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Sponsoring half vor allem der Agentur

Spenden für Special-Olympics Sponsoring half vor allem der Agentur

14 Monate vor der Austragung der nationalen olympischen Sommerspiele für Menschen mit geistiger Behinderung in Kiel sehen sich die Organisatoren von Special Olympics Deutschland (SOD) mit einem Sponsoring-Skandal konfrontiert.

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Gerwin Stöcken will sich mit Nachdruck dafür einsetzen, dass die Transparenzrichtlinien in Sachen Sponsoring bei den Sommerspielen 2018 in Kiel eingehalten werden.

Quelle: Frank Peter

Kiel/Willingen. Laut Bundesverband haben drei SOD-Landesverbände in den vergangenen Jahren von der Stuttgarter Agentur Metatop Sponsorengelder akquirieren lassen, die eine Provision von über 60 Prozent einbehalten hat. „Von jedem Euro, den diese Vermittlungsfirma bei Sponsoren einwarb, sind nur 38 Cent an die Landesverbände in Hamburg, Baden-Württemberg und Hessen weitergeleitet worden. Dieses Vorgehen verurteilen wir. Es ist unethisch“, sagte die Präsidentin des Bundesverbandes Christiane Krajewski. Nach Informationen dieser Zeitung hat Metatop zwei der drei betroffenen Landesverbänden monatlich bis zu 10 000 Euro überwiesen und über 16 000 Euro als Provision einbehalten. Der Bundesverband hatte im Rahmen einer ARD-Recherche von den Vertragskonditionen erfahren. Einige Vertreter der übrigen elf Landesverbände sollen von dem Skandal sogar erst am Sonntag im hessischen Willingen überrascht worden sein. Dort wurden Montag die SOD-Winterspiele eröffnet.

 Die Vorsitzende des Landesverbandes Schleswig-Holstein Ursula Albrecht zeigte sich entsprechend bestürzt: „Das ist für uns alle schockierend, und es ist völlig inakzeptabel.“ Die Ehrenamtlerin des nach ihren Angaben „ärmsten Landesverbandes“ befürchtet einen Schaden für die gesamte Organisation: „Obwohl wir nichts damit zu tun haben, hängen wir alle mit dran.“ Sowohl der Bundesverband als auch der hiesige Landesverband arbeiten nach eigenen Angaben nicht mit externen Agenturen oder mit Mitarbeitern auf Provisionsbasis zusammen. „Alle Sponsorengelder fließen in unsere Arbeit für Menschen mit Behinderung“, so Krajewski.

 In Kiel dürfte der Sponsoring-Skandal für Unmut sorgen. Zu den Special Olympics 2018 werden vom 13. bis zum 18. Mai über 4000 Athleten und zusätzlich zahlreiche Betreuer, Trainer und Familienangehörige erwartet. Insgesamt beträgt laut SOD das Budget für die Großveranstaltung 1,8 Millionen Euro. Je 250000 Euro kommen von der Stadt Kiel und vom Land. 1,3 Millionen will der SOD-Bundesverband über Sponsoren, Stiftungen und öffentliche Mittel einwerben. Sportdezernent Gerwin Stöcken äußerte sich besorgt: „Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, dann liegt hier ein äußerst unsauberes Verhalten der Sponsoren-Vermittlungsfirma vor, die damit den guten Namen der Special Olympics Deutschland diskreditiert.“ Und der Stadtrat kündigte an: „Ich werde mich mit Nachdruck dafür einsetzen, dass die Transparenzrichtlinien in Sachen Sponsoring bei den Sommerspielen 2018 in Kiel eingehalten werden.“

 Dafür sind die Weichen nun gestellt. Special Olympics Deutschland kündigte Konsequenz an: „Wir wollen in der Mittelbeschaffung verbindliche Standards einzuführen. Diese sollen sich am Spendensiegel des Deutsches Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) orientieren“, sagte SOD-Bundesgeschäftsführer Sven Albrecht. Das Siegel sieht vor, dass von Spendengeldern maximal 35 Prozent für Werbung und Verwaltung verwendet werden. Wie Krajewski einräumt, sind die bestehenden Verträge mit der Agentur Metatop erst zum Ablauf des Jahres kündbar. Sie appelliert an die Öffentlichkeit, Täter und Opfer auseinanderzuhalten: „Die betroffenen Landesverbände sind auch Opfer. Sie werden die Verträge kündigen. Doch es wird schwer für sie, die Einnahmen waren eine wichtige Säule.“

 Welchen Schaden die drei Landesverbände dem Gesamtverband, den Premiumsponsoren und den Sportlern mit geistiger Behinderung zugefügt haben, darüber wird in den nächsten Tagen in Willingen noch viel diskutiert werden. „Natürlich werde ich mich diese Woche bei meiner Reise zu den Winterspielen in Willingen mit den Organisatoren zu diesem Thema austauschen“, sagt Sportdezernent Stöcken. Und er ist optimistisch: „Ich bin überzeugt, dass wir 2018 in Kiel faire, saubere und spannende Wettbewerbe erleben werden.“

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