilen: „Der Wohnungsmarkt und die Entwicklung der Stadtteile dürfen sich nicht selbst oder dem zufälligen Interesse von Investoren überlassen werden.“ Zusammen mit Akteuren der Wohnungswirtschaft hat der Masterplan Wohnen zu bereits 1036 Baugenehmigungen im vergangenen Jahr geführt. Doch das reicht noch nicht, weiß auch Stöcken: Vor allem bezahlbarer Wohnraum bleibe die große Herausforderung. Ergreife man keine Gegenmaßnahmen, werden die Mieten weiter steigen, verweist Stöcken auf den Beschluss der Stadt, Flächen nur dann zu verkaufen, wenn wenigstens ein Drittel sozial geförderter und genossenschaftlicher Wohnraum in allen Stadtteilen entsteht.

Angemessene Unterkünfte

Die Stadt als Bauherrin, nur unterstützt vom Land durch Darlehen? Für Stöcken steht fest, dass Kiel alles daran setzen müsse, um Menschen mit angemessenen Unterkünfte zu versorgen, die sonst vom normalen Mietermarkt abgekoppelt sind: Von 1800 Wohnungen nach dem Kieler Modell in den nächsten fünf Jahren ist die Rede. Ob Flüchtlinge, Wohnungslose (derzeit etwa 500), Studierende, Langzeitarbeitslose oder Familien mit geringerem Einkommen – sie haben große Probleme auf der Suche nach einer Bleibe und drohen aus den besonders nachgefragten Stadtteilen verdrängt zu werden. In Mettenhof und Gaarden leiste die Bevölkerung Großartiges, um den sozialen Zusammenhalt zu organisieren, lobt Stöcken, muss aber feststellen, dass sich die mit Armut verbundenen Probleme in diesen Stadtteilen nach wie vor besonders häufen. So weist Gaarden mit 35,8 Prozent die niedrigste Quote der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung auf, gefolgt von Mettenhof mit 40,7 Prozent. Beide Stadtteile „brauchen unsere Solidarität“, so Stöcken. Wie tief die soziale Spaltung der Stadt bereits ist, untermauern zwei weitere Entwicklungen. Fast jedes dritte Kind in Kiel unter 15 Jahren lebt von Sozialleistungen, ein überdurchschnittlich hoher Anteil für eine Großstadt. Dazu kommen Tausende von Langzeitarbeitslosen, denen Altersarmut droht: „Wir müssen unseren Blick schärfen und die Arbeitsmarktinstrumente neu ausrichten“, fordert Stöcken.

Kiel zählt zu den Gewinnern

Bei der demografischen Entwicklung gehört Kiel zwar zu den Gewinnern und wird jünger. Doch an den Rändern der flächenarmen Stadt wächst das Durchschnittsalter – wie etwa in Schilksee und Rönne. Um Älteren das Wohnen in ihren Quartieren weiter zu ermöglichen, braucht es nicht nur eine gute Nahversorgungsstruktur, sondern auch Nachbarschaftshilfe. Dabei orientiert sich die Stadt am Konzept der Markttreffs auf dem Land: Sie plant, zusammen mit Sozialverbänden in oder nahe von Einkaufsläden Anlaufstellen mit Angeboten zur Beratung und Begegnung aufzubauen.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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Martina Drexler zum Sozialbericht

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