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Sie träumten vom Millionen-Coup

Sparkassen-Einbrecher Sie träumten vom Millionen-Coup

Nach dem Einbruch in die Zentrale der Förde Sparkasse fuhren die beiden Litauer im gemieteten Jaguar XF quer durch Deutschland, um weitere potenzielle Tatorte auszukundschaften. Unterwegs träumten sie von teuren Rolex-Uhren und vom „Urlaub“ in der Heimat. Einbrechen und stehlen war für sie „Arbeit“.

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Diese Schließfächer in der Förde Sparkasse in Kiel sind mittlerweile Geschichte - sie wurden abgeschafft.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Solche brisanten Gesprächsinhalte dokumentiert die polizeiliche Innenraumüberwachung der Limousine, in der die Angeklagten vor ihrem letzten Sparkassen-Einbruch in Ilmenau (Thüringen) unterwegs waren. Was die 38 und 39 Jahre alten Männer nicht wussten: Ihr Wunschfahrzeug (Neupreis ab etwa 50000 Euro) war verwanzt, die Polizei hörte mit. Wie eine Aufzeichnung vom 30. März belegt, hätten die Einbrecher den Jaguar gerne mit nach Litauen genommen, „wenn wir genug Kohle gemacht haben“. Aber dazu müsse man noch „nächste Woche arbeiten“, hieß es.

Das Ergebnis des vorausgegangenen polizeilichen Lauschangriffs ist jetzt Gegenstand des Prozesses im Kieler Landgericht, wo sich die Angeklagten wegen schweren Einbruchdiebstahls verantworten müssen. Wie berichtet räumen die Litauer beide Tatvorwürfe ein. In Kiel wollen sie jedoch weniger als 70000 Euro erbeutet haben. Die Anklage schätzte den Inhalt der 200 geöffneten Schließfächer dagegen auf 145000 Euro Bargeld, 20000 Euro Goldmünzen und Schmuck im Wert von 5000 Euro. Das Gericht hat bisher zehn Hauptgeschädigte als Zeugen vernommen und kommt auf eine vorläufige Summe von rund 62000 Euro. Die meisten Geschädigten gaben einen Schaden unter 1500 Euro an. Die Kammer will zur Ermittlung der Gesamtsumme möglicherweise weitere Kunden vernehmen.

Die Verteidiger hätten es gerne bei den Geständnissen belassen, sie wehrten sich gegen die Verwertung der Tonaufnahmen im Prozess. Doch die Staatsanwältin forderte die Anhörung von zehn Schlüsselpassagen. Begründung: Die Gespräche belegten, dass die Angeklagten zahlreiche weitere Tatobjekte ausbaldowert hätten. Die Kammer signalisierte bereits grünes Licht.

Gelegentlich wirken die Sprecher genervt, fluchen und schimpfen. Träumt der eine von einer Millionenbeute, rechnet der andere mit „maximal 200 Mille“. Auf der Fahrt nach Sachsen hätten sie am liebsten gleich für zwei Jahre einen Pkw gemietet. „Wie Könige“ wollte man durch Deutschland fahren, um Schließfächer zu knacken, und „die Bullen können nichts machen“.

Unterdessen wehrt sich die Polizeidirektion Kiel gegen den Vorwurf der beiden Strafverteidiger, die Tat vom 6. März am Kieler Lorentzendamm hätte angesichts der Verdachtslage bei größerer Aufmerksamkeit der Ermittler verhindert werden können. Zwar sei man am Sonntag über eine erneute Annäherung des mit einem Peilsender ausgestatteten Mietwagens der Litauer nach Kiel informiert worden, so Polizeisprecher Oliver Pohl. Den Einbruch vom Montag hätte jedoch nur eine sofortige umfassende Beschattung der Tatverdächtigen verhindern können. „Für einen solchen Einsatz gab es jedoch zu wenige konkrete Anhaltspunkte“, sagte Pohl.

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