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Das Handicap ist nur Nebensache

Sozialkirche Gaarden Das Handicap ist nur Nebensache

Schon seit etwa fünf Jahren tagt in der Sozialkirche Gaarden der Stammtisch für Menschen mit Behinderung. Geredet und unternommen wird dabei alles Mögliche, das Thema Behinderung selbst spielt eher eine Nebenrolle.

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Pastor Tom Beese, Tanja Harder und Martin Stadali (von links) hatten Spaß auf der Schwentine.

Quelle: hfr/Sozialkirche Gaarden

Gaarden. Manche Leute bewegen sich mit Beinen fort, manche mit dem Rollstuhl. So einfach ist das. Frank Trumpke ist im Stadtteil bekannt wie ein bunter Hund, weil er ständig unterwegs ist mit seinem Rolli. Und weil er seit sieben Jahren ehrenamtlich im Vinetazentrum arbeitet. Demnächst zum Beispiel will er erstmals Tanztee für ältere Menschen organisieren und dabei auch den DJ machen.

 Zum Stammtisch in der Sozialkirche gegenüber Katzheide geht Trumpke von Anfang an. „Es gefällt mir echt gut, und man kann neue Leute kennenlernen“, nennt er den Grund dafür. Und außerdem: Hier ist er nicht wie im Vinetazentrum einer der Aktiven, sondern einfach als einer der 15 bis 20 Teilnehmer. Fürs Drumherum sind ausnahmsweise andere Ehrenamtliche zuständig. Und das, so sagt, er „ist ja auch mal ein schönes Gefühl“.

 Eine dieser Ehrenamtlichen ist Regina Grage, auch schon von Anfang an dabei und immer noch mit vollem Herzen. „Ich freue mich immer auf diesen Tag“, sagt die Gaardenerin, die den lockeren und familiären Umgang in der Runde schätzt. Und auch das, was man zusammen macht. Mal geht es zu einem Ausflug ins Werkstatt-Café, mal ist Filmeschauen dran, mal unterhält man sich mit Gesellschaftsspielen.

 Jüngst machte der Stammtisch einen Abstecher an die Schwentine. Etliche Mitglieder unternahmen dabei eine Probefahrt mit einem Boot, das Tüftler aus dem Umfeld der Fachhochschule Kiel speziell für Menschen mit Behinderung entwickelt haben. Auch Tanja Harder wagte sich auf das Vehikel und hatte viel Spaß dabei.

 Doch nicht allein der Spaß ist es, der sie seit zwei Jahren zur Stamm-Stammtischlerin macht. „Man kann auch reden, wenn es einem mal nicht so gut geht“, berichtet die junge Frau, die in der Ringstraße wohnt. Denn auch wenn alle Teilnehmer selbstbewusst und sehr mobil sind, kann es zu körperlichen oder psychischen Rückschlägen kommen.

 Regina Grage hat aber auch schon viele tolle Entwicklungen erlebt. Sie erzählt von einer Frau, die anfangs sehr schweigsam und verschlossen war, sich dann aber immer mehr geöffnet hat und zu einer Bereicherung der ganzen Gruppe geworden ist. „Das liegt an der schönen Atmosphäre“, glaubt die Rentnerin, deren gehbehindertenr Mann Dieter ebenfalls zum Leitungsteam des Stammtisches gehört.

 Zusammen schafften es die Ehrenamtler sogar, eine einjährige Durststrecke nach dem Weggang von Pastor Matthias Ristau zu überbrücken. Seit zu Jahresbeginn Ragni Mahajan als neue Pastorin kam, ruht wieder nicht mehr die ganze Verantwortung auf den Freiwilligen. Sie hilft bei der Organisation, behält ansonsten aber die alte Linie bei, wonach gemeinsam beschlossen wird, was beim nächsten Stammtisch auf der Tagesordnung stehen soll.

 Zuweilen ist die Pastorin auch in ganz anderer Weise tätig. Als kürzlich ein Stammtisch-Mitglied verstarb, das keine Angehörigen hatte, richtete sie eine stimmungsvolle Trauerfeier für ihn aus. Und alle waren der Meinung, dass er sich sehr darüber gefreut hätte.

 Der Stammtisch für Menschen mit Behinderung trifft sich immer am zweiten Freitag des Monats von 17 bis 20 Uhr in der Sozialkirche in der Stoschstraße. Die Teilnehmer kommen aus dem ganzen Stadtgebiet und freuen sich über Neuzugänge mit und ohne Behinderung. Wegen der Nacht der Kirchen fällt der Stammtisch allerdings im September aus, so dass der 9. Oktober der nächste Termin ist. Weitere Auskünfte bei Pastorin Ragni Mahajan, Telefon 76888.

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